Reden wir miteinander – Dialog satt am Valentinstag

Meine Güte, waren das zwei Wochen! Viel geschlafen habe ich nicht, aber so eine Resonanz auf den Brief unter www.fragdenlandwirt.de/lieber-verbraucher/ erlebt man wohl im Leben nur einmal. Mittlerweile über 240.000 Zugriffe allein auf unserer Internet-Seite, geschätzte 3.000.000 Facebook-User, auf Twitter und WhatsApp, unzählige Vervielfältigungen in Online-Portalen, Anrufe von Radio und Fernsehen. Und tolle Kommentare. Für alles ganz herzlichen Dank, besonders für die kritischen Stimmen.

Landwirtschaft ist eben nicht einfach zu erklären und so habe ich es mit dem Artikel „Lieber Verbraucher“ wohl ein wenig wie Pippi Langstrumpf gemacht: „ich mach mir die Welt widde widde wie sie mir gefällt“.

Und jetzt stehen wir doch irgendwie ein wenig ratlos voreinander. Ihr Verbraucher fragt uns, wie es denn nun weitergehen soll? Was ihr tun könnt? Da habe ich wieder an Pippi Langstrumpf gedacht und mir überlegt, wie sich die Wege der Lebensmittel entwickelt haben. Hier das stark vereinfachte Ergebnis anhand eines modernen, weit verbreiteten Lebensmittel: Pizza Salami

Ich denke, es bedarf keiner weiteren Erklärung, oder? Man nennt das Ganze auch arbeitsteilige Wirtschaft. Mit jedem Schritt weiter zurück werden die Lebensmittel ursprünglicher, unverfälschter, ehrlicher. Auch der Carbon Footprint (das was an Kohlendioxid emittiert wird), wird immer weniger. Und der Abfall! Weil weniger Verpackung! Eigentlich erschreckend einfach, oder? Und es ist für Jeden was dabei. Jeder muss sich nur einmal entscheiden, welchen Weg er gehen will. Braucht danach keine Etiketten studieren, nicht groß was von Zusatzstoffen wissen, keine E-Nummer auswendig lernen und kann den Bauern oder die Verkäuferin fragen, wo es herkommt und wie es gemacht wird. Gut, das mit dem eigenen Garten ist in der Stadt schwer realisierbar (urban farming). Immer zum Bauern zu fahren ist zeitaufwändig. Aber wieder zu einem richtigen Handwerks-Bäcker oder Handwerks-Metzger zu gehen und eben nicht alles auf einer Tour im Supermarkt zu kaufen: Geht doch? (Übrigens: ich bin nicht von irgendeiner Innung gekauft worden, habe ich mir ganz allein ausgedacht)

Viele haben gefragt, wie sie vernünftiger, bewusster einkaufen können, uns Bauern zumindest moralisch unterstützen können. Hier kommt mein Vorschlag:

Dialog satt: Beim Bauern Einkaufen und fragen

Am Samstag, dem 14. Februar, nehmt ihr eure Kinder, Freunde, Bekannte, Verwandte an die Hand und geht/fahrt zum nächsten Hofladen. Es gibt viele Portale dazu. Hier ein Beispiel: www.dein-bauernladen.de. Dort kauft ihr das ein, was ihr für die Woche braucht. Und, ganz wichtig: ihr fragt dem Bauern ein Loch in den Bauch. Was er macht, wie er es macht und wie er sein Image in der Öffentlichkeit einschätzt. Es spielt keine Rolle, ob das ein Biohof oder ein konventioneller Betrieb ist. Hauptsache Bauer.

Wem das zu aufwändig ist: geht zum nächsten echten Handwerks-Bäcker, zum Handwerks-Metzger oder auf den Wochenmarkt und macht das gleiche. Fragt, woher es kommt, wie es hergestellt wurde.

Wir werden ab kommenden Samstag eine neue Seite unter www.fragdenlandwirt.de aufmachen und fragen: Wie war´s? Unter „Kommentar“ könnt ihr eure Erlebnisse hineinschreiben. Oder ihr antwortet auf Facebook, Twitter usw. Oder ihr stellt ein Selfie ein, natürlich mit dem Bauern, dem Bäcker, dem Metzger, der Marktfrau/mann drauf! Eurer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Wir Bauern wollen wirklich wissen, wie es war! Übrigens: der 14. Februar ist Valentinstag, der Tag der Liebenden. Ab heute ist es auch der Tag des Dialogs. Dialog satt zwischen Landwirt und Verbraucher. Und umgekehrt.

