Lieber Verbraucher – was ich verstanden habe…

Der nachfolgende Artikel wendet sich in erster Linie an diejenigen, die den Artikel „Lieber Verbraucher“ gelesen haben.

Lieber Verbraucher – was ich verstanden habe…
… dass die überwiegende Zahl der Kommentatoren meinen emotionalen Unmut verstanden haben. Und meine – wirklich ganz persönlichen Sichtweise – nachvollziehen können. Aber es gibt auch Fragen, auf die ich keine Antwort habe. Beispiel: was antworte ich Menschen, die den Cent dreimal umdrehen müssen und auf billigste Lebensmittel angewiesen sind? Die empfinden meinen pauschalen Angriff auf „die Verbraucher“ als arrogant und zynisch. Und das verstehe ich.
Es gibt auch Stimmen, die mir zu verstehen geben, dass es sie nicht interessiert, wie es mir geht und mir weinerliche Heuchelei vorwerfen. Schade. Ich hab zwar meinen Emotionen freien Lauf gelassen, fand die aber nicht weinerlich. Eher das Gegenteil. Heuchelei würde Vorsatz bedeuten. Das trifft mich. Das im freien Markt halt jeder sehen muss wo er bleibt: das ist mir überhaupt nicht neu.

Doch wo sollen – Ihrer Meinung nach - jetzt die Lösungen herkommen?

  • Die Politik…

…wurde sehr häufig genannt. Meine – wieder sehr persönliche Meinung – ist, dass „die Politik“ es nicht richten kann. Wenn wir uns in der Welt umschauen, haben wir eine sehr gut funktionierende Demokratie, mit der wir trotz möglicher Schwächen sehr zufrieden sein können. Wir haben eine große Meinungsfreiheit, in der auch Randgruppen ihre Meinung sagen dürfen. Das erleben wir jeden Montag in Leipzig. Im Gegensatz zu anderen Ländern sind unsere Politiker nicht bestechlich, wenn man von dem ein oder anderen Freiflug oder einer Urlaubseinladung mal absieht. Ich halte das für verzeihlich und man kommt ihnen auch bald auf die Schliche. Die Politik alleine für unser Dilemma verantwortlich zu machen halte ich für zu kurz gesprungen. Sie kann nur die Rahmenbedingungen setzen.

  • Wir Landwirte…

…sollen Aldi und Co. einfach nicht mehr beliefern, die würden das schon merken. Tja, wenn das so einfach wäre. Kein Bauer beliefert Aldi direkt. Die Ketten haben einen zentralen Einkauf und bis auf ein paar wenige regionale Artikel wie Kartoffel oder Gemüse ist da meist nichts direkt vom Bauern. Solidarische Landwirtschaft: oder auch „community supported agriculture“. Das Wort kannte ich noch nicht, habe ich mir aber angesehen. Da ist zu lesen: (Zitat) „In der solidarischen Landwirtschaft tragen mehrere Privat-Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs, wofür sie im Gegenzug dessen Ernteertrag erhalten.“ Keine schlechte Idee in ländlichen Räumen, aber wie soll das in Großstädten funktionieren? Obwohl ich einen relativ kleinen Betrieb (40 ha) habe, kann ich so meine 200 t Weizen pro Jahr vermarkten? Was mache ich mit den 20 t Raps? Wie sollen das größere Betriebe hinbekommen? Mir kommen noch viele weitere Fragen, auf die mir auch die solidarische Landwirtschaft keine Antwort geben kann.

Genossenschaften: ich bin seit 40 Jahren in einer Genossenschaft und fühle mich da sehr gut aufgehoben. Aber trotz 1.200 Mitgliedern unterliegt die genauso dem Marktdruck. Und der kommt nicht allein aus Deutschland, sondern wird an den Rohstoff-Börsen dieser Welt gemacht. Übertrieben gesagt: Wenn es in Brasilien regnet oder Trockenheit herrscht, fallen oder steigen an der MATIF in Paris die Preise. Umsteigen auf Bio: ja, auch das habe ich schon überlegt. Ein interessantes Marktsegment. Aber bisher scheue ich das Risiko. Kann man mir vorwerfen, ist aber so. Ist auch eine Frage des Alters. Übrigens unterliegen die Bio-Bauern mittlerweile dem gleichen Marktdruck wie ich. Direktvermarktung: das machen schon viele Berufskollegen, scheitert bei mir aber an den erzeugten Produkten und den erzeugten Mengen: siehe oben, Weizen, Raps, Zuckerrüben. Es ist eine brauchbare Nische, funktioniert aber nicht für alle. 300.000 Hofläden wäre dann doch zu viel. Andere Kulturen anbauen: derzeit denke ich über den Anbau von Arznei- und Gewürzpflanzen nach, was aber sehr viel Handarbeit erfordert. Ich müsste Fremdarbeitskräfte einstellen. In eine Trocknung investieren. Neue Maschinen anschaffen. Und, bevor ich damit anfange, vor allem den Markt und die Vermarktungswege für solche Produkte checken! Mal sehen, ich denke und rechne noch.

Bioenergie: von politischen Gruppierungen vor zehn Jahren gefordert wird genau dieser Betriebszweig heute äußerst kritisch gesehen. Die Konkurrenz zwischen den drei T: Tisch, Trog und Tank (und eigentlich gehört die Tonne auch noch dazu) ist in aller Munde. Meine Berufskollegen, die damals beim Bau einer Biogasanlage bejubelt wurden, werden heute dafür angegriffen und müssen sich rechtfertigen. Bei Biodiesel das gleiche. Ich kenne einen Landwirt, der hat vor Jahren in eine Ölpresse investiert und Rapsöl an einen Spediteur mit 30 LKW vermarktet. Dann kam die Besteuerung von Biodiesel. Heute sitzt der auf 200.000 € Schulden. So schnell wechseln Stimmungen. Und politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Deshalb brauchen Landwirte auch lange, sich auf neue Dinge einzulassen. Sie sind halt Unternehmer. Es ist ihr Geld.

  • Unser Image…

..als Landwirte ist sehr vielschichtig. Da gibt es die Bilderbuchidylle mit sanften Hügeln und weidenden Kühen auf saftigen Wiesen im Süden. Aber auch große Mastställe im Norden. Beides ist Realität. Es gibt Menschen, die uns und unsere Arbeit schätzen, denen sie gleichgültig ist und Gegner bis hin zu militanten Aktionsgruppen. Letztere sind kaum zu überzeugen. Gegen Ideologie ist kein Kraut gewachsen.

Meist sind wir Landwirte auch nicht übertrieben kommunikativ. Da sehe ich noch deutliches Potential. Wenn wir mehr auf euch, und ihr mehr auf uns zugeht wird es im persönlichen Gespräch mehr Verständnis und Annäherung füreinander geben. Ich bezweifle, dass das Verbände für uns leisten können. Man wird ihnen immer Befangenheit vorwerfen. Dafür heißen sie ja auch „Interessensverbände“. Aber sie können uns bei der Organisation solcher Begegnungen helfen. Und bei der Arbeit mit den Medien. Denn das haben wir nicht gelernt. Mehr Aufklärung tut not, und die muss glaubhaft sein. Und sie fängt bei den Kindern an. Also: Bauern in die Schulen!

  • Ihr Verbraucher…

…könnt uns aber, außer beim Einkauf auch sonst noch helfen. Seid vorsichtig, wenn mal wieder ein Lebensmittelskandal inszeniert wird. Hinterfragt und informiert euch, was wirklich dran ist. Die Beispiele mit BSE, MKS, Vogelgrippe und Schweinepest sind ja schon alle kommentiert worden. Sie wurden nicht von Bauern verursacht, die aber die Konsequenzen zu tragen haben. Klar, schwarze Schafe gibt es in der gesamten Kette der Lebensmittelproduktion, aber das ist nicht der Standard! Kauft unverfälschte Produkte und kocht, wenn es eure Zeit erlaubt, selbst. Jede Weiterverarbeitung kostet Qualität und Marge. Kochsendungen gibt es ja reichlich.

Fragt euren Bauern in der Nachbarschaft oder im Urlaub, was er macht, wie er es macht und warum er es macht? Wir werden es euch sagen, weil wir ein gutes Gewissen haben bei dem was wir machen und wie wir es machen.

Und noch was, weil mich das bei den Kommentaren zu „Lieber Verbraucher“ so genervt hat: Nein, ich bin kein Weltverbesserer, kein Missionar, ich weiß auch nicht alles und schon gar nicht besser. Ich bin nur ein Bauer und kein Kommunikations-Guru. Ich bin kein Dr. Sommer von der Bravo. (Ich sitze alleine auf meinem Hof und arbeite mich an euren Fragen ab. Und dem Alois, dem Moderator der Internet-Seite von www.fragdenlandwirt.de bei dem auch der Server steht, muss sich, wie ich, auch noch um seinen landwirtschaftlichen Betrieb (und seine kleine EDV-Firma) kümmern. Hinter uns steht kein Verband, keine NGO, kein Sekretariat. Dafür sind wir unabhängig und können reden wie uns der Schnabel gewachsen ist. Aber: seine und meine Frau werden langsam sauer. Und in der Zeit, in der wir uns um die Internet-Seite kümmern, verdienen wir kein Geld)

Es geht mir um die Anerkennung unserer Arbeit als Landwirte, ein Ende der pauschalisierenden Vorurteile, der unreflektierten und tendenziösen Berichterstattung der Medien, der Verunglimpfung von uns Bauern. Es ist ja so einfach, gegen etwas zu sein! Ich will den “Besserwisser” dieser Welt, die mir in langen Aufsätzen erklären, was ich alles falsch mache und wie ich es besser machen muss, erzählen und ein Gefühl dafür vermitteln, wie die Realität unseres Alltags aussieht. Mehr nicht!!! Dafür lasse ich mich auch gerne beschimpfen.

Was ich verspreche: So wie es mir die Zeit erlaubt, werde ich weiter ähnliche Artikel wie die bisherigen verfassen und online setzen. Themen, von denen ich glaube, dass sie euch interessieren, an denen man sich reiben kann, die provozierend sein können und in jedem Falle zum Nachdenken anregen. Und ich möchte noch mehr Berufskollegen auffordern, sich an den Kommentaren zu beteiligen.

Sprechen wir also weiter miteinander! In diesem Sinne
Euer Bauer Willi
(Aufrufe 15.071 gesamt, 63 heute)

130 Kommentare

  1. Wow Chapea
    lieber Bauer Willi,
    im Besonderen die Bewußtmachung der vom Robert-Koch-Institut häufig ausgelösten Medienhyps wg. drohender Pseudo-Epedemien obwohl eigentlich die Öffentlichkeit sich vielmehr mit den Hygieneskandalen und daraus abzuleitenden Todesfällen in Krankenhäusern befassen sollte.
    Schlussendlich ein kleiner Motivationsschub für Sie und Ihre Mitkämpfer:
    In der Theorie sagt man von Bewusstseinsveränderung zur Verhaltensveränderung des Individium vergehen mindestens 5 Jahre.
    Also nicht aufgeben

  2. Lieber Bauer Willi,

    also ich habe mich von dem Brief keineswegs angegriffen gefühlt und hab ihn auch nicht als weinerlich empfunden. Im Gegenteil, ich “sah” Sie förmlich voller Energie Ihrem Ärger Luft machen. So etwas tut einfach nur gut. Dass es Menschen gibt, die jeden Pfennig umdrehen müssen, das stimmt wohl, aber es gibt auch viele, die es nicht tun müssten und trotzdem billig wollen. Aber ich finde auch gut, dass Sie sich jetzt hier in diesem Artikel den Verbrauchern wohlgesonnen und offen zeigen.

    Was die Problemlösung betrifft: ich bin überzeugt davon, dass niemand außer dem Verbraucher wirklich was ändern kann. Was WIR nicht mehr kaufen, muss auch nicht mehr geliefert werden. Wir alle können Wirsing statt Artischocken essen o.ä. Natürlich soll jeder seine Mango haben, wenn er das will, aber es ist doch gut, diesen Menschen einmal die Folgen nahe zu bringen. Dann kann ja jeder für sich entscheiden, ob er das will oder nicht. Und ganz am Ende, auch wenn man das jetzt noch nicht sehen kann, sind auch die reicheren unter uns betroffen, wenn es immer weniger Bauern gibt. Von Formularen und Schreibtischarbeiten wird man eben nicht satt.

    Die Macht liegt bei uns, es muss nur in die Köpfe rein.

    Viele liebe Grüße - Iris

    • Guten Tag,

      vorab, dies ganze stellt meine eigene Meinung dar, und hat nicht den zweck andere hier zu verletzen oder sonstiges, sollte dies ungewollt passieren so, entschuldige ich mich schon im vorfeld dafür…

      Sie haben recht mit dem was Sie schreiben Bauer Willi

      das problem ist aber nicht nur das Kaufverhalten, sondern auch WER BITTE KANN SICH DAS NOCH LEISTEN?? (Sry für das groß schreiben)

      Zuviele Menschen leben von H4 und das nicht immer gewollt (was gerne zu oft mal behauptet wird), sondern weil sie einfach keine Arbeit mehr finden.. was mit denen Menschen??? Diese sind auf günstige Angebote angewiesen..

      Ich kenne viele die Vollzeit arbeiten aber dennoch H4 aufstockung bekommen weil der Lohn einfach nicht reicht.. Wie bitte sollen diese Menschen sich dann 10 er pack Eier for 2,40 € oder mehr leisten?
      Und kommt nun bitte nicht damit “wer arbeiten will findest was” das stimmt nicht.. ab 35-40 bst du endweder zu alt oder übertariflich und da ist es billiger 2 ungelernte kräfte einzustellen die den selben Jop machen. Oder “dann hat man den falschen Jop..”

      Ich sehe oft bei uns auf den Feldern das dort Obst und Gemüse einfach nicht abgeerntet werden.. bzw werden an einer Ecke auf einen Misthaufen geworfen und langsam verotten lassen…was damit ?
      Warum gibt man nicht dann Menschen, die kaum geld zu verfügung haben, die möglichkeit diese zu erwerben ehe sie auf den Misthaufen landen, oder gibt es der Tafel als spende?

      Es heißt in dem Artikel, der Verbraucher würde Lebensmittel weg werfen? Was macht der Bauer dann bitte wenn ich sowas sehen muss?

      Sie schreiben in Ihrem Artikel […. Pommes-Kartoffeln außerhalb des Vertrages gesehen: 1 LKW = 25 t = 250 €. Für die, die nicht rechnen können: das ist 1 Cent pro Kilogramm!… ]

      wir wissen alle das die Markenartikel nicht gerade günstig sind, dennoch haben sie auch daran gedacht das auch die Hersteller ihre kosten haben?

      Kosten für die Mitarbeiter, Strom, Verpackung und Herstellung.. So gesehen bin ich mir nicht sicher ob die Hersteller dann bei einem VK wert von 99 cent wirklich gewinne macht, was den Preis von den Billig Pommes entsprechen würde..
      Und dank der heutigen Information Verbereitung durch das Tv wissen wir ja das die Billigpommes teilweise aus den selben kartoffeln hergestellt werden wie die teuren Marken Pommes…

      Bsp.: Im Rewe kostet mich ein Eisbergsalat 99 cent, auf dem Wochenmarkt 3 Euro..
      alle die nun schreiben sie würden beim Bauern sprich Wochenmarkt einkaufen gehen haben wohl genung Geld, denn der ottonormal verbaucher kann sich das nicht mehr leisten..

      ich würde auch gerne viel lieber meinen Wochenbeadrf beim Wochenmarkt hier decken oder zum Bauer hier vor ort gehen, aber ich bezahle da nunmal 3- 4 mal mehr als bei Aldi, Rewe & Co… Also muss ich als Ottonormalverdiener mit H4 aufstockung zu den Billig Produkten greifen, sowie Tiefkühlprodukte um unseren Gemüse und Fisch bedarf zudecken greifen, anstatt auf den Wochenmarkt oder zum Fischhändler gehen zukönnen nur um alles Frisch zu erwerben.

      Anderes Bsp.: 1 Kilo Hähnchenschenkel kostet beim Geflügelzüchter vor Ort ca.5,90€,
      Im Rewe Ja produktlinie ca. 2,46 € je Kilo , Brandenburg ca. 4,19 je Kilo… beim Türkischen Lebensmittelhändller je kilo 1,59 ( 10 kilo Karton) oder im Angebot je Kilo 1,19 (10 Kilo Karton) …

      nun auf meine Situation bezogen.. ich gehe also zum Türkischen lebensmittel Händler kaufe dort die 10 Kilo (sind in etwas 25- 30 Hähnchenschenkel) und kann damit meine ganze Familie 1 bis 1,5 Monate mit etwas Fleisch versorgen.. Ich würde auch lieber gerne mal was anderes auf den Tisch bringen aber geht nicht, weil es für uns einfach zu teuer ist..

      Und genau da sehe ich das Grundproblem, die Löhne steigen moderat bis gar nicht, dafür alles andere wie Miete und Strom..

      wenn 2/3 vom Lohn dafür drauf gehen, wie bitte soll man da noch beim Wochenmarkt/bio laden einkaufen gehen???