Euer Bauer Willi

P.S.: Weitersagen! Mal sehen, ob die Discounter und Supermärkte was von der Aktion merken…

Die Macht des Verbrauchers…zeigt sie!

(Aufrufe 552 gesamt, 13 heute)

23 Kommentare

  1. Ich versteh gar nicht, was das ganze Gehacke hier soll? Ziel ist doch, das Wissen, das während eines langen Weges bis zum Verbraucher verloren gegangen ist, wieder nachzuvollziehen und zu verbreiten. Und das kann man im Discounter nun mal nicht erfragen, vollkommen EGAL wie die Lebensmittel da sind oder eingeschätzt werden!!

    Wer also Gelegenheit hat, einen (irgendeinen!!) Landwirt direkt zu fragen, soll das doch tun - wozu heißt das Ganze denn bitte Frag Den Landwirt? Ob das nun im Hofladen passiert, oder auf dem Bauernmarkt, auf dem Feldweg oder weil man irgendwo ein Auto mit Bauernaufkleber sieht ist auch vollkommen egal, aber im Normalfall trifft man aufgrund der oben aufgemalten Kette beim Einkauf hochwertigster Spitzenprodukte im LEH nun mal keine Bauern die man fragen könnte?!

  2. Nana.. Willi.. nicht so empfindlich. Wer sich mit Vornamen in die Öffemtlichkeit begibt, wird automatisch geduzt. Da hattest doch seither kein Problem damit. Soll aber nicht Thema meines Beitrags sein. Ich weiß nicht, wie es anderswo ist.. aber hier bei mir gibt es so gut wie keinen selbstschlachtenden Dorfmetzger mehr und nur noch ganz wenige Bäcker. Die Gründe bei den Metzgern sind bekannt.. obwohl sie wesentlich teurer waren als die Discounter und die Läden auch ganz gut liefen, haben sie die Kosten und Vorschriften und Gebühren an den Rand der Wirtschaftlichkeit gebracht.. Es ist halt ein Unterschied, ob man die aufwändigen EU-Vorschriften nun für 7 Schweine in der Woche einhalten muß oder für 700. Und ob man mit 5 Leuten Personal jetzt 7 Schweine und 1 Rind zerlegtm verwurstet und über dei Bedientheke reicht oder ob die gleiche Arbeit von 2 Leuten gemacht wird. Über die Qualität des Produktes sagt ein niedriger Preis nichts aus.. nur über die Effizienz der Produktion und der Vermarktung. Und die mit 700 Schlachtungen/Woche haben mittlerweile auch das Handtuch geworfen. Und das in einem Landkreis mit über 400000 Einwohnern und einer Bevölkerungsdichte von fast 500/quadratkilometer. Ähnlich mit den Bäckern. Es sind hauptsächlich nur noch größere Filialbäckereien. Angesichts der Preise sollte man meinen, die verdienen sich dumm und duppelig. SO sieht es in Wirklichkeit aus: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.insolvenzantrag-baecker-lang-kaempft-ums-ueberleben.b304ebdf-3373-4006-879b-b4c637200648.html Und in einen solches Haifischbecken sollen sich die Landwirte mit Hofläden stürzen? Sollen die 70 Mio von 80 Mio versorgen, denen selbst die handwerklichen Großbäcker noch zu teuer sind? Hier bei uns im Speckgürtel von Stuttgart stehen die Hofläden mittlerweile in Konkurrenz zueinander. Das Potential ist völlig ausgeschöpft und ich schätze ganz großzügig, dass sie zwischen 1 und 1,5% des Gesamtnahrungsmittelmarktes abdecken. Erfolgreich sind sie nur, indem Altenteiler und Kinder mitarbeiten.

  3. Lieber Willi, deinen heutigen apell an die Verbraucher verstehe ich nicht! Soll hier u.a. unterstellt werden, dass Wochenmarkt- oder Ab-Hofprodukte eine höhere Qualität aufweisen, als dieselben Produkte im LEH? Oder das regionaler Einkauf nachhaltiger als der Einkauf global gehandelten Produkten sei? Beides wäre falsch!
    Auch die Behauptung, das ein Einkauf beim Erzeuger weniger Treibhausgase erzeuge, kann so nicht stehen bleiben, bzw. ist wissenschaftlich längst widerlegt. Leider ist das Gegenteil der Fall ….
    Kritisch hinterfragen sollte man auch, für wieviel Landwirte tatsächlich eine hofverkauf lohnt?

  4. Lieber Willi,

    jetzt habe ich es satt!