      Ich gehe auch bei netto einkaufen, dort haben die eine Produktschiene, die heist glaube ich “ein herz für bauer” da ist alles 10-15 cent teilweise bis zu 20 cent teurer als das vergleichbare produkt eines anderen hersteller.. aber alles was man dort zuviel zahlt bekommt der bauer.. jedenfalls steht es auf der Verpackung. ich hoffe ( ich glaube noch an das gute ) das dem auch so ist…

      Um eins Klar zustellen ich bin dafür das unsere Bauer gerecht bezahlt werden, sie sollen von dem was sie Anbauen auch leben können und nicht nur mit supvensionen überleben…

      sowie auch der ottonormal verbraucher von seiner arbeit Leben sollte und nicht mit H4 aufstockung überleben sollte…

      einen schönen Freitag noch

      Lola

      • Guten Tag Lola,

        Sie schreiben aus dem Leben, und Ihre Äußerungen klingen real und ehrlich. Ich will Sie nicht mit Lösungsmöglichkeiten für einen Weg aus Ihrer finanziellen Situation belästigen, das hören Sie bestimmt zur Genüge. Mein Mitarbeiter beispielsweise hat 11 EUR netto. Ich will auch keine Preisentwicklung anprangern, denn die bilden sich eben durch Angebot und Nachfrage. Das macht nicht immer glücklich, aber so ist es eben. Ich würde Ihnen mehr als nur gönnen, von Ihrer Arbeit leben zu können. Sie müssen sich keinen Gedanken machen, wenn Sie zu billigen Lebensmitteln greifen. Sie gehen dabei nicht das geringste Risiko ein. Auch die billigsten Lebensmittel unterliegen den wahrscheinlich strengsten Prüfungen der Welt, und erfüllen Qualitätskriterien, wie sie noch vor Kurzem undenkbar gewesen wären. Ein Blick auf die Lebensmittelwarnungen der Verbraucherzentrale offenbart, dass der weit überwiegende Teil der Warnungen das Hochpreissegment betrifft, obwohl dieses nur Marktanteile im niedrigen einstelligen Prozentbereich einnimmt.

        Was mich im Bereich Landwirtschaft zunehmend bedenklich stimmt ist, dass die Bauern von Teilen der Politik, Medien und Umweltorganisationen benutzt werden, um Stimmung zu machen. Es stört sie dabei nicht, die beste und ökologischste Form der Landbewirtschaftung der Welt und aller Zeiten, als permanente Verschlechterung zu vermarkten. Dass sie sich selbst als einzigen Messias bezeichnen, erklärt sich von selbst.
        Würde man sämtliche Parteien und gemeinnützigen Organisationen mit nachweisbarer schlechter Absicht zerschlagen, würde der Staatskasse eine Menge Geld erspart, und wir Bauern könnten uns wieder voll auf unsere Arbeit konzentrieren. Dieses Geld könnte in vielen anderen Bereichen sinnvoll eingesetzt werden, auch für Möglichkeiten, dass Vollzeit-Arbeitskräfte nicht mehr aufstocken müssen.

        So, jetzt muss ich mich langsam wieder Richtung Stall bewegen….

        ….ich wünsche Ihnen eine Zeit, in der Sie von Ihrer Arbeit leben können, ohne dabei jeden Euro umdrehen zu müssen! Halten Sie die Augen offen, und geben Sie die Hoffnung niemals auf, denn in dem Moment, wo sie es am Wenigsten erwarten, bestehen die größten Chancen, etwas daran zu ändern!

        Beste Grüße

        Bauer Hubert

    • Liebe Iris,
      dann bin ich mal gespannt, wie du unsere nächste Aktion nächste Woche siehst. Schau am Sonntag oder Montag hier wieder rein.
      Bauer Willi

  3. Lieber Bauer Willi

    SoLaWi geht gerade in der Großstadt - ich wohne in München und bin Mitglied beim Kartoffelkombinat (http://www.kartoffelkombinat.de/blog/), das größte davon gibt es glaube ich in München. Auf dem Land funktionieren die nicht ganz so gut, weil das viele noch einen eigenen Garten haben. Ich bin dort schrecklich gerne dabei, unter anderem auch deshalb weil ich endlich richtig regional und richtig leckere Lebensmittel bekomme.

  4. Lieber Bauer Willi,
    Danke! Danke, dass Du den Mut hast, Dich entgegen allen Anfeindungen, Vorurteilen und Besserwissereien öffentlich zu äußern. Viel ist im Argen, und man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Als jemand, der sich überlegt, als Quereinsteiger in die Landwirtschaft einzusteigen, interessieren mich solche Themen natürlich brennend.
    Es gibt ja viele Hof-Konzepte, die ganz gut funktionieren, und die unabhängig vom Geschäft mit Großlieferanten sind. Kleinbäuerlich und breit aufgestellt, mit sozialen und kulturellen Angeboten. Ist das vielleicht die Zukunft des Bauernhofes? Aber das ist nicht jedermanns Sache und zeigt vielleicht im Endeffekt genau das, was Du bemerkst: Agrarproduktion alleine ist kaum mehr überlebensfähig.
    Ich bin ein junger, politisch denkender Mensch, und ich glaube fest, dass ein Wandel der Gesellschaft auch und vor allem einen Wandel in der Nahrungsmittelproduktion bedeuten muss. Ich danke Dir noch mal, dass Du mit Deinem Brief zum Nach- und Umdenken angeregt hast!
    Alles liebe,
    Frederike

  5. Sehr geehrter Bauer “Willi”,

    sie haben mit Ihrer ersten sehr offenen Meinung vollkommen recht!
    Da gibt es nichts zu entschuldigen oder beschönigen.

    Wir Konsumenten setzen seit Jahren die falschen Prioritäten.
    Hauptsache billig, das trifft es auf den Punkt.

    Wir sind ein 3 Personen Haushalt und fühlen uns mitverantwortlich.
    Bisher haben wir genau das Verhalten an den Tag gelegt, daß Sie beschreiben.
    Das MUß endlich aufhören.
    Wir sind inzwischen auf dem Weg der Besserung, kaufen regionale Produkte auf dem Wochenmarkt und versuchen jedes Lebensmittel auch nach dem MHD zu verwerten.

    Nur eine kleine Bitte hätte ich an all die Landwirte da draußen:
    Bitte versucht eine artgerechtere und lebenswertere Tierhaltung umzusetzen.

    Schweine brauchen Licht, Hühner einen Misthaufen und Kühe keine Ketten und Beton

    Für ein glückliches Huhn zahlen ich gerne 15 €, statt 5 € aus der Massentierhaltung!
    Und ich bin mir sicher immer mehr Verbraucher werden umdenken, es ist nur eine Frage der Zeit oder ab dem nächsten Lebensmittelskandal!

    https://www.youtube.com/watch?v=Elgex2d3X1c

    • Hallo Umdenken,
      im Gegensatz zu Friedrich schätze ich ihr Engagement und sehe auch keine “andauernde mediale Hetze”.
      Wir Biobauern begrüssen jedes Umdenken bei Verbrauchern und seriöse Informationen in den Medien.
      Wie wollen Ihnen nämlich die frei Wahl lassen, was Sie kaufen!

      Biobauern bieten Ihnen Eier, oft aus mobilen Ställen, oft von Hühnern, deren Brüder nicht nach dem Schlüpfen geschreddert werden, gefüttert ohne Gentechik und mit wesentlich weniger Antibiotika behandelt und deshalb sind gute Bioeier auch teuer und kosten nicht 20 ct wie Bioeier beim Discounter.

      Sie haben die Wahl! und das ist gut so…

    • Danke Herr/Frau “Umdenken”,
      Ihr Engagement in Ehren - das ist ein Tropfen auf einen sehr heißen Stein.
      Gerade der Film “Projekt Hühnerhof”, auf den Sie verlinken, zeigte doch, dass es selbst mit immensem medialen Aufwand nicht gelingt, das Kaufverhalten nachhaltig zu ändern.
      Nach dem Dreh des Filmes war in der Stadt das Konsumverhalten so wie vorher.
      Und eine andauernde mediale Hetze gegen konventionelle Landwirte wird nur noch mehr Betriebe zur Aufgabe zwingen, weil niemand mehr unter diesen Umständen diesen Beruf
      lernen will.
      Besten Gruß

  6. Lieber Bauer Willi,
    ich verstehe deinen Unmut bzw. grossen Ärger und finde es wirklich fantastisch dass du dich in Sachen Aufklärung und Transparenz auf dieser Seite engagierst. Ich lebe in einer Grossstadt und habe 4 Kinder zu versorgen. Inzwischen schaffe ich es mit einem sehr strikten Haushaltsplan zumindest 40 % regional und biologisch zu kaufen - und unsere Familie kennt Wirsing, Rosenkohl und andere saisonale Gemüse und Obstsorten. Auch werden meine Kinder dahin gehend erzogen, dass ein Apfel mit Flecken genauso gut schmecken kann wie einer ohne. Trotzdem muss ich aufgrund unseres Budgets (und das bei 2 Vollzeitjobs) leider auf Aldi und andere Supermarktketten zurück greifen. Ohne dass ich meinen Kindern Smartphones oder ähnliches kaufen kann. Ich möchte mich nicht beschweren, doch so sieht die Lage zumindest bei uns aus. Trotzdem bitte ich dich - mach weiter, denn es gibt genügend Alleinstehende, die sich regionales und saisonales Biogemüse leisten könnten und es aus vielerlei Gründen nicht tun. Und vielleicht bringt es den einen oder anderen Familienvorstand dazu doch noch einmal genau auszurechnen ob es in einem gewissen Mass nicht möglich ist, unsere Landwirte damit zu unterstützen.

  7. Hallo Willi,

    danke erstmal für deinen wachrüttelden Brief. Ich finde es klasse was du geschrieben hast, denn nicht alle denken so, da sie von der Materie keinen blassen schimmer haben. Großstädter zu 90%. Es wird nur noch masse statt klasse kommuniziert und das ist etwas was mich traurig macht. Sei es in der Landwirtschaft oder anders wo. Damals war es ja auch so, dass nur 2 x Im Jahr geschlachtet werden durfte. Zumindest auf dem Land. Aber die Leute wollen mehr Fleisch. Also die superschönen Massentierhaltungen. Es geht doch auch mit nur einmal die woche Fleisch als 7 Tage die Woche. Warum also? Guten Obst und Gemüse…. das ist doch teuer. Falsch!! Das was man heute im Supermarkt bekommt kommt aus dem Gewächshäusers oder anderen Ländern, wo die Leute für gaaaaaanz wenig Geld schuften müssen. Würden die Bürger dieses Landes für ein paar Cent arbeiten? NEIN!! Kauft bei regionalen Bauern auf dem Markt. Das mache ich seit Jahren so!! Werdet endlich mal Wach. Aber die Bürger dieses Landes sind eh nur Lämmer die zur Schlachtbank geführt werden. Warum schliesst man sich nicht zusammen? Weil alle denken, jeder ist sich selbst der nächste. Blödsinn sag ich nur. Wir als VOLK können doch mehr bewirken und unsere Bauern besser unterstützen als irgend jemand anderes.

    • Lieber Bauer Willi,
      zunächst vielen Dank für Deinen offenen und aus meiner Sicht ehrlichen Brief. In meiner Praxis als Gesundheitsberater habe ich viel mit Ernährung und natürlich auch den dazu nötigen Lebensmitteln zu tun. Meine Frau und ich haben seit ca. 6 Jahren unser Einkaufsverhalten von Fertignahrung (fertige Pizza, Nudelgerichte etc. ) auf Grundzutaten, wie Gemüse, Obst, Getreide (wir mahlen unser Mehl selbst und backen daraus unser Brot) umgestellt. Wir kaufen fast ausschließlich beim Regionalen Biomarkt oder unserem Obsthändler vor Ort.
      Wir erfassen auch die Kosten für den Einkauf. Seit der Umstellung haben wir ca. 20% weniger ausgegeben. Das Essen ist besser und nahrhafter als die Nestle & Co Fertigprodukte. das wichtigste für mich, ich weiß sehr genau was ich verarbeite und dort findest Du kein E in der Liste der Inhaltsstoffe.
      Bitte macht weiter und tragt dazu bei, daß wir uns auch weiterhin gesund ernähren dürfen.
      Gruss Burkhard

    • Hallo Bauer Willi,

      du hast es auf den Punkt gebracht und ich finde, dein Artikel sollte in der Bildzeitung auf der 1. Seite stehen. Der Lebensmittelmarkt wird von Aldi, Lidl, Rewe und co. kaputt gemacht. Was machen wir eigentlich, wenn kaum mehr jemand den Beruf des Bauern in Deutschland ausüben will, weil es sich nicht lohnt? Bzw. weil sich nur noch Masse statt Klasse verkauft. Kaufen wir dann nur noch in China oder Indien ?

      Viele können es sich nicht leisten jeden Tag Biofleisch zu essen. Aber muss man jeden Tag Fleisch essen? Regionales Obst und Gemüse kann sich wohl jeder leisten. Wenn es um Alkohol, Zigaretten oder Smartphones geht, haben die meisten Leute offensichtlich genug Geld.

      Ich glaube nicht an die Weitsicht oder Intelligenz der Verbraucher. Deshalb brauchen wir ein Gesetz, dass den Verkauf unter Erzeugungspreis bzw. ohne einen Mindestaufschlag, von dem der Erzeuger auch leben kann, verbietet. Auf Einsicht zu hoffen, wird nicht funktionieren.

      Die Deutschen geben am wenigsten für ihre Lebensmittel aus, weil sie diese nicht zu schätzen wissen.

      Ich wäre an deiner Stelle auch wütend und frustriert.

    • Hallo Sabine,
      bleibe im Netz und schaue morgen abend wieder rein. Du wirst überrascht sein und dich freuen. (Hoffe ich)
      Bauer Willi

      • Lieber Bauer Willi,

        Ich bin mit u. a. im Knoblauchsland, in Nürnberg, groß geworden und verstehe Ihre Ansichten vollkommen. Bitte den engl. Artikel teilen wenn er verfügbar ist. Ich lebe in den Staaten und würde es sehr gerne teilen. Leider muss ich mich jetzt kurz fassen.

        Vielen Dank im Voraus.

        Bianca

    • Ich möchte nur mal darauf hinweisen, dass es ueber 200 Todesfälle durch die von BSE verursachte Creutzfeld-Jakob-Krankheit gab und diese ueberwiegend in England, welches nach meinem Wissensstand doch zu Europa zugehörig ist.

      • Lieber Alex
        ich meine sauber recherchiert zu haben. Der Zusammenhang zwischen BSE und Creutzfeld-Jakob ist meines Wissens immer noch nicht klar. Die Quelle von BSE als Auslöser von CJ ist jedoch tatsächlich so wie ich es beschrieben habe. Wenn Du eine andere Quelle hast, lass es mich wissen.
        Bauer Willi

  8. Hallo zusammen, hier meldet sich ein bis an den Hals vollgepumpt mit Subventionen betreibender Landwirt.
    Vermehrt wird geschrieben das die Landwirte unglaubliche Summen aus Brüssel und somit vom Deutschen Steurzahler bezihen.
    Allso die Flächenbrämie reicht bei uns in der Region nicht einmahl aus um den
    Pachtzins der Felder zu bezahlen. Überlegt mal was haben zb. Porsche, DB , Frankfurter Flughafen, Sämtliche Königsäuser Europas, Grafschaften, Zuckerwerke und unglaublich viel mehr noch wirklich mit Landwirtschaft zu tun. Alles sehr große Antragsteller wenns ums sogenante Agrargeld geht. Prinz Charles von England lange Zeit gröster Bauer
    Europas zumindest was die bezüge angeht. Gäbe es diese Leistungen nicht könntet ihr euch von Astronautennahrung ernähren. Selbst mit den Geldern kommt 70% der Landwirte nicht auf den allgemein geltenden Mindestlohn.

    • Hallo Micha, auch das Thema haben wir noch im Themenspeicher. Und noch vieles andere…Aber nicht alles auf einmal. Wir im Rheinland sagen da: immer schön höösch. Übersetzt: eines nach dem anderen.
      Bauer Willi

  9. Und mit dem Kauf von ausländischen Produkten ist das auch so eine Sache…
    Als Verbraucher muss man meistens schon richtig suchen, damit man überhaupt deutsches Obst oder Gemüse findet… Das Legen einem die Supermarktketten nämlich nicht selbstverständlich ins Regal, so manches Mal hat man da garnicht die Wahl, woanders lässt sich eben noch billiger produzieren…

  10. Hallo liebe Landwirt(e)/innen, hallo liebe Verbraucher/innen,

    als Tiermedizinstudentin bekommt man was die Ausbildung angeht wohl den umfassendsten Überlick über die Lebensmittelerzeugung überhaupt, abgesehen natürlich von den Landwirten selbst. Wir sehen, wie die Kälbchen, Schweine und Küken zur Welt kommen, wir sehen, wie sie leben und wie sie sterben. Wir sehen, wie die Landwirte jeden Tag arbeiten, denken und abwägen müssen, wie sie am besten wirtschaftlich und tiergerecht bleiben. Da gibt es natürlich verschiedene Typen, die die ihre Tiere lieben und die, die sie möglichst gut ausschlachten wollen, aber die sind selten. Denn der Bauer ist abhängig, abhängig von seinen Tieren und von deren Gesundheit. Denn ein kranker Bestand bringt nicht nur schlechte Leistung sondern kostet auch Geld. Je gesünder also die Tiere sind, desto zufriedener ist der Bauer und desto besser läuft natürlich auch der Betrieb. Da wäre das Problem mit der Massentierhaltung, die Frage ist aber: Wie sie abschaffen? Fakt ist schlicht und ergreifend, dass für die selbstverständliche Nachfrage nach Fleisch garnicht genügend produziert werden kann, wenn es nicht in der Massentierhaltung produziert wird. Denn wo die Fläche für eine artgerechte Haltung hernehmen? Eine schöne Einstreu ist gemütlich und tiergerecht, wie aber regelmäßig einstreuen, damit sich keine Klauenprobleme, keine Gesundheitsrisiken ergeben? Da sind Spaltböden einfacher, könnten aber auch zu Gelenkproblemen oder Klauenverletzungen führen, alles hat seine Vor- und Nachteile, es gibt kein Schwarz oder Weiß. Der Auslauf im freien ist traumhaft und auch förderlichfür die Gesundheit, erhöht aber das Risiko für Parasiten und wie die Fläche selbst gesund halten? Als Tiermedizinstudentin ist man tierlieb, man hat Mitgefühl, man hat Liebe. Die hat man aber auch für die Landwirte, denn die meisten sind zwar vielleicht etwas mürrische aber meist herzensgute Typen, die mir das Essen auf den Tisch bringen und dafür bin ich dankbar. Ich schätze Lebensmittel, weil ich weiß, wo sie herkommen, weil ich Respekt habe, vor der Zeit die sie wachsen oder vor dem Leben, das die Tiere geben, damit ich sie essen kann. Man spricht oft darüber, dass Fleisch teurer werden muss, damit Landwirte mehr verdienen, das wäre aber wohl nicht die Lösung der Sache, jedenfalls nicht die Behebung der Ursache, denn wer genügend Platz hat, wird ihn auch voll ausnutzen, wenn er mehr Geld dafür bekommt, denn so lässt sich nunmal mehr verdienen. Teureres Fleisch würde höchstens bedeuten, dass sich weniger Menschen Fleisch leisten können und darüber die Verkaufs- und Produktionszahlen zurück gehen, das will aber natürlich die Wirtschaft nicht. Denn wie schon ganz passend gesagt wurde, der Landwirt ist nicht der Hauptprofiteur der Produktkette, sondern jemand anders. Man muss sich aber bei so vielen Lebensmittelpreisen fragen: Wer verdient denn da überhaupt noch etwas? Man kann nur mit Kopfschütteln eine 4er Packung Hähnchenschenkel für 3,50 in die Hand nehmen. Wie sollen davon die Kosten für Elterntiere, Brüterei, Aufzucht, Fütterung, medizinsche Versorgung, Transport, Schlachtung und Verpackung gedeckt werden? Wie zum Teufel soll das gehen? Und genau hierliegt der Knackpunkt: Im Denken! Menschen denken nicht gerne über ihre Lebensmittel nach, warum denn auch, sie liegen fertig im Supermarkt, warum sich also sorgen darüber machen? Und beim Fleisch erst recht, das nimmt man aus dem Kühlregal wie einen Becher Joghurt, das ist es aber nicht. Ein Tier wurde dafür getötet und dem muss Rechnung getragen werden. Eine Verbindung muss wieder her zum Tier und zum Produkt, denn ich finde Fleisch darf eines sein: Luxusgut. Denn Töten sollte sinnvoll sein, sollte anerkannt und wahrgenommen werden. Die Menschen sollten darüber nachdenken, was sie zu sich nehmen und welche Art der Erzeugung und Wirtschaft sie damit unterstützen. Die Bio-Regelung geht da in die richtige Richtung: Mehr Geld nur unter bestimmten Umständen in der Produktion, Belohnung für Verbesserungen. Aber auch hier muss der Gedanke bewahrt werden, wie schon gesagt wurde, die Moral ist entscheidend und die Bereitschaft für etwas zu zahlen, das uns etwas wert ist. Die Schlüssel kann also nur in einem liegen: Dem Kontakt zur Natur, da sollte man den Kindern im Zoo liebe ihre Nutztiere zeigen und ihnen erzählen wie sie zum Schnitzel mit Pommes werden, das ist brutal? Das ist die Realität und genau die ist entscheidend. Und aus der Massentierhaltung kommen wir nur unter einer Bedingung: weniger Konsum. In diesem Sinne: Landwirte und Verbraucher Hand in Hand, Aufklärung im Kindesalter.

    Liebste Grüße

  11. Jeder “Landwirt”und natürlich ebenso der Verbraucher, sollte das Buch
    von Karl-Ernst Osthaus “Wege aus der Krise - durch die Landwirtschaft
    der Zukunft - Heilung für Erde, Pflanze, Tier und Mensch” lesen und
    danach handeln.

    Herausgeber: Pelagius Seminar

    Echte Bauern gibt es kaum noch, in erster Linie zerstören diese das
    Land durch Überdüngung, Gülle, etc., betreiben vorsätzlich Tierqual
    durch Massentierhaltung, sind verantwortlich für das Bienensterben.

    Früher flogen einem pflügenden Bauern massenweise Vögel hinterher,
    um die vielen Regenwürmer, aus dem gesunden Boden zu picken.
    Heute gibt es keine nützlichen Würmer im Boden, keine Mikroorganismen
    und kaum noch Vögel. Wer ist verantwortlich?

    Demeterbauern verkaufen in der Woche bis zu 400 Biokisten an den Endverbraucher.
    Sie haben alle einen Hofladen, die Ställe sind groß und lassen den Tieren viel Freiraum.
    Viele Monate im Jahr dürfen sich die Tiere im Freien aufhalten und ein artgerechtes
    Leben führen.

    Probleme haben nur die Landwirte, die auf das falsche Pferd setzen. Sie sind zu
    bequem, selbstständig zu denken und vor allem zeigen sie keine Bereitschaft
    hinzuzulernen. Wer sollte den Dreck auch essen wollen, den ein “moderner”,
    an die Agrarindustrie angepaßter, von Subventionen gemästeter Großgülleverteiler
    fabrikmäßig herstellt.

    Ein Umdenken muß einsetzen!!! Lest alle das oben empfohlene Buch!

  12. ich habe nicht alles gelesen
    vieles nicht verstanden
    so einiges missverstanden

    ich lebe auf dem Land
    in einem kleinem Dorf
    darin befinden sich
    2 Milchbauern
    2 Lohnunternehmer
    1 Biobauer
    und so einige kleine Höfe
    die im laufe der Zeit ihre Arbeit eingestellt haben (so in den 60er oder 70er Jahren)
    meine Frau ist dort aufgewachsen
    ich selbst komme aus der Stadt
    meine Eltern sind allerdings mit Landwirtschaft groß geworden

    wenn ich mich heute so umsehe
    wo sind sie hin?
    die Felder meiner Kindheit
    die am Rande der Stadt lagen
    zu denen ich oft gelaufen bin
    weil mich die Natur so fasziniert hat
    die Wälder und Wiesen
    die mich den ganzen Sommer vereinnahmt haben!
    weg
    mein Weg zur Arbeit
    35 Kilometer Feldweg
    Straßen mit Schwerlast Treckergespannen
    kaum beleuchtet
    Überbreit
    Rücksichtslos
    links und rechts der Straßen
    Mais
    Wald
    wieder Mais
    für die Agrargasanlagen (Fälschlicherweise als “Bio”gas bezeichnet)
    nicht mal der Pups der Bakterie ist Bio
    wegen falsch gefüttert
    die Kilometerweit entfernt liegen
    nein das ist nicht das
    was ich mir vorstellte
    ich habe eigene Hühner
    Fleisch wird in geringen Menge verzehrt
    Gemüse kommt aus dem eigenen Garten
    Hybridsaaten werden gemieden
    die Obstbäume zum Teil über 50Jahre alt
    werden gepflegt
    gekauftes Gemüse nur zur Saison
    Kartoffelpü, wird selbst hergestellt
    schon mal gerechnet?
    wieviel ich davon aus einem einzigen 2,5Kg Beutel Bio Kartoffeln vom Markt herstellen kann?
    da kommt die Sch…. (ca. 0,99€/ Portion) von den Fertigsachenmachern nicht mit
    wenn ich mir das durch den Kopf gehen lasse
    dann können selbst die
    die den Cent mehrfach umdrehen müssen
    besser und gesünder leben
    alles was weniger wird
    ist Zeit
    Zeit die für Fernseh fehlt
    Zeit die für Computer und Smartphone fehlt
    es kann aber Zeit für gemeinsames Kochen gewonnen werden
    für alles ist Zeit
    nur für gesunde Ernährung nicht?
    manchmal bin ich froh
    keine Kinder zu haben, auch wenn ich darüber traurig bin
    ich lebe jeden Tag bewusster
    um Kindern
    anderer Leute
    eine bessere Welt
    zu hinterlassen
    über alles was ich so mach und tu
    mach ich mir Gedanken
    Kleidung aus Biofasern (Hosen, Jacken, Schuhe alles was es so gibt, meine Haut ist es mir Wert)
    Sollten wir alle mal etwas mehr tun
    Liebe Landwirte, wenn ihr nicht so einen grossen Stein
    auf eurer Brust hättet
    würdet ihr weniger
    jammern
    und somit besser arbeiten können
    Ihr seid auch nicht die einzigen
    die sich mit Vorschriften
    die jeglichem gesunden Menschenverstand widersprechen
    herumschlagen müssen
    aber ihr gehört einer Berufsgruppe an
    die schneller Fördermittel
    aus Töpfen erhalten
    die wir alle füllen müssen
    ob wir wollen oder nicht
    wir bezahlen
    egal wofür
    und dann dürfen wir auch über die Meckern
    die uns als Lebensmittelproduzenten über den Weg laufen

    Ach ja
    warum tötet ihr Geflügel
    bevor es Schlachtreif ist?
    warum wird der Bruder
    meines Huhnes weggeworfen?
    Warum habt Ihr es nicht besser gemacht?
    Profitgier?
    Ein “Bruderhahn”
    ist ein schmackhaftes Stück Geflügel
    in diesem Sinne
    lasst uns gemeinsam
    an einer besseren
    Landwirtschaft arbeiten

  13. Ich find der Brief richtet sich nicht an die eigentlichen Verbrecher. Unter der Werbe- und Manipulationstrommel der Großkonzerne, geht einem (auch bei seit Jahren fallenenden Reallöhnen) das wort “billig” ja auch nich mehr ausm Kopf! WIe viel Werbung habt ihr schon gesehen/gehört, wo das Produkt nicht nur auf Grund seiner Qualität, sondern auch wegen seines niedrigen Preises angepriesen wird? Menschen sind viel zu manipulierbar, als dass die Dauer-Berieselung “billig=gut” keine Wirkung zeigen würde…

  14. Mir helfen Artikel wie diese. Meine Tochter muss erst lernen, warum man Pfirsiche und Erdbeeren nicht im Winter kauft und dass deutsche Äpfel gegessen werden und keine italienischen. Für eine Freundin meiner Tochter wird der Text von Bauer Willi hoffentlich Grundlage eines Beitrags für die Schülerzeitung.
    Also, danke.

  15. Topp, weiter so.
    Diese Art von Diskurs brauchen wir !!!
    Die Ansprache an den Verbraucher ist wichtig. Jeder Einzelne kann etwas bewegen.
    Bis sich auf politischer Ebene etwas ändert, darauf werde ich nicht warten.
    Kauft Eure Produkte möglichst direkt beim Produzenten, auf dem Wochenmarkt (die kaufen natürlich teils auch beim Großmarkt ein, also fragen), beim Gemüsehändler an der Ecke, im Bioladen oder im Reformhaus.

    • Was spricht dagegen, dass wir Wochenmarktbeschicker auf dem Grossmarkt oder beim Zwischenhändler einkaufen? Da können wir die regionalen Waren beziehen, die wir nicht selbst erzeugen oder direkt von Kollegen beziehen.

      Und wenn wir auch mal Orangen anbieten, was solls? Unser Marktanteil ist winzig im Vergleich zu den 4 Grossen: Edeka, Rewe, Aldi und Lidl. Die haben die Macht, die machen die Preise.

      • Lieber Biobauer Andreas,
        nix spricht dagegen, Dein Sortiment um Produkte zu erweitern, die Du nicht selbst erzeugst.
        Für viele Verbraucher ist aber die Bequemlichkeit wichtiger, als die Qualität der Lebensmittel. Wir haben in einer 26.000 EW-Stadt mittwochs Wochenmarkt. Der wird angenommen. Nun wurde samstags ein zusätzlicher eingeführt. Der wird NICHT angenommen! Viele Verbraucher gehen halt zu Rewe, Edeka, Lidl oder Aldi, weil sie dort ALLES kaufen können. Ein Landwirt, der vor drei Monaten einen Direktvermarktungsladen im Stadtzentrum aufgemacht hat, kann davon NICHT leben, da sein Sortiment kleiner ist, als das zweiter türkischer Händler nebenan…Was ist Qualität, Frische und Verfügbarkeit wert? Wer weiß das wirklich und wie ist es mit der Achtsamkeit, sich genau zu informieren?
        Was wir brauchen ist nicht entweder oder sondern sowohl als auch.
        Andreas UND Willi…und bewußte Verbraucher. Nix für ungut!

        • Matthias,
          ich kann nur von uns sprechen, der Samstagsmarkt bringt den dopplelten Umsatz im Vergleich zu Mittwoch, ganz einfach weil viele Kunden berufstätig sind und unter der Woche nicht einkaufen können.

          Leider fehlen und die jungen Leute, die scheinen samstag früh eher zu länger zu schlafen, die trifft man dann kurz vor Ladenschluss bei den Discountern oder Edeka/Rewe.

          Einerseits ist es nicht vergnügungssteuerpflichtig JEDEN Samstag früh (bei mir seit 12 Jahren) auf dem Markt zu stehen und nie ein komplettes Wochenende frei zu haben, andererseits mach ich es sehr gerne und auch Taxifahrer, Ärzte etc. müssen am Sa. arbeiten und als tierhaltender Bauer ist man 365 Arbeitstage im Jahr ohnehin gewohnt. Ein Aspekt, der bei tierlosem Willi bisher zu kurz kam.

  16. Danke dafür. Ich bin Verbraucherin, habe 3 große Kinder und gehe gern bei Bauern einkaufen.
    Für mich liegt es auf der Hand, dass so Skandale wie Schweinepest, Rinderwahn, Vogelgrippe etc.pp nicht auf eurem Mist wachsen. Warum auch? Selbstschädigung?, Eigenschädigung?, ist mir nicht plausibel.

  17. Absolut wichtige Diskussion!
    Ich würde mich jetzt gern hinstellen und behaupten, ich würde als Verbraucher schon ziemlich viel richtig machen. Das ist aber nicht der Kern der Problematik.
    Ich bin absolut auf er Seite der Landwirte (und eigentlich aller produzierenden Sparten), wenn es darum geht wieder eine nachhaltige Produktion zu fördern. Allerdings kann man die Verantwortung dafür nicht den Endkunden aufbürden - das ist blauäugig. Die Politik MUSS sinnvolle Rahmenbedingungen setzten - und davon ist sie meilenweit entfernt.
    Wir müssen uns überlegen, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Es geht nicht immer nur um “mehr” und “billiger”. Es geht um Berufsbilder, Lebensqualität, Umwelt, soziale Gerechtigkeit und vieles mehr. Mit immer billiger und mehr, Weintrauben und Erdbeeren zu jeder Jahreszeit, Krabbensalat, Lederhosen, Lachsfilets, Fleisch in rohen Mengen für jedermann - wir sch**** uns in die eigene Tasche. Um das zu schaffen wird rationalisiert, optimiert, wir betreiben Raubbau nicht nur an der Natur - auch an unserer Gesellschaft. Das IST ein politisches Problem. ..und auf der anderen Seite sind WIR eine Demokratie. Wir sind das Volk und somit die Politik!
    Also lasst uns auf die Straße gehen für was sinnvolles!: nachhaltige Lebensmittelproduktion (und allgemein für eine sozialere Ökonomie oder irgendwas in der Art) es ist UNSER Leben!
    Dafür würde ich jeden Montag auf die Straße gehen!

  18. Einfach toll, was hier für ein Dialog entsteht! Bemerkenswert auch, dass es anscheinend doch viele Landwirte gibt, die im weltweiten Netz aktiv sind und dieses für ihr Selbstmarketing nutzen. Vielen Dank an Bauer Willi, Alois Wohlfahrt und alle anderen Landwirte, die sich hier beteiligen! Auch wenn die Arbeit auf dem Hof anstrengend genug sein mag, finde ich es sehr wichtig, dass die Bauern selber mit Verbrauchern ins Gespräch zu kommen, die Landwirtschaft wieder erfahrbar machen und aufzuzeigen was diese für gutes, gesundes Essen und Esskultur leistet - und das geht heutzutage am effektivsten im Internet.

    Bei der Einladung von Landwirten, sich kostenlos auf http://www.foodroot.de – einem “Branchenverzeichnis des guten Geschmacks” – einzutragen, um sich mit Verbrauchern, Händlern und Gastronomen zu vernetzen, musste ich leider feststellen, dass zwar Interesse bestand, sich aber kaum ein Angesprochener tatsächlich registriert hat. Dabei soll das Portal gerade den Bauern (auch und gerade denen, die vielleicht noch keine eigene Website haben) dazu dienen, sich und ihre Produkte werbefrei zu präsentieren - und zwar an die interessierten Verbraucher (meist aus den größeren Städten), die nach vertrauensvollen Produzenten suchen. Vertrauen sollen dabei nicht in erster Linie Siegel und Zertifikate bilden, sondern persönliche Empfehlungen von Kunden und Lieferanten, sodass ein großes Netzwerk für gute Lebensmittel entsteht. Eigentlich eine tolle Idee, oder?