    In jedem Supermarkt gibt es guenstige und gesunde Lebensmittel.
    Ich mache gern meine Tour durch den Supermarkt.
    Wir alle sollten froh sein, das sich Menschen, deren Geldbeutel nicht so dick ist,
    in jedem Supermarkt mit gesunden und guenstigen Lebensmitteln versorgen kann!

    Die Masse der Bauern erzeugt Lebensmittel in Massen, damit Massen von Menschen sich guenstig und gesund ernaehren koennen.

    Und damit Liebende sich am Valentinstag nicht nur ein paar Lebensmittel,
    sondern auch fuer Ihre Liebste noch ein paar Blumen leisten koennen.

    Mit massenhaften Gruessen
    Dirk Hesse

      • Im text zur Sendung kann ich leider keine Bestaetigung fuer “genau so ist es” finden.

        Im Uberigen:
        Der Preis von 2,49€ sagt mir genauso wenig wie 1.700Tonnen Antibiotika.
        Da muesste ich erst mal wissen, wie hoch die Produktionskosten fuer den Haehnchenhalter waren?
        Und damit ist die Aussage von Willi fuer mich leider genauso wertlos, um nicht zu schreiben haltlos, wie die zu 1.700 Tonnen Antibiotika!
        Gruss
        Berater Dirk

    • Vielleicht ist es dich eine Alternative am Valentinstag die hoch mit Pestiziden belasteten Blumen wegzulassen (mal nachlesen und welche üblen Bedingungen Rosen angebaut werden http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/rosen-aus-kenia-ostafrikas-gefaehrliche-blueten-1939203.html )

      Und dann mal die hochverarbeiteten Supermarktangebote weglassen und stattdessen bei (Bio-)Bauer auf dem Markt regionales Gemüse, je nach Lust lecker Käse und meinetwegen ein hochwertiges kleines Stückchen Weiderind holen und dann für die Liebste daheim kochen…

      eben Klasse statt Masse
      so grüsst der Biobauer Andreas

      • Das Bio-Siegel nach EG-Öko-Verordnung ist gezielte Irreführung.
        Bio-Produkte schaden der Umwelt,
        sind potentiell ungesund und qualitativ minderwertig.
        Sie stammen aus einem industriell kontrollierten System,
        welches eine Erosion der Esskultur fördert.
        Nachzulesen unter:
        http://www.urgeschmack.de/bio-ist-ungesund/

        • und die Erde ist eine Scheibe….
          doch wirklich eine absolut qualifizierte und wissenschaftlich belegte Quelle hast DU da gefunden, Scientologie, Zeugen Jehovas und IS argumentieren ähnlich fundiert. Dirk Hesse, das ist wirklich unter Deinem Niveau, wollen wir das Satz für Satz hier!! ausdiskutieren?

          • Also ein Werbestratege bist Du Dirk Hesse wohl sicher nicht, Du gibst hier deine Beraterseite als Link an und kommst mit einem sehr seltsamen Humor, den ich nicht verstehen mag, bzgl. der Urgeschmack Seite daher. Wenn es ernst gemeint war, noch schlimmer!

            Und jetzt behauptest Du, ohne Deine Beratung, bzw. ohne Ausnahmen von der EU BIO, (auf welchen Punkt sich Deine Aussage bezieht, bleibt unklar!) könnten Bio Tierhalter kein Geld verdienen, hätten Biotierhalter massive Gesundheistprobleme (die Halter oder die Tiere?) und signifikant mehr Verluste als konv. Bauern?

            Da hätte ich gerne, wenn ich das wünschen darf, fundierte wissenschaftliche Quellen im Bereich Rinderhaltung!

            Wieder rate ich Dir kostenlos: höre auf billig zu pauschalieren, den Rat weniger überheblich zu sein, kann ich mir wohl sparen.

          • Lieber Biobauer Andreas,

            ich habe bereits vor langer Zeit meinen Horizont so erweitert,

            das ich Biobauern die Nutztiere halten helfen kann,

            dank den 1,5 Seiten Ausnahmeregelungen in der EU-Oekoverordnung,

            mit Ihrer BioTierHaltung Geld zu verdienen,

            da sie ansonsten (Infolge massiver Gesundheitsprobleme und Tierverluste)
            keine Chance haetten in Deutschland fuer Deutsche Bio-Kunden zu produzieren.
            Berater Dirk

          • Dirk Hesse, die Aussage wie kritisch konv. Rosenanbau im Ausland ist, bleibt unbestreitbar gültig und anstatt Rosen und - je nach Geldbeutel, die Liebste zum Edelitaliener oder in die Pizz-Pozzerei um die Ecke - einzuladen, halte ich auch die Idee mal regional hochwertig zu kochen für charmant.