    Liegt es an mangelnder Internetaffinität, an Zeitmangel oder gar am Konzept des Portals, dass die Beteiligung seitens der Landwirte (noch) so niedrig ist? Als PR-Tante, die überwiegend im Bereich Ernährung/Lebensmittel/Landwirtschaft unterwegs ist, würde ich mich sehr über die Einschätzungen von Landwirten – ob internetaffin oder nicht – freuen!

    Weiter so mit diesem authentischen, sympathischen und gleichzeitig professionellen Dialog & herzliche Grüße aus der Großstadt!

    Melanie

  19. Bauer Willi hat recht. Bei uns hat ein neuer Bio Markt aufgemacht und wo kommen viele Produkte her? Aus Spanien,Griechenland usw. Super Bio, aber das die Ware erst noch ewig unterwegs ist will niemand wissen. Früher hat man einfach nach Saison einkaufen und wir sind auch alle groß geworden.
    Ich halte es wie Bauer Willi und esse mein Joghurt auch noch eine Woche nach dem das MDH abgelaufen ist.Sollte es doch mal schlecht sein merkt man es recht schnell.
    Wir sind verwöhnt von dem Überfluss an Lebensmitteln die wir einkaufen können und kaufen oft mehr ein als wir brauchen. Das viele Richtlinien der EU eh der Witz sind, wissen doch hoffentlich die Meisten. Wegen mir braucht keine Gurke gerade sein und muß nicht jeder Apfel gleich aussehen. Warum auch? Es ist nun einmal die Natur das nicht alles gleich aussieht und ich hoffe das es nie soweit kommt, dass alle unsere Lebensmittel aus dem Labor kommen.

  20. Geiz ist geil…und bequem. Die Zeit die mit googeln und Kilometer schrubben um zum billigsten Anbieter zu kommen gebraucht wird rechnet keiner. Die meisten kennen noch nicht mal heimische Kartoffel- oder Gemüsesorten geschweige wie man sie zubereitet. Viele gut sortierte Märkte bieten auch Waren von ortsansässigen Produzenten an. Man muss nur mal die Augen aufmachen. Seit ich unser Brot selbst backe, weiß ich dass das Arbeit ist - macht aber auch sehr viel Spaß, schmeckt sehr gut und ich weiß was drin ist. Mittlerweile stellen wir viele Produkte selbst her auch wenn wir beide berufstätig sind. Man muss einfach mal damit anfangen, mit der Übung entwickelt sich auch die Organisation. Wir kochen immer (von ganz selten mal ne Pizza essen gehen abgesehen) selbst. Es ist eine Bereicherung zu überlegen was wir essen wollen und zusammen die Einkäufe zu erledigen. Es geht ja nicht nur ums Satt werden, Essen ist Kultur, Austausch, Unterhaltung, Familie. Dazu braucht man etwas Zeit, die heute wohl Mangelware ist. Schade…Wir brauchen uns nicht wundern, dass Kartoffel aus Ägypten kommen und gegen Keimen bestrahlt werden, wenn hier keiner mehr weiß wie man sie richtig lagert. Ach die Latte ist lang…und von wegen die liegengebliebenen Kartoffel 2-3 Tage später aufsammeln…das machen die H4ler auch nicht, geht doch einfacher. Die Menscheit ist verwöhnt und faul und manche wären nicht lebensfähig wenn es diese Fertigprodukte nicht mehr gäbe.
    Aber irgendwann hat das ja mal angefangen…Wo sind die verantwortungsbewussten Eltern die es ihren Kindern vorleben? Nicht zu Hause, Geld verdienen, fürs große Auto, den tollsten Urlaub, für den größten Fernseher und und und….und wissen nicht wie man Wirsing zubereitet…armes Deutschland.

  21. Lieber Willi,
    Respekt, tolle Basisarbeit.
    Du blühst in Deinem Unruhestand richtig auf und machst Dir die Arbeit, die wir (Deine Berufs- und ehem. -Kollegen) vor lauter Arbeit nicht leisten (können/wollen). So spricht nur jemand, der von ganzem Herzen und innerster Überzeugung Landwirt ist.
    Ich bin aber auch überrascht über die vielen positiv-kritischen Beiträge Deiner Zu-„Leser“. Da ist Hoffnung bei uns „Bauern“ angesagt. Ich verstehe die innere Zerrissenheit der Kritiker zu bestimmten Themen. Da müssen wir inhaltlich/fachlich dran arbeiten.
    Der Dialog wird unser gegenseitiges Verständnis verbessern. Und somit auch ?? unsere Welt?
    Danke und Gruß

  22. Unglaublich gute Beiträge. Unbedingt mehr davon!
    Was ich als sehr wichtig empfinde und mir echt die Kinnlade herunter fallen gelassen hat, ist das Beispiel mit dem Kartoffelpreis. Pro Kilogramm bekommst du bzw. dein Nachbar einen verdammten Cent (wtf?!) und den Preis im Supermarkt sieht jeder.
    Mit diesem Wissen kaufe ich wieder anders ein und das Beispiel werde ich so einigen in meinem Umfeld erzählen. Es ist leicht zu merken, erschütternd und Fakt. Da kann man nichts auslegen wie bei “gut” oder “schlecht”.

    Für mich als Außenstehender und Konsument sind es genau solche Informationen, die ich sonst nirgends lese und doch benötige, um zu verstehen. Solche Preisdiskrepanzen gibt es bestimmt bei vielen Produkten von euch. Hau raus die Informationen! Die meisten kaufen über den Preis, dann sollen die auch mal wissen was dich das kostet und was du einnimmst!

  23. Hallo Willi!
    Du fragst Dich, wie Solidarische Landwirtschaft in einer Großstadt funktionieren kann, ich habe ein schönes Beispiel für Dich : http://www.solawis.de
    Das ist die Solidarische Landwirtschaft in Stuttgart und der Hof ist mitten im Wohngebiet eines am Rande liegenden Stadtbezirks. Mit Kühen und Hofladen, okay ich gebe zu, es ist ein Demeterbetrieb, der sich durch Solawi auch etwas umstellt, mehr unterschiedliches anbaut, neue Gemüsesorten ausprobiert, aber das tragen wir mit! wir bezahlen ihm das risiko von Ernteausfällen am Anfang um zu lernen, wir entwickeln den Hof und das Hofladenangebot aktiv mit weiter (machen Sauerkraut gemeinsam, besuchen einen Imkerkurs, um Bienen bei ihm auf den Streuobstwiesen zu halten, etc.etc.) Vielleicht interessiert es Dich ja mal, das “Großstadtkonzept” anzuschauen (und seit Januar gibt es auch Getreide und Mehl bei uns).
    Ansonsten kann ich Dich gut verstehen und möchte Dich bestärken, Deine Werte zu bewahren, ich bin jedem Bauern dankbar für gesunde, naturbelassene und ehrliche Ernte! Alles Gute!

  24. hallo Willi,

    klasse Artikel - beide. Ich stimme dir im Prinzip in allem zu. Ich möchte lediglich eine Beobachtung mitteilen, die ich durchaus sehe und auch an mir festgestellt habe. Früher als Kind bin ich zum Bäcker gegangen. Als Jugendlicher war mir alles egal. Später hat es mich viele Jahre auch nicht interessiert, wo ich was kaufe. BIS ich mich eines Tages fragte, was fehlt und warum ich aufgebackene Brötchen von Steinecke und Co. nicht mehr sehen und schmecken kann. Die Lösung war, mir fehlte der alte Brötchen / Brot Geschmack. Seitdem gehe ich zum Bäckerwagen auf dem Marktplatz und bin glücklich. Die backen selbst und ich habe die eigentliche Bäckerei selbst aufgesucht.
    Was ich sagen will, wir Verbraucher haben doch vieles selbst in der Hand und ich stelle zunehmend fest, dass das auch viele machen. Ich gehe übrigens nach dem Bäckerwagen noch zum Fleischerwagen und kaufe neuerdings meine Wurst nur noch dort. Gleiches Ergebnis, es schmeckt einfach wieder.
    Die Probleme sind vielschichtiger, es geht wahrscheinlich nicht mal um die Packung Pommes, sondern eher darum, wieder mehr selbst zu kochen und eine Kartoffel etc. zu essen. Wirsing ist das perfekte Beispiel.
    Es ist also nicht wirklich kompliziert, sondern sehr einfach. Auf einem Markt einkaufen macht Spaß und meistens sind dort die regionalen Erzeuger präsent. Und am Geld kann es auch nicht liegen. Es ist nicht teurer, jedenfalls meistens nicht. Und wenn doch, sollte man sich mal fragen, wie 500 g Putenfleisch bei Penny etc. 2 oder 3 Euro kosten können. Das ist schlichtweg unmöglich.
    Also Augen auf, Hirn einschalten u.s.w.

    Alles Gute

  25. Hallo,
    diese Texte regen zum Nachdenken an. Es ist für uns Verbraucher aber auch sehr schwierig das richtige zu kaufen und zu verstehen was gut und was schlecht ist. Persönlich kaufe ich nicht das billigste Produkt und kann mir aber auch nicht die teuersten Produkte leisten. Wie soll ein Verbraucher sehen welche Lebensmittel den Landwirten auch fair bezahlt werden und welche nicht?
    Ist die Milch von namhaften Produkten besser oder wird da auch wieder der Landwirt ausgenutzt?
    Wir schauen beim Einkaufen auch nach ob die Produkte regional sind, aber können nicht sagen ob diese regional hergestellt oder regional abgepackt werden.
    Ist das BIO-Ei besser als das Freilandei?
    Wo bezieht der Metzger sein Fleisch (Landwirt/Bauer oder Schlachthof)?
    Ich selbst bin mehr und mehr verunsichert was ich wo kaufen kann, ohne meinen Monatslohn ausgeben zu müssen. Durch meinen stressigen Job bin ich nunmal auf Supermärkte angewiesen und wüsste auch nicht bei welchen Landwirt/Bauer ich welches Produkt einkaufen kann.
    Wir essen kaum Fleisch um uns den sog. Sonntagsbraten gönnen zu können und dementsprechend Qualitativ hochwertiges Fleisch zu kaufen. Eine Ente kostet hier ca. 20€/kg, das kann ich mir nicht ständig leisten.
    Falls die Lebenskosten weiter steigen, werden wir uns auch keine teuren Lebensmittel mehr leisten können.
    Ich selbst war durch eine schwere Krankheit im Harz 4 gefallen und weiß wie es ist mit 12 Euro 6 Tage auskommen zu müssen. Das geht nur mit den billigsten Produkten und Lebensmitteln.
    Ich werde weiter auf meinen Einkauf achten und versuchen die Landwirte und Bauern zu unterstützen. Leider weiß ich noch nicht wie das aussehen soll und welche Produkte euch angemessen bezahlt werden.
    Die Arbeit ist leider nicht’s mehr wert und das stelle ich jeden Tag fest. Andere Branchen haben auch schwer zu kämpfen, da immer der billigste den Auftrag bekommt. Ich kenne Firmen die Ihre deutschen Arbeitskräfte entlassen und sich mit Bussen in Osteuropa die billigeren Arbeitern zu holen. Somit kann man natürlich Arbeiten weit unter den Preis anbieten.
    Da soll mir bitte keiner Erklären, dass unsere Regierung hier nicht einschreiten kann.

    Danke für eure harte Arbeit und ich hoffe das sich eure Situation bessert.

  26. Hallo Willi!
    Und auch: Hallo an Euch andere, die Ihr Euch hier einbringt!

    Wie ihr das schafft, obwohl täglich 12-16 und auch mehr Stunden Arbeit auf Erledigung warten, ist mir ein Rätsel. Nein, ist es nicht. Ihr tut es auf Kosten Eurer Gesundheit und Familien. Und Ihr tut es, weil Ihr nicht anders könnt. - Dafür, obwohl es sicher für alle primär schädlich sein wird, aber eben auch sekundär heilsam, mein absoluter Respekt!

    Wer kennt schon den Weg aus einer Herausforderung für jeden? Niemand. Jeder hat ihn selbst zu gehen. Doch erst einmal hat sich jeder selbst dafür zu interessieren, ob der eigene Weg weiterhin der Heilbringende, bzw. ob er vielleicht schon seit längerem eher der Leidbringende ist.

    Ich, nein wir, haben lediglich einen für uns gefunden. Wir, das waren Städter, die es satt waren alle Produkte im Laden zu kaufen. Auch, obwohl es am Ende fast nur noch Bio war. Nie die Gewissheit, dass es tatsächlich fair, ökologisch oder eben einfach nur “gesund“ zugeht.

    Wir gingen den Weg in den eigenen Anbau und die eigene Haltung von Tieren. Bisher allerdings nur Hühner und Puten. Gänse und Enten, später Schweine und Schafe sollen folgen.

    Und Ihr mögt hier einen unserer Wege erkennen.
    Diversität. 200t Getreide, 20t Raps, das wirkt auf mich zu spezialisiert. Und wie immer wenn es sehr speziell wird, könnte es auch hier am Ende zu einer Monokultur führe, die zu Verlusten in anderen Beriechen führt. Ist aber eben auch die Logik des „Größer/weiter/schneller, dem grundsätzlich geringere Margen folgen. Schließlich ist das Geld Das Triebmittel! Würde Platon noch leben, er würde wohl sein Höhlengleichnis auf das Geld beziehen. Die Geißel, die von uns allen als goldenes Fusskettchen dargestellt wird. Doch machen wir uns nichts vor: wer von uns gehört zu jenen, die zwischen 500.000 und 1 Millionen Euro angelegt haben? Die nämlich sind erst Gewinner in unserem Schuldgeldsystem! Wir anderen zahlen drauf. Emitional, körperlich, psychisch, moralisch.

    Doch wurde eben so viel Geld ausgegeben, um das leisten zu können, was geleistet wird! Und viele gehen den Weg, den ich früher auch ging: Aus der Unkenntnis über meine Grundbedürfnisse und den Konsequenzen die daher kommen, wenn ich sie nicht auslebe, erfolgt Ersatzbefriedigung. Stumpfer Konsum. Und später noch öfter das Gefühl nicht dazuzugehören, weil nicht mehr genug geld da ist, um Urlaub, Auto oder sonst etwas genießen zu können.

    Ok, bei uns führte das zum Innehalten, zur Reflexion und schließlich zur Besinnung und damit zur Umkehr. In weiten Teilen weg vom Konsum und hin zur Bedürfnisbefriedigung. Hin zu etwas Sozialerem und Ökologischerem.

    Tja, das Geld. Vielleicht auch bei dir, Willi, mit bestem Wissen und Gewissen ein Kredit nach dem anderen aufgenommen. Und die meisten davon bei Banken. Unternehmen die uns letztlich alle bescheißen; die gerettet werden, auf unser aller Kosten.

    Wie da rauskommen?
    Entschulden! Das ist unser Weg.

    Wir sagten uns irgendwann: „Scheiß drauf. Wir erkennen an, dass wir zu den finanziellen und materiellen Verlierern des kapitalistischen Wirtschaftssystems zählen und machen uns fortan öfter, umfassender und lang anhaltender zu den Gewinnern des Sozialen, des Ökologischen und des Moralischen. Wir leben an Stelle von Konkurrenz ein Gesundes Miteinander.

    Die gesamte Natur kennt nur Schenken und Teilen. Warum also sollten wir nicht genau so leben? Ist es nicht die Natur, die einen ernährt? Also schenken und teilen wir was wir haben. Und was erleben wir? Wir bekommen selbst so viel geschenkt!

    Und wer nicht zum natürlichen Schenken und Teilen (zurück) kommen will?
    Schuldenschnitt. Anders geht es nicht. Denn der Crash ist überfällig. Die BRD und die EU bereiten die Enteignung im großen Stil vor (Gesetzgebung). Sparkassenkunden werden beispielsweise mit als erstes dran glauben. Was glaubst du, warum Politiker wollen, dass wir Lebensversicherungen abschließen und für die Rente vorsorgen? Weil sie diese als erstes kassieren werden.

    Nicht? Du meinst es kommt anders? Dein absolutes Recht. Doch Mathematik ist Mathematik. Und Exponentialsystem ist Exponentialsystem. Und der Zins ist ein Exponentialsystem. Exponentialsysteme sind keine Scheren, sie kollabieren irgendwann blitzartig. Den Euro, den Dollar und jedes andere Geld gibt es nur noch, weil unsäglich viel Geldscheine (es scheint Geld zu sein) gedruckt werden.

    Also können wir zweierlei tun:
    Wir glauben weiter, dass ein begrenztes System weiterhin funktioniert und tragen die Konsequenz daraus. Oder wir halten inne und beobachten aufmerksam was momentan abläuft. Die Gesetzesgeber bereiten die Enteignung der Bürger vor und jeder tut gut dran keine neuen Schulden mehr zu machen.

    Mensch, das geht so scheinbar völlig am Thema vorbei…
    ..aber nur scheinbar.

    Denn die Konsequenz des „Wachse oder weiche“ wird früher oder später dahin führen, dass die die Kredite nicht mehr bedient werden können. Wohl dem, der dann sowohl Grund und Boden hat, wie auch weiß, wie er eben diesen von Hand bestellt/nutzt.

    Ein Weg aus dem Übel könnte, gerade in Ballungsräumen sein, versiegelte Flächen um Hochbeete zu erweitern (Stichwort „urban gardening“)und Grünflächen kommunal mit Obst und Gemüse anzubauen (Stichwort „Andernach).

    Ein weiterer Weg kann es sein, gerade wieder in Regionen von Großstädten, den Menschen anzubeten ihnen dabei zu helfen, Lebensmittel selbst anzubauen, bzw. Tiere zu halten und selbst zu schlachten. – Letzteres wäre nebenbei auch noch ein super Aspekt, weil hier bewusst werden kann: „Du willst Fleisch essen und außer zu zahlen nix dafür tun? Wo ist dein heuchlerisches Argument, dass sich gegen Massentierhaltung stellt? Hier, pack an, ich zeig dir, wie es geht.“

    Zurück zu uns..
    …wir bauen überwiegend Obst an. Scherzhaft wurden wir auch schon “Marmeladen-Bauer” genannt. Wobei die Konservativen um uns herum, wir leben auch ländlich, uns als Umsiedler, als “anders” bezeichnen. Was hier so viel heißt wie “Ihr gehört hier nicht hin!” Bestenfalls werden wir noch als “Spinner” und “Ökos” bezeichnet.

    Wieso Obst? Logisch, geht am Einfachsten. Aber auch Gemüse klappt immer öfter und in größerem Umfang.

    Wir wohnen übrigens auf dem Land. Inzwischen. Bei uns gibt es nur noch zwei Bauern. Beide halten Milchvieh. Und der eine von den beiden baut, angeblich im achten Jahr, Mais auf demselben Boden an. Ausgleichs- bzw. Erholungsanbau für den Boden das Ökosystem? Fehlanzeige. Nicht wenigstens Leguminosen für den Winter, damit die Krume nicht brach liegt und der Boden natürlich gedüngt wird? Nö. Nix.

    Was können wir tun? So viele Land- und Viehwirte haben genau so verlernt Lebensmittel selbst anzubauen, wie es bei Städtern verpöhnt war Ommas Schrebergarten zu übernehmen. Wo doch alles so billig im Geschäft zu haben war!

    Was könnnen wir tun?
    Vieles. Und vor allem endlich inne halten und mit dem „weiter wie bisher“ noch umfassender brechen.

    Und als erstes bedeutet das:
    Werde zum Versteher! Werde zum Annäherer! Werde zum Respektierer anderer Einstellungen!
    Werde zum Hinterfrager der Systeme! Werde wieder zum Lebewesen, dass weil es sich bewusst ist, dass es alleine nie überleben kann und immer auch viele andere braucht. Andersartigsein anerkennt und zulässt.

    Wir haben endlich wieder aufeinander zuzugehen und uns gegenseitig zu helfen! Wir leben im Krieg von finanziell reich gegen finanziell arm. Und so viele wähnen sich in der Mitte, obwohl sie von „da oben“ längst als Schlachtvieh abgeführt wurden.

    Wir leben inzwischen von Hartz IV. Freiwillig. Weil es uns das Wert ist. Lieber haben wir gesunde Lebensmittel aus permakulturellem Anbau und kaufen den Rest zu, als dass wir wieder nicht im Einklang mit der Natur selbst von Pflanze, Tier, Boden, Luft, Wasser entwickeln lassen. Ja, am 10. Des Monate sist verdammt viel Monat am Ende des Geldes übrig. Doch wir schaffe es immer. Wo ein Wille ist war schon immer ein Weg! Und so wird es immer bleiben.

    Wir sind 2 von fast 5.000.000 Menschen die eine Tätigkeit suchen, dank der sie fair bezahlt werden und von Hartz IV wegkommen. Bei 900.000 freien stellen!! Frei Stellen! Nicht fair bezahlte Arbeitsplätze!

    Wir lassen uns also lieber als Schmarotzer bezeichnen, weil die meisten Menschen scheinbar noch immer nicht erfasst haben, dass alle paar Jahre wieder 50% der Arbeitsplätze vernichtet werden, damit einige wenige ihren Gewinn maximiert bekommen, als dass wir die für uns äußerst wertvollen
    Erfahrungen nicht weiter machen wollen, nicht nutzen wollen, die wir geschenkt bekamen, als wir uns der Erde widmeten in dem wir begannen unsere Lebensmittel selbst anzubauen, bzw. Tiere zu halten.

    Mann, was haben wir dabei aber auch schon gekotzt! Erst 2014 wieder! Von 15 Tomaten-Pflanzen haben uns die Nacktschnecken ganze drei gelassen. Freiland-Salat? Schnecken. Kohl? Kohlwseißling und? Schnecken. Kartoffeln? Gar nix.

    Aber so ist das.
    Deine Situation, Willi, ist wahrscheinlich weitaus komplexer als die unsere, weil wir uns bereits weitestgehend entschuldet haben, wie ich annehme. Mit Hartz Iv kommst du nicht nur nicht weiter, du verlierst evtl. sogar mehr als wir verloren haben.

    Und den Konsumenten wird es so ergehen, wie es allen erging, die 1928 kein Land hatten und nicht wusten wie sie Lebensmitteln anbauen. Ihnen wird es schlimmer ergehen. Dann damals gab es noch mehr Landwirte, mehr Selbstversorger und, vor allem, Lebensmittelvorräte.

    Alles außen vor lassen!
    Tun wir so, als gäb es keinen nahenden Crash und als sei die Krise nach 2008 längst abgehakt.

    Was tun?
    Gesund schrumpfen?
    Weiter wachsen?
    Bio und noch mehr Kosten für die Umstellung?
    Kredite sind grad so billig?
    Wie macht das ein Dealer? Erst kostenfrei anfüttern, dann abzocken, oder?

    Wofür das alles? Damit Du zusiehst, wie die Pacht- und Kaufpreise von Ackerboden und Grünland weiterhin, wie auch die von Pestiziden, Herbiziden und Saatgut explodieren, weil irgendwelche geldgeilen Säcke so gern spekulieren, um fett Kohle zu machen?

    Nee, ich kann absolut nachvollziehen, dass du hier emotional wurdest, Willi!
    Auch, dass ihr anderen den Beitrag erst kassiert habt. Und ich freu mich, dass Ihr den Fehler eingestanden habt und damit Eire wahre Größe zum Ausdruck brachtet! Danke!

    Das ist, was uns als Menschen eint! Wir tun immer so, als seien wir rationale Wesen. Dabei ist schon längst nachgewiesen, dass wir 99% all unserer Entscheidungen letztlich aus dem Bauch heraus fällen.

    Wieder die Frage: Lösungsideen?
    Ja, irgendetwas mit „gemeinsam“. Irgendwie.

    Aber wie?
    Durch ein Mehr an Solidarität.
    Durch ein Mehr an “ich will wissen, wie das geht und warum das nicht geht”.
    Durch ein Mehr an taktischem Konsum.
    Durch ein Mehr an Mut zur Lücke.
    Durch ein Mehr an „Inder Ruhe liegt die Kraft“.
    Durch ein mehr an Sinn(vollem).

    Aber das Wasser steht bis zum Hals.
    Na, Gott sei Dank! Der Mund und die Nase schauen noch raus! Überleben ist also möglich.

    Wir brauchen also genau mehr von dem, wovon ich immer mehr erlebe.
    Bewusstseinswandel.

    Auch wenn ich Menschen im direkten Umfeld erlebe, dank derer ich denke: “Erlebst du den wirklich? Die machen doch (scheinbar) stumpf(sinnig) weiter wie bisher!” - Tun sie das wirklich? Ich seh doch deren Gedanken, deren Gefühle und deren Wandel gar nicht! Ich seh nur, was ich sehen will.

    Und das ist, um auch mal den Frust stumpfsinnig abzulassen, der andere, der dann der Idiot ist, damit ich mich größer fühle, obwohl ich in hellen Momenten weiß, dass jeder sein Möglichstes tut; dass wir uns alle, die einen mehr und die anderen weniger, die einen bewusst, die anderen unbewusst, sich selbst durch ihre eigenen Angst antreiben, bzw. gefangen halten.

    Ich hab mal ein Buch über den Erfolg an der Börse gelesen. Da kam ein bemerkenswerter Satz drin vor: „Verlierer realisieren den Verlust und die Gewinne zu spät.“

    Was können wir tun?
    Einsehen, dass die Zeit vorbei ist, in der wir eine Landwirtschaft wie in den letzten 50 Jahren führen konnten. Wir schulden es unseren Kindern und Enkeln. Und auch uns selbst.

    Der Weltagrarbericht zeigt seit 2008 auf, wie es anders gehen kann. Doch die Lobbyisten, unterdrücken den Kurswandel. Ja, erst nicht mehr aufzuhalten. Er kommt so oder so. Doch hoffe ich, Willi, dass Du ihn kommen siehst und aufsteigst, solange es noch geht.

    Es gibt Lösungswege. Für manchen ist hier einer dabei gewesen. Andere haben andere zu finden.

    Doch können wir uns alle dabei unterstützen!

    „Weiter so!“ ist seit 2008 keine Option mehr. Und seit 2008 werden die Konsequenzen eines „Weiter so!“ immer brutaler. Für uns alle.

    Herzliche Grüße
    Axel

    • Lieber, lieber Axel dies ist eine Umarmung! Du sprichst mir so aus der Seele. Du hast es verstanden! Ich könnte stundenlang zurückschreiben, aber dafür würden auch 16 Stunden nicht ausreichen. Und ja, zurzeit geht es wirklich auf Kosten der Gesundheit, der Familie und des Betriebes. Bin aber Überzeugungstäter. Bleibe im Netz und warte auf Freitag: wir planen eine friedliche Aktion für
      Mehr an Solidarität, an taktischem Konsum, an sinnvollem, an ich will wissen wie es geht. Wir von fragdenlandwirt hoffen, ein wenig dazu beizutragen. Unser Ziel ist es nur, die Welt zu verändern (Achtung: Ironie). Was wir nicht kennen: Angst. Wir machen weiter…
      Bauer Willi

  27. Hallo Willi,

    an dieser Stelle erstmal danke für das Augenöffnen. Auch mir waren Deine geschilderten Fakten nur wenig bekannt. Ich lebe seit zwei Jahren auf den Philippinen und rege mich oftmals darüber auf, das manche (einheimische) Lebensmittel teurer sind als in Deutschland. Warum kann ich aber jetzt nachvollziehen!
    Ich denke Deine Meinung sollte unverändert weitergegeben werden und schlägt in keinster Weise über die Strenge!!!

  28. Lieber Bauer Willi,
    wie viele, vermutlich Du selbst auch, staune ich über die enorme Resonanz Deiner Aktivität und suche nach Erklärungen, die Gedanken dazu schreibe ich hier.

    Aber zuvor habe ich doch ein paar Fragen: Im Januar sind 50.000 Menschen in Berlin auf die Strasse gegangen und haben für eine Agrarwende demonstriert, konkret “gegen Tierfabriken, Gentechik und TTIP”

    Zu diesen wichtigen Themen der Landwirtschaft hätte ich gerne Deine Position:

    Stimmst Du z.B. der Forderung von Minister Backhaus zu, Tierhaltung auf 500 Sauen oder 800 Kühe zu begrenzen?

    Bist Du, wie 84% der Deutschen, dafür Gentechnik in der Landwirtschaft zu verbieten oder liegst Du eher beim Bauernverband, die diesen Willen der Mehrheit ignorierend meint, man müsse die Chancen wahren?

    Siehst Du, wie der DBV in TTIP eine Chance für deutsche Bauern, noch besser exportieren zu können, oder wärst Du dafür den Bereich Lebensmittel aus den Verhandlungen ganz auszuklammern?

    Soweit die Fragen, hier meine Gedanken:
    Bauer Willi hat Erfolg, nur warum?

    Mit Spannung beobachte ich immer wieder Hypes im Netz, besonders wenn sie von Landwirtschaft handeln. Ohne Zweifel erkenne ich neidlos an, dass Bauer Willi mit seinen offenen Briefen auf grosse Resonanz stösst. Warum ist das so?

    Ein paar Gedanken:
    Bauer Willi (und nicht nur er) fühlt sich vom Verbraucher wenig anerkannt. Zitat “Aber das mir manchmal die Lust an meinen Beruf vergeht, kannst Du jetzt vielleicht etwas nachvollziehen.” Er greift die Meinung auf, im Land würde jeder auf Bauern herumhacken.

    Offensichtlich verzweifelte Bauern starten sogar ein Petition, um vom Landwirtschaftsminister Anerkennung zu bekommen “Erkennen Sie die Leistungen von uns Landwirten öffentlich an!”: http://chn.ge/1Dpnq76

    Bauer Willi bekommt nun diese Anerkennung und Zustimmung vieler Verbraucher, warum?

    Zunächst ist es ein Fehleinschätzung, das Märchen vom “unbeliebten Bauern”. Der Landwirt wird in einer Umfrage, welche Berufe hohe gesellschaftliche Bedeutung haben, mit 44% an dritter Stelle genannt, gleich nach dem Arzt und Lehrer! (S. 16 Situationsbericht 2014 http://media.repro-mayr.de/85/595585.pdf)

    Der Landwirt geniesst höchstes Vertrauen! 91% sagen der Bauer “produziert qualitativ hochwertige Lebensmittel” Die höchste Zufriedenheit in Sachen Qualität haben die Produkte vom Bauernhof (67%) Schlusslicht die Discounter (63%). Wenig Vertrauen hat der Verbraucher in die Lebensmittelindustrie usw. ( Infratest Dimap BMVEL Jan 2013 http://bit.ly/1K6C5VO )

    Besonders beliebt macht sich Willi, weil er kritische Themen nicht anspricht. Sein Nebenerwerb bewirtschaft er viehlos, die kritschen Themen Massentierhaltung klammert er ebenso aus, wie Gentechnik, TTIP etc.

    Man könnte gerade meinen, gegen 200.000 Clicks (davon min. 50 allein von uns), sei die “Wir haben es satt” Demo in Berlin mit 50.000 Menschen unbedeutend geworden. “Stopp Tierfabriken, Gentechnik und TTIP” sind Themen für die Bauern und Landwirte auf die Strasse gehen und nicht aus der warmen Stube heraus auf “gefällt mir” clicken.

    Bauer Willi ist sympathisch, man vertraut ihm und jeder würde gerne heimische Äpfel, Kartoffeln usw. direkt bei ihm auf dem Hof kaufen. Ob die Verbraucher wissen, dass er “nur” Weizen, Zuckerrüben und Raps anbaut? Also gar nichts, was man so direkt essen könnte? Er ist Zulieferer, evtl. auch für Aldi: da liegen die Billigbrötchen aus seinem Weizen und der weisse Zucker aus seinen Rüben. Was mit seinem Raps passiert, weiss er gar nicht, vermutlich landet der eher im Tank der Verbraucherautos und nicht auf deren Teller.

    Ist es nicht befremdlich, dass zwischen Erzeuger und Verbraucher quasi ein schwarzes Loch entsteht, eben jene suspekte Lebensmittelindustrie? Vorne liefert der Bauer Erzeugnisse aus Urproduktion rein und weiss nicht, was mit denen passiert und hinten bekommt der Verbraucher “Lebens?”-mittel, weiss nicht immer 100%, was drin ist und wo genau sie herkommen?

    Bei einem bin ich mir ganz sicher, in diesem “schwarzen Loch” werden die Preise gemacht, nicht vom Bauer und nicht vom Verbraucher!

    PS: in eigener Sache: ich war heute sehr früh schon bei einem regionalen Bauernmarkt und im Biohotel und habe denen frisches Brot, gebacken aus eigenem Getreide, geliefert. Nachher packe ich Biokisten mit überwiegend regionalem Obst und Gemüse, die ich heute abend Familien direkt vor die Türe liefere.. und das ganz ohne Lebensmittelindustrie.

    • Lieber Biobauer Andreas,
      alles richtig! Trotzdem ist der Appell von Bauer Willi wichtig und als Denkanstoß unverzichtbar.
      1. Nicht jeder Bauer kann (aus Mengengründen) Direktvermarktung machen sondern braucht Abnehmer dieser Großmengen
      2. Nicht jeder Bauer kann Bio-Landwirtschaft betreiben (Umstellungszeiten 5 Jahre) und nur für Endverbraucher geeignete Produkte anbieten
      3. Auch viele der konventionell Landwirtschaft betreibenden Betriebe haben den Anspruch, Qualität zu erzeugen
      4. Wissen um die Ganzheitlichkeit der Landwirtschaft gibt es seit Rudolf Steiner (seit 150 Jahren) und Demeter (seit 1928) - trotzdem ist die Zahl der Bio-Landwirte nach wie vor ein Bruchteil der Möglichkeiten (etwas um 5%), warum nur?
      5. Wissen um die Qualitäten von Nahrungs- “LEBENS-“mitteln sind beim anspruchsvollen Verbraucher oftmals gegeben, aber auch die sind nicht in der Mehrheit. Warum wird annämisches (weißes, krankes) Kalbfleisch verlangt; wie ist es mit schorfigen Äpfeln oder angestoßenes Gemüse…Es ist noch ein langer Weg, bis alle das Richtige (?) tun…

      • Auch Du hast Recht, aber das von mir beschriebene “schwarze Loch” zwischen Erzeugern und Verbrauchern gibt es längst auch im Biobereich.