            Und darin eine Generalität zu sehen ist: engstirnig.

            Weite Deinen Horizont, rät dem Berater Dirk der Biobauer Andreas und das kostenlos!

          • Lieber Biobauer Andreas,

            vielen Dank, das Du so zielgenau auf das schmale Brett gesprungen bist!

            Und jetzt dreh Dich einmal rum,
            pruefe doch mal auf welchem Niveau sich Deine Aussagen befanden,
            vor allem in Ihrer Generalitaet?
            Berater Dirk

  5. Wer berufstätig ist kann allerdings seine Bedarf nicht ausschliesslich bei Direktvermarktern decken.
    Meine Kartoffeln und Eier kaufe ich beim Direktvermarkter, da er rund um die Uhr geöffnet hat und gerade auf meiner Strecke liegt.
    Für alles andere bin ich sehr froh, dass ich im Disounter einkaufen kann, der für mich günstig in der Mittagspause erreichbar ist.

    • Man kann seine Lebensmittel auch direkt bestellen. z.B. http://www.brodowin.de/unser-betrieb/lieferservice-brodowiner-oekokorb/

    • Liebe Renate, dann verpasst Du aber den Dialog (zwei Menschen unterhalten sich). Oder frag mal die Dame an der Kasse beim Discounter, wo die Lebensmittel herkommen und wie sie produziert werden. Du wirst in ein verständnisloses Gesicht blicken. Ist denn auch kein Bäcker/Metzger in der Nähe? Nicht mal für einen Tag? Das wäre schade….
      Bauer Willi

      • Lieber Willi, darum geht es doch gar nicht. Natürlich ist auch ein Bäcker oder ein Metzger in der Nähe. Dort kaufe ich auch gerne ein.
        Aber da ich berufstätig bin, bin ich einfach froh, dass ich im Discounter oder im größeren Supermarkt alles an einem Platz kaufen kann. Dazu nutze ich sehr gerne meine Mittagspause um abends dafür mehr Zeit für meine Kinder zu haben.
        Würde ich meinen kompletten Bedarf über den Direktvermarkter, Wochenmarkt usw. decken müssen, dann wäre ich grob überschlagen jeden Tag unterwegs und hätte ca. 200 km auf dem Tacho.

      • Lieber Willi,
        wenn ich die freundliche Dame morgen beim Baecker frage,
        ob Sie mir sagen kann
        auf welchem Feld der Weizen fuer das Broetchen angebaut wurde,
        was glaubst haben wir dann fuer einen Dialog?
        Gruss Dirk

        • Sehr geehrter Herr Hesse
          1. kann ich mich nicht erinnern, dass ich Ihnen das “Du” angeboten habe
          2. haben Sie natürlich recht, dass die Verkäuferin nicht weiß, wo der Weizen gewachsen ist. Sie weiß aber wie die Brötchen gemacht wurden, zumindest wenn es ein Handwerks-Bäcker ist.
          Was aber bei mir ankommt, ist dass Sie den ständigen Versuch unternehmen, mich zu provozieren. Da muss ich Sie enttäuschen. Sollten Sie jedoch sachliche Themen ansprechen, werde ich mir gerne weiter mit Ihnen unterhalten wollen. Diese Form und der Stil des Dialogs gefällt mir nicht.
          Bauer Willi

  6. Lieber Willi,
    ich werde ja doch noch ein grosser Fan Deiner Ideen. Ich informiere meine Bio Kollegen, wir direktvermarktenden Bauern im Landkreis Waldshut haben sich nämlich in einem eigenen Verein organisiert http://www.bio-wt.de und ich denke, alle werden mitmachen!
    Vielleicht schafft ihr es bis nächste Woche noch einen Flyer zu machen?

    So ich muss ins Bett, morgen früh raus, erst den Schnee im Hof freiräumen, damit ich mit den Hänger auf den Markt fahren kann, zuvor werden die Tiere im Stall versorgt und danach die Kunden auf dem Markt
    Biobauer Andreas

    • Das mit dem Flyer ist keine schlechte Idee. Können wir aber nur online stellen mangels Finanzierung. Dann kann es sich aber jeder selbst ausdrucken. Danke, auch dass Du die Idee gut findest. Was meinst Du, sollen wir auch die Bioverbände anschreiben? Oder kannst Du das für uns machen? Mail mit Verknüpfung, ist ja heute relativ einfach.
      Bauer Willi

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