        Selbst die Bioverbände verschweigen bei ihren Produkten oft die Herkunft, wer weiss schon, dass die Demeter Heumilch einer deutschen Molkerei von polnischen Kühen stammt. Demeter kann es draufschreiben, muss es aber nicht und tut es auch nicht.

        Und deshalb müssen wir alle das “schwarze Loch” erhellen und Verbraucher und Bauern wieder zusammenbringen.

        Klar ist das für mich als (Teil-) Direktvermarkter einfacher. Aber meine “Konkurrenz” steht mit Verbandslabel bei Edeka und ein Grund warum wir nicht mehr heimische Bioerzeuger haben ist der Biobilligimport der beim Aldi und Co. steht.

        Daher Rückumsteller, ich bin überzeugt Verbraucher würden und viel mehr unterstützen. In unserem Edeka steht eine konv. Milch aus der Region, der Bauer füllt alles selbst ab und vermarktet 100% in der Gegend. Seine Milch bei Edeka ist meist ausverkauft, obwohl sie 20 ct teurer ist.

        PS: ganzheitliche Landwirtschaft haben die Lebensreformer von EDEN “erfunden” und nicht R. Steiner, auch wenn Demeter das gerne behauptet.

        • Hallo Andreas,

          1. Würde mich Interessieren ob Du auch Bäcker bist?
          Denn nach meinem Kenntnissstand dürfen nur Meister
          des Bäckerhandwerks Brot herstellen und verkaufen.

          2. Finde ich es Klasse, das Du doch recht schonungslos die Dinge wiederspiegelst.
          Denn auch im Biosektor wird ordentlich Etikettenschwindel betrieben…
          Und viele Bauern haben sich auch selbst in die Unmündikeit getrieben
          nicht nur weil der DVB es Ihnen geraten hat! (Gier frisst Hirn!)

          3. Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass die Menschen die bei uns
          ein paar Kartoffeln kaufen, erstaunt sind, wie mansches läuft oder eben nicht.
          “Darf ich Pflanzkartoffel essen? Darf ich Speisekartoffeln im Garten auspflanzen?
          Und Sie wiederkommen… Jedes Jahr zwei mehr!

          Gruß
          Duude

          • Ein Landwirt, der sein eigenes Getreide verbackt und das im begrenzten Umfang ist der einzige der ausser einem Bäckermeister backen darf. Natürlich auch die Backshops, Tankstellen, Discounter, denn die backen nicht, sondern wärmen nur auf, was in grossen Fabriken in denen ein einziger angesteller Bäckermeister arbeitet, vorgefertigt wird. So ist es oft im Land, Gesetzes- und Zwangswahn machen die Kleinen kaputt und das ist gewollt. Als ich 50 Liter pro Woche gekäst habe, musste ich ein Hygienemanagement (HACCP) nachweisen, dass bei der Schwarzwals Molkerei nicht anders ist, die jährlich Millionen Liter Milch verarbeiten.

  29. Lieber Landwirt Willi,

    ich schätze deine Arbeit sehr. Oft ist uns Verbrauchern nicht bewusst was hinter unserem Essen steht. Essen ist heutzutage das notwendige Übel. Es wird hastig zubereitet und schnell gegessen. Und klar, wenn die Kartoffeln 79 Cent kosten während einheimische Kartoffeln 1,19 kosten, warum soll der Verbraucher die Einheimischen bezahlen? Er macht sich nicht mal Gedanken darüber. Geschmacklich ist es kein Unterschied. Auch sonst haben wir uns von den heimischen Produkten abgewendet. Wir fahren keine heimischen Autos, wir besitzen keine heimischen Fernseher. Die Möbel die wir haben kommen aus irgendeiner Pressspanfabrik, unsere Bauern fahren keine heimischen Traktoren :-). Das ist wirklich ein Problem.
    In einer Marktwirtschaft ist es so, dass der Markt die Preise macht. Wenn dein Kollege für 25t Kartoffeln 250 EUR erhält, stellt sich mir weniger die Frage warum man deinem Kollegen nur 250 EUR für die Ladung bietet, sondern warum dein Kollege die Ladung für 250 EUR verkauft. Angebot und Nachfrage ist das Stichwort. Es gibt einfach zu viel davon.
    Wie kann dieses Dilemma behoben werden? Nun schauen wir uns doch einmal an wie die anderen es machen. Wenn ein Unternehmer sein Produkt platzieren will wirbt er dafür, er zeigt dem Verbraucher was er mit dem Produkt anfangen kann. Er zeigt wofür es gut ist. Er versucht herauszufinden was der Kunde braucht und stellt eine Verbindung zwischen den Bedürfnissen des Kunden und seinem Produkt her. Wenn du also deinen Wirsing oder Weisskohl verkaufen willst, dann musst du es den Leuten unter die Nase reiben bis sie nur noch das Zeug futtern wollen. Zeig ihnen was man daraus machen kann. Zeig ihnen wie gesund es ist. Zeig ihnen welche Nährstoffe es gerade für die kalte Jahreszeit bereithält. Der mitteleuropäische Durchschnittsverbraucher kann mehr über die Aufzucht und Haltung japanischer Kühe sagen als 1 leckeres Rezept mit Wirsing kochen. Solange das so ist, werdet ihr den Wirsing nicht abverkauft bekommen.

    Der nächste Punkt ist die Verfügbarkeit. Ich habe in meinem Ort einen Metzger. Dieser Metzger ist nicht mal in der Lage eine ordentliche Beschilderung zu seinem Laden aufzustellen. Als ich ihn dann im zweiten Anlauf endlich gefunden habe musste ich feststellen, dass er gerade 2 Wochen Urlaub macht. Ich habe dort nie etwas gekauft und werde es auch nie tun. Ein Laden der sich derartig vor seinen Kunden versteckt ist mir Wurscht :-). Seitdem kaufe ich meine Wurst an der Frischetheke unseres Supermarktes. Mir ist es egal ob der Metzger das Monatswurstgeld oder der Supermarkt das Geld bekommt. Ich wäre gerne Stammkunde bei dem Metzger geworden, leider wusste er das zu gut zu verhindern. Und das beobachte ich in vielfältiger Hinsicht.

    Warum gibt es nicht von jedem Genossenschaftsverband einen Bauernladen mit Produkten, die nur da angebaut werden. Vielleicht könnte man noch eine kleine Gastwirtschaft betreiben um die Menschen zu inspirieren was man alles mit den Produkten anstellen kann?
    Ich werde mich nicht mit einem Schild auf die Strasse stellen und von Rewe verlangen, dass sie sich verziehen sollen. Ich werde mich aber sehr wohl genau dafür entscheiden wenn in meiner Umgebung ein Bauernmarkt vorhanden ist wo ich Produkte aus der Region kaufen kann. Weil, wie gesagt, mir es total egal ist, ob mein Geld an Rewe geht oder an eine Genossenschaft. Oder an den Pizzaboten. Ich will nur was leckeres zu futtern haben. Es gibt nur ein Problem, solche Bauernmärkte gibt es ganz selten.
    Ich denke was die Landwirte heute verstehen müssen ist, dass sie näher zum Kunden müssen. Ihr wollt für eure Arbeit euer Geld, das ist klar. Also dann versucht die Marge, die die Supermarktketten kassieren, selber mitzunehmen.
    Wenn Rewe TK Pommes für 1,19 EUR verkauft während ihr nur 0,01 EUR pro Kilo bekommt, dann könnt ihr das auch. Verkauft die Pommes für 79 Cent, druckt hübsche Flyer und sorgt dafür, dass der Verbraucher zu euch kommt bevor die Pommes weg sind. Ihr wärt billiger als die Supermarktkonkurrenz (würdet somit auch die erreichen, die den Pfennig zweimal umdrehen müssen), es ist ein regionales Produkt, und ihr würdet selbst die Handelsmarge mitnehmen. Das gleiche gilt für Eier und alles andere was ihr so zu bieten habt. So könnte ein Netzwerk von Bauernläden entstehen, dass sich gegenseitig aushilft. Du baust Kartoffeln an während dein Kollege aus dem Schwarzwald Schinken im Angebot hat. Vielleicht kommt ihr ja ins Geschäft. Geschäft wie Rewe und Co machen nichts anderes als bei A einkaufen und bei B verkaufen. Da habt ihr Landwirte sicher mehr drauf als die!
    Deinen Vorstoß finde ich sehr mutig und er inspiriert mich auch mit Wirsing und Kohl zu beschäftigen. Aber ich fürchte, dass sich nicht viel ändern wird, außer die Landwirte verstehen dies auch als Chance.

    Ich wünsche wirklich viel Erfolg.

    Vielen Dank.

    Heinrich

    • Das ist eine sehr einfache Sichtweise, die das Kernproblem sehr deutlich macht!
      Kurz und knapp: (Und sehr ungenau)

      Warum einheimische und keine fremden Kartoffeln?:
      Weil wir deutschen mit unserer Kaufkraft dermaßen mächtig sind, dass wir fast alles auf den Teller bekommen können was wir wollen.
      Die Firmen, die aus fernen Ländern die Kartoffeln hierher exportieren, sind dementsprechend ähnlich mächtig, dass sie die Kleinbauern vor Ort ihre Existenzgrundlagen,( Wasser Land) entziehen.
      Deshalb ist es immer sinvoller (gerechter) wenn reich für reich und arm für arm sorgt.
      Stichwort: ERNÄHRUNGSSOUVERÄNITÄT (sich von einander unabhängig machen)

      Das meiner Meinung nach böde ist nur, das der DBV nicht müde wird, seine Mitglieder auf die Exportorientiertheit zu drängen, die Bauern glauben das sich sowas “fortschrittlich” nennt und erleiden mit den Markterlösen Schiffbruch.

      Ich verstehe die Bauern da echt nicht!

      Noch nie war der Landwirt so gut ausgebildet,
      und wenn man das Risikokapital, die Risiken und das Arbeitspensum berücksichtigt,
      noch nie so schlecht bezahlt.

      Kein Wunder das alle aufgeben,

  30. Lies bitte auch den Beitrag “Lieber Landwirt - was ich verstanden habe”. Da steht vieles von dem drin, was du bemängelst. Aber: in Deutschland leben nicht 80 Millionen
    Hartz IV- Empfänger.
    Bauer Willi

  31. Der Mann hat grundlegend recht aber was er übersieht, dass
    viele (und es werden immer mehr) Menschen sich von ihrem schmalen Einkommen kaum
    mehr was ordentliches leisten kann.

    Was ich sagen will, LEIDER, ist das Essen die einzige
    Stellschraube wo der Verbraucher noch sparen kann. Die Mieten steigen und auch
    wenn man im Haushalt Heizung, Strom und Wasser spart muss man trotzdem durch
    die steigenden Preise jedes Jahr mehr bezahlen.

    Da unsere „geliebten“ Politiker, egal welcher Fraktion sie
    angehören, jeden Wunsch der Wirtschaft für drei unterbezahlte Arbeitsplätze in
    der Region ab genickt, wird sich daran nichts ändern.

    Denkt an die Diskussion zum Soli. Das sind alles Dinge wo
    wir den Zahlemann mache ohne uns wehren zu könne. Oder die EEG- Umlage, an
    diese Pflichtabgabe für den „ökologisch Umbau“ verdienen einige Millionen und
    kommen daher nachts nicht in den Schlaf vor Lachen. Andere können nachts nicht
    schlafen weil sie nicht wissen wie sie die Stromrechnung von ihrem Geld
    bezahlen sollen.

    Was ich damit sagen will, lieber Landwirt, die Sache ist
    viel komplizierter als man denkt.

    Ich Verbraucher muss Miete, Strom, Wasser, Heizung zahlen. Dann
    soll ich Kinder groß ziehen, für meine Rente vorsorgen, ach meine Eltern sind
    mittlerweile auch Pflegebedürftig. Alles Dinge wo ich in die Tasche greifen
    muss oder die entsprechende Institution es tut ohne mich zu fragen.

    Also, dass einzige was mir bleibt um Geld zu sparen ist zum
    Aldi zu gehen und die billigen Kartoffeln kaufen.

  32. Ich habe großen Respekt vor der Landwirtschaft, sind sie doch eine unheimlich wichtige tragende Säule für unsere Gesellschaft und dessen Versorgung. Das Image ist vielleicht auf Grund der “Huldigung des Bauern” im Dritten Reich bewusst neutralisiert worden und hat sich durch Verselbständigung dann möglicherweise in das heutige entwickelt.

    Selbst auf dem Land aufgewachsen kann ich bestätigen, das es sowohl Idylle wie auch harte Arbeit, kein Urlaub aber auch keine Großstadthektik und nicht solch Ellenbogengesellschaft in der Nachbarschaft gibt. Die Zeiten das man sich mit dem alten McCormick im Dorfkrug traf, sind lange vorbei. Die Moderne hat Einzug erhalten. Besonders im Flächenland ist der Boden goldwert. Und daran haben auch so einige Bauern einen gewaltigen Wohlstand erreicht. Weniger Kosten und Anstrengung durch Maschinen und IT, vom “Vollsortiments-Bauern” zum spezialisierten Agrarmanager…

    Bestimmt ist es so das so einige Preise nicht in Relation stehen was der Bauer am Ende bekommt und die Ware im Laden kostet. Ich habe vollstes Verständnis für Willi. Meinen Respekt für Deine Leistung die Du bringst. Deine persönliche Situation kann ich nicht wissen und möchte ich auch nicht -wie ebenso keine andere!!!- bewerten, jedoch Dich einladen die ganze Kette zu betrachten. 1Cent das Kilo Kartoffeln, dann die Weiterverarbeiter mit den vielen oft nicht besonders gut bezahlten Mitarbeitern und den teuren Maschinen die heute Kartoffeln “schälen”… Und am Ende stehen da nicht nur die Mitarbeiter und Unternehmer die ihre Familien ernähren möchten, gerade in den großen Läden stehen dann die Aktionäre…die erwarten ihre Dividende.

    Die wenigsten haben vielleicht direkt von ihrem eigenen Betrieb Anleihen, doch über Lebensversicherung, Aktienfonds usw.usf. ist u.U. auch der eigene Betrieb mit dabei. Somit ist der billige Preis im Laden nicht nur auf den Schultern der Bauern zu lasten, sondern am Ende allen. Die globale Betrachtung des Systems ist hier die Herausforderung und einen Weg da hinaus zu finden. Nur der Kaufboykott bzw. Konsum hochwertigster Produkte wird auch nicht langfristig helfen, denn dann verlagert es sich nur 1:1. Wir alle haben Verantwortung und brauchen eine Lösung die nicht von Banken und lobbygesteuerten Juristen in der Politik zur Augenwischerei und Machterhaltung vorgeschlagen werden.

    Der alte Fritz, der die Kartoffel mal in Preußen einführte, dürfte sich im Grabe umdrehem sollte es doch die Versorgung des Volkes sichern. Werden wir alle mal etwas bescheidener und bewusster im Umgang mit allen Ressourcen, denn etwas Demut gegenüber dem stets Verfügbaren heutzutage ist in Angesicht von “vollen Bäuchen”, Frieden und überwiegender Freiheit in allem, meiner Meinung nach mehr als angemessen.

    Mein Respekt jedem Menschen der für die Versorgung und das Leben in unserem Landes mit verantwortlich ist, von der Putzfrau über den Bauern bis zur Verkäuferin und den zahlreichen mittelständischen Unternehmern. DANKE!

    René

  33. Demokratisch legetimiert:

    Es ist immer die gleiche Riege die dort Reise nach Jerusalem spielt:

    Erst Familie, dann Verteidigung…
    Erst Ministerpräsident Bayerns, dann Vorstand beim ZDF…
    Erst Kanzler, dann Öloligarch…

    Und zwischendrinn hat irgendwann, irgendwo mal Eine gesagt “bäuerliche Landwirdschaft fördern!”
    aber die wollte erst noch demokratisch legetimiert werden…is aber nix geworden…

    Verbände:

    Deutscher Bauerverband (DVB)

    Das größte Verbrecherbüro… stimmt nicht Goldman Sachs und Black Rock sind größere Verbrecher!
    Werner Hilse - Lobbysprecher, und Herr von 2000 Mastschweinen
    “Um jeden Preis am Weltmarkt mitbestehen” ist seine Devise

    Weitere Devisen eines Holzenkamp MdB: “Je mehr Vorstände ich besetze, desto besser”
    Egal ob ich im Bauerverband sitze oder im Futtermittelkonzern AGRAVIS…
    da sind keine Interessenkonflickte!

    https://www.youtube.com/watch?v=voL0DlO-RXY

    Beihilfen:
    40 ha …hmm das sind ca. 12800 Euriden, das ist doch für den
    Aldideinkäufer schon ein Batzen Geld!
    Und die rechnen sofort wieviele Flachbildschirme man dafür bekommen kann!

    Ja, und das bischen Geld an Berufgenossenschaftbeitrag
    Der war letztes Jahr bei uns: jetzt haben wir 5000 Euriden für eine Umrüstung
    auf einen Fi-Schalter (fehlerstromstutzachalter) berappen müssen.
    Nicht zu reden von den ganzen absturzsicherungen die jetzt unser Heulager zieren
    100 Jahre nix passiert… Ja ich weiß es könnte ja…
    Auf die Frage warum die Beiträge schon wieder gestiegen sind (was waren es 40%??)
    es würde doch immer weniger Bauern geben:
    “Ja, das stimmt aber die Fläche würde ja nicht abnehmen!” ???
    Sprich der L-Wirt mit 300ha stellt ungelernte Kräfte ein die mit Hausschuhen
    an 500PS-Traktoren rumhantieren und upps!
    Wie wärs, wenn wir hier an der Stelle mal Schadensfreiheitsrabatte einführen!
    Ach Nee… das würde ja Arbeitsplätze kosten!

    Rentenkasse:
    Untersucht und für die ineffizienteste Rentenkasse befunden…
    50 Jahre gebuckelt = 400 Euro Rente!!
    Ja, liegt an der Stuktur!
    Es müssen eben zahlreiche Verwaltende bezahlt werden…
    die schließlich auch eventuell bei Dir Einkaufen!
    Zur Not kannste ja noch Dein Land für 5,30€ verkaufen!
    Und nächstes Jahr liegen die Landschaftschutzgrenzen woanders
    und Dein ehemaligen Land ist jetzt Bauland und ist nicht unter 250€ zu haben.

    Pflanzenschutz Sachkunde:
    Na bst Du schon einer?
    Für uns Lohnt sich dies nicht…
    TIPP der LWK:”Lassen Sie doch im Lohn spritzen! Wenn Sie die 1000€ für den Schein nicht berappen wollen!”
    Tolle Idee! jetzt lassen wir unseren Morgen Kartoffeln von einen Lohnunternehmer
    aus 20Km Entfernung ggn. Krautfäule spritzen! Was soll das Kosten?
    Nein, können wir nicht…wir können nicht nicht spritzen!
    Ihr woll dies nicht sehen oder riechen wie der Haufen an Kartoffeln immer kleiner wird, weil
    er Euch unter den Händen wegfault.
    Streng gesehen gehört die gute deutsche Kartoffel garnicht hier hin!!

    Ich weiß, gerade garnicht warum ich das alles weitermachen will?

    Bauer Duude

    • Sehr geehrter Duude,
      das ist mir echt zu unstrukturiert,
      der Kern der Intention lässt sich zwar erahnen, aber ich finds anstrengend, sich durch diese Satzkryptologie durchzuhangeln.
      Danke

  34. Hallo,
    ich glaube, bei uns liegt die Lösung in einem Paradigmawechsel von ALLEN Akteuren! Und das bedeutet, dass wir uns entscheiden müssen:

    Entweder wir haben viel oder wir haben Gutes!

    Ich bin auch selbständig, also nicht nur Verbraucher, aber in Bezug zu Lebensmittel halt nur Verbraucher. Also, meine Entscheidung für Gutes dabei:
    1. Wenn ich im Supermarkt einkaufen gehe, dann wenigstens Bio.
    2. Fleisch halt nur 2 x im Monat, dafür Bioland oder Demeter.
    3. Gemüse und Obst von Märkten - dazu ein Tipp zum Sparen und dennoch sinnvollem Handeln: in der letzten halbe Stunde vom Markt kann das auch sehr günstig werden, aber die Auswahl ist halt kleiner.
    4. Kein Fertigzeug, sondern selbst kochen und schnippeln.
    5. Das Essen und das Kochen genießen.

    Ich bin wirklich nicht besonders reich, aber daher habe ich halt ein 5 Jahre altes Handy, kein Auto, keinen Fernseher…

    Und übrigens dasselbe funktioniert auch wunderbar bei Klamotten!!! Und was man da fürs Essen sparen kann!!! Flohmärkte, Seceond hand und ab und an ein wirklich gutes Paar Schuhe (auch nur 1 Paar schwarze Pumps und 1 Paar schwarze Stiefel und nicht 10 schwarze Stiefel… Wer braucht das?) und eine sozial gerecht und nachhaltig produzierte Jacke aus Nepal…

    Duschgel und Shampoo in Plastikflaschen habe ich auch aussortiert, sondern nehme die gute alte Seife! und auch Shampoo gibt’s inzwischen als Seife, selbst Conditioner ;) Und wisst ihr, was daran Luxus ist? Ich reise sehr regelmäßig und ich habe jetzt viel mehr Platz im Kulturbeutel…

    So, das ist bei mir nur der Anfang, aber inzwischen muss ich sagen, dass jedes Jahr mehr dazu kommt, wo ich weniger nicht als Verzicht empfinde…

    UND DAFÜR danke ich auch dem Willi und allen anderen, weil ich keinen Bock habe, mich als Opfer des Systems zu sehen… Ich finde lieber viele kleine Anregungen, weil ich in meinem Leben gerne die Hauptrolle spiele und das nicht irgendwelchen obskuren Systemen überlasse!

    Und ich glaube, dass der Willi sich zu Recht auskotzen wollte, um eben nicht nur Opfer ohne Wahl zu sein!

  35. Also ich habe mir jetzt nicht alle Kommentare durchgelesen. Das sind zu viele.

    Aber ich kann die Wut der Landwirte hier nachempfinden.

    Was ich aber nicht verstehe ist folgendes:
    Muss noch anführen, dass ich auf dem Lande wohne, nicht in der Landwirtschaft tätig, aber politisch interessiert bin.

    Ich habe mit den Landwirten hier Gespräche geführt und gefragt ob sie nicht endlich bei der EU vorstellig werden wollen wegen des geplanten atlantischen Freihandelsabkommens TTIP. Denn wenn das unterschrieben sein wird, wird der europäische Markt mit Billigprodukten auch landwirtschaftlichen aus den USA überschwemmt werden.
    Es sollte doch auch hier bekannt sein, dass in den USA unter ganz anderen Bedingungen und Gegebenheiten in der Landwirtschaft produziert wird!
    Außerdem wird man zunächst den Markt in Europa überschwemmen um die europäischen Konkurrenten - euch ihr lieben Landwirte! - heraus zu drängen

    Die Reaktion der Landwirte lautete so: Wieso das Abkommen ist doch gut für uns.

    Und da muss ich sagen: Es tut mir leid, aber euch Landwirten ist nicht mehr zu helfen!!! Ihr merkt offensichtlich nichts mehr!

  36. Lieber Bauer Willi,

    Vielen Dank für Deine ehrlichen Worte. Ich find es richtig gut, das mal zu hören und in vielen Punkten kann ich Dich verstehen und gebe Dir recht.
    Ich als Verbraucher habe an manchen Tagen auch “die Schnauze gestrichen voll”. Gerade zum Beidpiel, bei einem Beitrag in der Sendung Markt zum Thema Klon-Fleisch, oder wenn Herr Gröhe vor zu viel Antibiotika bei uns Menschen warnt, aber mit keinem Wort erwähnt, dass das eigentliche Problem in der Massentierhaltung liegt, und der Antibiotikaeinssatz dort durch die von der Politik vorgegebenen Rahmenbedingungen noch gefördert wird. Und ja, auch wenn ich die Summe sehe, die ich für einen Großeinkauf beim Biobauern zahlen muss. Ändere ich eine Verbraucherin auch nur ein bisschen, wenn ich dort statt bei Aldi kaufe? Abgesehen davon, dass ich nach dem Einkauf deutlich weniger Geld habe.
    Ich gehe trotzdem weiter hin. Es ist aber eben manchmal sehr frustrierend. Man will das Beste für seine Familie, will durch sein Kaufverhalten etwas ändern und wird immer wieder gelenkt und für dumm verkauft.
    Lösungen habe ich auch nicht, aber Ideen und Gedanken.
    Ich hoffe, wir bleiben im Gespräch.
    Liebe Grüße
    Verbraucherin Beate

  37. Willi, Du,hast keine Entschuldigung nötig,
    denn diese Kritik, wenn auch pauschal, gilt für einen großen Teil der Verbraucher(eher Konsumenten) , die durch die deutsche Wirtschaftspolitik nach und nach so erzogen wurden. Diejenigen, die sich diese Jacke nicht anziehen, sind auch so gebildet (informiert), dass sie mit dieser Kritik umgehen können. Die Kurzform Deines Rundumschlages sollte eingerahmt an jedem Supermarkt hängen. Was wird in dieser Konsumgesellschaft nicht alles überteuert verkauft, sprich an den Mann gebracht. Nur die Nahrung verkommt zur Ramschware. (” Rohes Putenfleisch bitte nur mit Handschuhen zubereiten und gut durchbraten, damit man nicht krank wird”) Geht`s denn noch !!! … und dann die wahnwitzige Kontroll- und Regulierungswut der Behörden. Aber Willi hat eigentlich alles gesagt. Einfach Klasse !!

  38. Sehr geehrter Herr Bauer Willi,
    Bitte streichen Sie aus ihrer Landwirtschaft das “Wirtschaft”, denn davon haben Sie keine Ahnung.

    Den Konsumenten beschimpfen, weil andere Betriebe besser als Sie wirtschaften und darum billiger anbieten kann - ein überaus durchdachter Vorschlag.

    Wie würde es ihnen denn gefallen, wenn Ihr Tankstellenbesitzer Sie beschimpft, weil sie Treibstoff letzte Woche bei einer günstigeren Tankstelle gekauft haben?

    Sie haben 2 Möglichkeiten: Entweder Sie optimieren ihren Betrieb, damit dieser rentabler wird, oder Sie schließen ihn und suchen sich eine andere Beschäftigung.

    MfG, Horst

    • Ökonom Horst mag vielleicht viel von Wirtschaft verstehen, aber auch viel von Bauern und Verbrauchern.

      Es gibt ja den dritten Weg: Bauer Willi “versöhnt” sich mit den Verbrauchern und macht das was sie wollen: regionale biologische Produkte und viel Tierwohl. Dafür lässt er sich nicht die Produkte bezahlen, sondern seine Kosten für Produktion und sein Leben. Die Produkte verschenkt er dann…

      Das nennt sich solidarische Landwirtschaft, aber davon kann Ökonom Horst anscheinend nichts wissen und Willi traut es sich nicht zu.

      Vielleicht kommt irgendwann auf Willi´s Hof eine neue junge bunte Generation, zum Teil aus der Stadt und sie machen genau das…

    • Tja lieber Herr Ökonom Horst,
      das Problem ist wahrscheinlich, dass wir alle die Rechnung ohne den Wirt machen.
      Denn der Wirt wird uns die Vollkosten berechnen und nicht die Schnäppchenkosten.

      Wer ehrlich ist, der wird zugeben, dass Gewinnmaximierung nicht das Einzige im Leben ist.
      Als selbst ernannter Ökonom, als passionierter Wirtschafter und Zahlenmensch, müssen sie natürlich darauf bedacht sein, dass sich ihr Leben rentiert. So werden sie sicher ein Siegertyp sein und auch eine Frau haben, von der sie mehr profitieren als ihre Frau selbst. Denn sie suchen ja berechtigterweise als passionierter Ökonom ihren Gewinn, bei allem was sie tun.
      Die Landwirtschaft ist nämlich in einer so ähnlichen Rolle wie ihre gutmütige Frau. Sie verdrängt ständig ihre eigenen Bedürfnisse zum Wohle der spitz rechnenden Zahlenmenschen.
      Auf der Strecke bleiben die ständigen Non-Profit-Actionen der Bauern. Anfang der 90er Jahre des vergangen Jahrtausend errechnete der Österreichische Wissenschaftler Johann Millendorfer im Rahmen eines Forschungsvorhabens “Quantifizierung der Umweltleistungen bäuerlicher Landwirtschaft”, dass die unbezahlten Nebenleistungen bäuerlicher Landwirtschaft damals schon mehr Geldwert ausmachten als die bezahlte Marktleistung der Agrarprodukte. Diese Nebenleistungen sind unter anderem:

    • niedrige Kriminalität in ländlichen Gebieten (sparen vor allem die Versicherungen Geld)
    • Plegeleistungen durch Mehrgenerationenhaushalte (sowas zahlen sie inzwischen mit der Pflegeversicherung mit)
    • qualifizierten Nachwuchs von Bauernkindern für die Wirtschaft (die natürlich qualifikativ mehr können als Intendo spielen, sie können arbeiten out-of-the-box)
    • usw.
      Und ganz zuletzt wirtschaftet der Landwirt auch mit ihren natürlichen Ressourcen, Herr Ökonom Horst. Das Wasser, das Sie trinken, und das vielleicht ihre Kinder trinken werden, ist ein Produktionsfaktor der Landwirtschaft. Wollen sie wirklich, dass wir ohne Rücksicht auf Verluste als Landwirt mit den natürlichen Ressourcen nur gewinnmaximierend umgehen? Nur damit Sie als gewinnmaximierender Zahlenmensch kurzfristige Schnäppchen machen.

      Sie sind als selbst ernannter Ökonom Horst leider nicht der einzige blinde und ganzheitlich unwissende Zahlenmensch in Deutschland, der nur seinen Gewinn einfordert, ohne Rücksicht auf Verluste. Aber vielleicht erkennen sie es ja durch diese Diskussion hier, dass Gewinnmaximierung nicht das einzige Lebenskriterium ist.

      Grüßen Sie bitte Ihre Frau von mir, bevor sie … zum nachdenken anfängt.

      Alois

      • Top Antwort! Mehr gibts da nicht zu sagen, außer bitte weiter machen und diesen Stil zu den feinen Spitzen (aka “Humor”) Humor behalten!

        Im Übrigen an dieser Stelle ein riesiges DANKESCHÖN für das Betreiben dieser Seite!!

        Beste Grüße

    • Genau das passiert schon seit ewigen Zeiten. Betriebe machen den Laden dicht.
      Die Betriebe die noch da sind kann man eher mit Fabriken vergleichen, als mit Bauernhöfen. Wenn Zahlen die Landwirtschaft regieren ,ist das einzelne Tier leider nicht mehr viel Wert. Haben sie noch Hunger auf halbe Hähnchen wenn sie in einen modernen Hühnerstall geguckt haben? Also mir wird da schlecht von. Und ich komm aus der Landwirtschaft. Billig produzieren geht meisten auf kosten der angebotenen Kreaturen.

      Aber als Ökonom hat dafür wenig Verständnis.

  39. Lieber Willi,
    vielen Dank für deine ehrlichen und direkt aus dem Herzen kommenden Berichte! Es ist wichtig, sich so was -ab und an vielleicht auch vorwurfsvoll- von der Seele zu reden und damit Dialoge und Um- und Weiterdenken zu entfachen! Ich finde deine Artikel sehr gut und sehr wahr. Danke dafür, weiter so! Ich hoffe wir finden gemeinsam dauerhafte Lösungen.
    Maya

  40. Hallo alle miteinander,

    wir dürfen nicht vergessen, wer den Verbraucher denn so auf billig dressiert hat. Es ist ja keine Schicksalsironie, dass der Verbraucher in Deutschland jetzt so konditioniert ist wie er ist!?

    Irgendwann haben ALDI, und so sich vorgenommen, die Verbraucher genau auf ihr Geschäftsmodell abzurichten. Nach dem Motto: “Die Qualität ist immer gut!!! seid doch nicht so blöd und bezahlt bei Tante Emma mehr als hier!!”
    Und: ” Wir! bestimmen hier was Qualität ist”
    Aber, dass zu Qualität eben neben den Inhaltstoffen auch z.B ” der Landschaftsverschönerung dienend” oder zB. “Bauernfamilien erhaltend” gehört hat niemand mehr beachtet. Diese Stimme:” den Qualitätsbegriff erweitert zu definieren” ist auch von der Interessenvertretung nicht erhoben worden.
    Erst durch die zunehmenden Einkehr der Bio Produkte wurde dafür wieder sensibilisiert

    Jetzt mal egal welche Inhaltstoffe, aber genauso wie ” keine Kinderarbeit” von jedem als Qualität verstanden wird, so sollte auch zB. “Kulturlandschaft erhaltend” als Qualitätsbegriff verstanden werden.

    Übrigens, Amazon versucht das gleiche, die haben es aber nicht nur auf Tante Emma abgesehen, die knöpfen sich direkt die gesamte Fußgängerzone vor! ;)

  41. Vielen Dank Bauer Willi,
    vielen Dank an alle die einen sinnvollen Kommentar abgegeben haben.
    Es ist gut wenn mal einer die Faust auf den Tisch haut. Dies ist ein Problem, dass schon Jahrzehnte besteht. Der Verbraucher versucht alles billig zu erwerben und die Aufkäufer wollen aus allen Sachen den maximalen Gewinn herausholen. Dazu greifen sie zu legalen und illegalen Mitteln. Alle, die im Zwischenraum von Erzeuger und Käufer stehen sind nur am maximalen Ertrag interessiert. Wer dabei auf der Strecke bleibt , ist denen egal. Und dann gibt es noch diejenigen, denen äußere Schönheit wichtiger ist wie Inhaltsstoffe. Bei diesem Thema zeigt sich wieder, dass viele Gehirnwindungen neu verlegt werden müssen.
    Klaus

  42. Respekt. Ich ziehe den Hut. Beide Artikel grossartig geschrieben. Nachvollziehbar und wer sich da aufregt und vielleicht sogar noch schimpft, der hat überhaupt nichts kapiert und hilft mit seiner “Geiz ist geil”-Mentalität nur den Grosskonzernen, wie Nestlè, Monsanto & Co. Die sind es, die unsere Welt kaputt machen, nicht ihr Bauern.
    Ja okay, ihr solltet weniger Gift versprühen, round up ist ja auch nicht geschenkt ;-)
    Aber natürlich liegt es zu allererst beim Verbraucher. Der muss umdenken. Es gibt den berühmten Vergleich, dass ein Liter Olivenöl um 2,99 gekauft wird, ohne nachzudenken, wie das um den Preis hergestellt werden kann. Ein Motoröl darf aber auch das zehnfache kosten. Das ist einfach absurd.
    Ich habe das bei einem Olivenbauern einmal durchgerechnet. Ein Liter wirklich echtes “extra vergine” kostet in der Produktion ca. 14,- Euro. Den Bauern. Da hat er noch nichts verdient. Was also kann das wohl sein, das da im Supermarkt um 2,99 steht? Richtig. Mist. Das sollte man sich besser nicht auf den Salat kippen. Und das ist bei eurem Rapsöl vermutlich nicht viel anders.
    Also: Weiter so. Aufklärung (also Bildung) funktioniert auch übers Netz. Nicht nur in der Schule. Da können wir alle mithelfen. Auch wir bösen Journalisten. Die übrigens grossteils auch nicht fix angestellt sind, sondern frei und selbständig arbeiten - und dafür immer weniger bezahlt bekommen. Aber jammern nutz nix.
    Gruss aus Wien.
    Helmut.

    • Hallo Helmut,
      das Prinzip ist bei Bauern und Journalisten gleich: Gewinnmaximierung für Einzelne geht vor Sicherung von Arbeit und Lebensfreude für Viele.
      Journalistische Arbeit ist nix mehr wert, die Großkonzern-Verlage zahlen nur noch einmal, eine Zweitverwertung ist nicht mehr möglich und die meisten Journalisten sind inzwischen Nomanden - stehen auf der Straße oder ernähren sich über prekäre Arbeitsverhältnisse… Auf der Strecke bleibt Qualitätsjournalismus.
      Das sieht der Verbraucher oder user auch nicht! Umso wichtiger sind solche Projekte
      http://konsumpf.de/?p=14749
      Gruß!
      Matthias

  43. Was wir Verbraucher für „gut“ befinden, und was dann noch am günstigsten zu bekommen ist, wird genommen.

    Diese Herangehensweise funktioniert seit Jahrtausenden.

    Schon für unsere Vorfahren gehörte es zum Überlebensprinzip, mit möglichst geringem Aufwand, möglichst gute Beute zu erlangen. Dass heißt, es wurden immer die leckersten, größten Beeren bevorzugt. Und die „billig“ zu bekommenden Früchte in Armesreichweite wurden selbstverständlich zuerst verspeist. Dieses Verhalten sichert von alters her unser Überleben. Bei der Auswahl haben wir natürlicher Weise unseren Sinnen vertraut.

    Bisher wurde preisbewusstes Verhalten zudem medial und gesellschaftlich unterstützt, frei nach dem Motto der „Kunde sei König“! Und es war fälschlicherweise über sehr lange Zeit allgemeiner Konsens, er könne über sein Kaufverhalten den Markt steuern…

    Das ist natürlich Quatsch. Der Verbraucher hat beinahe überhaupt keinen Einfluss auf die harten Marktmachtkämpfe der Produzenten, Händler oder Verkäufer untereinander.

    Auch wenn unbedachte oder gutgläubige Journalisten bzw. Kommentatoren fortwährend Gegenteiliges wiederholen - der Kunde ist weitestgehend entmachtet.

    Aus “Nix mit König Kunde”: http://bit.ly/16auI09

  44. Vielen Dank Willi!

    Echt bewundernswert deine Ehrlichkeit und Mut. Die Artikel hab ich natürlich gleich bei Facebook geteilt, damit möglichst viele mal wieder wachgerüttelt werden.

    Wie können wir denn die Landwirte am besten unterstützen? Regionales Gemüse kaufen und selber kochen finde ich eine super Idee. Werde mir ab jetzt keine (oder nur noch selten) Tiefkühlpizza mehr kaufen ;)

    Liebe Grüße,
    Arthur

  45. Lieber Bauer Willi,
    zunächst mal vollstes Verständnis für die emotionale Breitseite im anderen Blog!

    Es geht ja nicht nur um Fakten sondern auch um Emotionen. Das ist meines Erachtens auch der Ansatz für Verhaltensveränderungen bei uns Verbrauchern.

    Setzt aber Wissen und Transparenz voraus. Da habert es bisher sehr - vor allem auch an Information und Kommunikation durch betroffene Bauern. Deshalb sind Eure Seiten “goldwert”. Sie müßten nur mehr in die allgemeine Öffentlichkeit und die Medien gelangen. Wieso nicht mal eine email an Plasberg oder andere Moderatoren, mit der Bitte, das Thema aufzunehmen?

    Ich selbst habe in den 60er Jahren meine Landwirtschaftslehre abgeschlossen, habe Landwirtschaft studiert und sogar meine Abschlußarbeit über den Vergleich der landwirtschaftlichen Vermarktungsorganisationen: CMA (BRD) gegenüber Frau Antje (NL) und SOPEXA (F) geschrieben. Damals waren die Niederländer schon pfiffiger und kommunikativer…

    Ich bin allerdings dann in die Wirtschaft gewechselt - und auch international tätig geworden. Auch wenn Du Dich zu Politik nicht äußern willst (habe ich nach drei Stunden Bloglesen begriffen), hat die Politik wesentlichen Einfluß auf die heutigen Landwirtschaftsverhältnisse: Zu meiner Jugendzeit konnte ein Vollzeitlandwirt mit 20 Kühen, 20 Hektar Land, 4 Sauen plus Nachzucht, einigen Hühnern eine Familie gut ernähren. Die Arbeit war hart, aber zufriedenstellend. Dann kam der erste politische Trick: Wir brauchen die Sicherung der Ernährungslage in Deutschland. Es gab Milchkontingente, Zuckerkontingente, Fleischkontingente. Klar war: je mehr ich produzierte, desto größer waren meine garantierten Preise…Das war der Beginn des Höfesterbens. Der nächste Schritt war die EWG - die europäische Anforderung an Größenwahn.Jeder, der konnte oder politisch sollte, mußte investieren, vergrößern, sich verschulden. Die Folge sehen wir heute: es gibt nur noch einen Bruchteil Vollzeitlandwirte, die mit immer schlechteren Marktpreisen überleben sollen. Das ist POLITIK pur, inkl. der zu erwartenden TTIP -Aktivitäten geht das nahtlos weiter.

    Der Verbraucher hat keine Marktkenntnisse außer billig, er kennt die Zusammenhänge nicht und es fehlen oftmals die Kenntnisse zu richtigem Verhalten. Deshalb ist Eure Internetaktivität voll richtig! Auch wenn es Querschläger gibt…
    Ich wünsche weiterhin gutes Gelingen und viel Erfolg dabei!

    • Danke Mathias, für Deine Einblicke. Ich teile Sie.
      Für mich immer wieder erschreckend ist, dass sich alle politischen Parteien darin einig sind, dass Otto-Normal-Verbraucher, oder wie ich gerne sage, der “Homo Consumenticus”, möglichst wenig für Lebensmittel ausgeben sollte, damit für den Konsum mehr übrig bleibt.
      Und wir Landwirte haben uns da voll und ganz reingehängt.
      Deshalb wird die Politik uns auch nicht helfen, sondern nur vertrösten und mit Subventionen ködern oder ruhig stellen.
      Aber wir sind diejenigen, die den Rohstoff für die Erfolgsstory produzieren. Das sollte uns selbstbewusst machen. Und dann folgen auch Taten.
      Alois

  46. Hallo Willi,
    vielen Dank für deine Artikel. Auch wenn sie sich speziell auf die Landwirte beziehen, kommt doch ein ehr grundlegendes Problem unsere Gesellschaft zum Vorschein.
    Was wollen wir eigentlich?
    Ein gesellschaftlicher Konsens ist in einem (zum Glück) immer freieren Land wie Deutschland auf jeden Fall nicht gerade einfacher geworden. Dies ist aber viel mehr Herausforderung als Problem!
    Für einen Wandel gilt es vor allem den Menschen ihre Entscheidungen bewusst zu machen und sie über die nicht immer offensichtlichen Konsequenzen aufzuklären. Deshalb finde ich euren Ansatz sehr lobenswert! Ein anklagender Ton ist zwar in bestimmten Fällen (z.B. Ausländerfeindlichkeit/Minderheitenschutz) möglich, wird allerdings nur Symptome kaschieren und keine nachhaltige Neuausrichtung hin zum Besserem bewirken. Für diesen Wandel ist meiner Meinung nach vor allem Zeit, eine klare Definition der Absichten (z.B. Landwirtschaft in Deutschland ist aufgrund ihrer nachhaltigen Ausrichtung und der Möglichkeit zur Kontrolle ihrer Standarts für die deutsche Gesellschaft von herausragender Bedeutung und als solche schützenswert. ) und einen Rückhalt in den meinungsbilden Organen notwendig.
    All diese Punkte deuten auf einen Ansatz hin, welcher ein besonderes Augenmerk auf die noch jungen Generationen legt. Diese sind einem Wandel aufgeschlossen und bereit für ihre Ziele auch Hürden in kauf zu nehmen. Auf Grund des demografischen Wandels möchte ich hierrunter nicht nur jugentliche Deuschte sondern auch Migranten verstanden wissen.
    Eine Kampagne, welche über die “Eliten” diese Generation anspricht, könnte ein möglicher Ausgangspunkt sein. Das Bio und “Regional” hipp ist, aber auch internationale Küche und Kochen zunehmend als Statussymbol gewinnt, kann in meinen Augen als signal in die richtige Richtung gesehen werden. Dabei läuft zur Zeit auf jeden Fall auch viel falsch, aber ein höherer Stellenwert von Essen und Kochen ist grundlegend für die Akzeptanz angemessener Preise. Der Wiedersacher in diesem Prozess ist wahrscheinlich weniger im Verbraucher an für sich, als in seiner Aufklärung durch die Werbung zu finden. So lange “Geiz ist geil” keinen wirklichen Wiederspruch erfährt und niedrige Lebenshaltungskosten, gepaart mit dem zur Schau stellen von Luxus, das Maß aller Dinge sind wird es schwer eine bewusstere Umverteilung schon beim Verbraucher zu erreichen.
    Die Möglichkeit auf Abhilfe bietet in diesem Fall lediglich die Politik, welche die Machtstellung von Großerzeugern/-konzernen nicht noch zusätzlich ausbauen müsste. Aber auch hierfür wäre ein klares Mandart aus dem Volk über Wahlen hilfreich.
    Der billig Sektor lässt sich in einem (finanz-)marktkapitalistischen globalisierten Umfeld wohl kaum verhindern, aber seine krotesken Auswüchse lassen sich über (protektionistische) Gesetze einschränken und seine Bedeutung durch Aufklärung und Ausbildung (am Kochtopf in der Schule/Volkshochschule/Universität/Internet/Medien) verschieben.

    Alles in allem ein schwieriges Thema, welches definitiv mehr Aufmerksamkeit bekommen sollte. Ein konservativer Ansatz ist dabei bestimmt nicht zukunftsweisend, denn dafür ist der Fortschritt zu rasant. Aber eine breitere Bildung bei den jetzt noch jungen zukünftigen Enscheidungsträgern könnte euch dabei unterstützen! Um das zu beschleunigen müssten die Babyboomer allerdings in ihre Kinder vertrauen und ihnen bald einen Teil ihrer eigenen Entscheidungsmacht überlassen. Deutschland ist gut genug aufgestellt, um sich der Herausforderung eines gesellschaftlichen Wandels zu stellen. Das dabei alt hergebrachtes schlecht gemacht werden soll, ist in meinen Augen völlig unbegründet.

    Viele Grüße,
    Karl

  47. Lieber Bauer Willi,

    vielleicht regnet es auch gerade bei Ihnen, und ihre Frau hat Verständnis, dass sie wieder vor dem Rechner sitzen.

    Es ist schon auffällig, dass alle Leser und Schreiber hier das Bauernsterben verhindern wollen, die wenigsten erwarten eine Ausdehnung der Tierproduktionskapazitäten!

    Sie wollen den Landwirt als wichtigen Stein im Tragwerk der Gesellschaft!
    Und, sie wollen ihn kennen.

    Warum versteht der Bauernverband das nicht mal endlich?
    Jeder Wachstumsgedanke in Fläche schließt immer auch Bauernsterben ein!

    P.S. lieber Bauer Willi,bitte lesen sie sich die Wünsche und Forderungen der “Wir haben es satt” Demo nochmal durch,
    das ganze gibt es schon seit 5 Jahren, aber letzendlich liegt hier die gleiche Intention zugrunde. Freie selbstbestimmte Bauern, die mit Sinn und Freude, selbstbestimmt und zukunftsträchtig auf ihren Betrieben arbeiten.
    Wie Sie und ich, als Versorger der Gesellschaft, aber auch als Teil der Gesellschaft. Quasi mittendrin.
    In diesem Sinne, frohes Schaffen

  48. Willi entschuldige dich nicht .du hast recht und sollst auch mal sagen was abgeht .ich bin kein landwirt und “nur” verbraucher .aber ich erwische mich auch immer wieder mal einem billigprodukt glauben zu schenken obwohl ich es nicht möchte .
    Den anderen scheiß sollen die fressen die diesen markt fördern !!!!!!!!

  49. Hallo Willi,

    vielen Dank für deine beiden Artikel. Wie du richtig anmerkst, bist du kein Kommunikationsprofi. Ich hoffe jedoch, dass du es nie wirst. Denn so geradegebügelt wären deine Texte bei weitem nicht so lesenswert.

    Ich gehöre zu den Menschen, die gerne in die Hörner blasen: “Steig doch auf Bio um” und “Lass doch die Tierausbeuterei”. Wie du richtig erkannt hast, ist das aus meiner Position als Angestellter, der nicht mal ein Familie ernähren muss, ziemlich einfach. Besonders in den schützenden vier Rahmenkanten des Kommentarkästchens. ;-)

    Und genau darauf bezieht sich mein Dank, du hast mich von meinem hohen Ross heruntergeholt. Zwar bin ich weiterhin davon überzeugt, dass kein Weg an Bioanbau und möglichst keine Tierausbeutung vorbei geht, doch möchte ich ab heute all jene, die nicht so denken, nicht mehr vor die gedachte Wand stellen und alles differenzierter betrachten.

    Ich bin heute zum ersten Mal auf eurer Seite und hoffe ihr werdet noch lange genug Kraft und Atem haben, dieses Projekt mit so viel Herzblut zu betreiben.

    Es grüßt euch

    Euer Gephard

  50. Sie haben mit Ihrem “Jetzt reichts” den Nagel auf den Kopf getroffen und zwar in einer deutlichen und klar verständlichen Art und Weise, die man sich häufiger aus der Praxis wünscht.
    So kann ein Diskurs auch mit “Verbrauchern” gelingen.
    wunderbar

  51. Pingback: Lieber Verbraucher - Frag den LandwirtFrag den Landwirt

  52. Die Macht liegt in der Hand der Kraft – Wenn der Staat die Kraft hat dann sind wir Ducksmäuseriche. Ich horche nicht mehr auf die Kraft sondern nur mehr auf den Staat oder wer auch immer dahintersteckt. Ich will das nicht das dass die Kraft ist, die mich lenkt! -

    i was ned ober i geh auf widerstaund - wos aundas foidma ned e - Staatsbürgerschaft gekündigt und stelle meine zahlungen den staat gegenüber ein Punkt

  53. für leute mit wenig geld könnten sie zum beispiel die kartoffeln wo sie nicht mitnehmen , aufheben lassen. 1-2 tage später.
    lassen sie doch im tauschverfahren diese leute helfen. hilfe gegen lebensmittel
    bei fragen direkt an mich

  54. Lieber Jens
    bitte verzeihe mir, aber ich werde mich nicht näher auf das Thema Politik einlassen. Mein Thema ist die Kommunikation zwischen Landwirten und Verbraucher. Wenn ich damit anfange, komme ich überhaupt nicht mehr in´s Bett. Es ist jetzt 22:50 Uhr. Trotzdem danke für Deinen Beitrag

    Bauer Willi

    • Lieber Bauer Willi,

      kein Problem, ich wollte nur ein paar Anregungen zum Thema geben. Es ist ja auch schwierig, in der Politik eine wirkliche Veränderung zu bewerkstelligen, da leider doch fast alles mit allem anderen zusammenhängt. Man sieht es dann an Griechenland, wie viel Unzufriedenheit sich bei der Bevölkerung aufstauen musste, bevor eine echte Alternative zur vorherrschenden neoliberalen Agenda an die Macht gekommen ist.

      Wie dem auch sei, ich dachte, ich hätte auch den Bogen in meinem letzten Absatz zum Verhältnis Landwirt/Verbraucher geschlagen, aber vielleicht war’s auch wirklich zu spät, um das klar genug und vor allem um konstruktive Alternativen zu formulieren.

      Was ich damit eigentlich sagen wollte ist, dass viele der von Dir so eindringlich beschworenen Probleme eben auch mit falschen Weichenstellungen in der Politik zusammenhängen. Der 1.000 ha Betrieb mit Erntehelfern aus Osteuropa und Maschinenparks in Vollauslastung wird nunmal dem Großhändler einen ganz anderen Preis anbieten können als ein kleiner Bauer - und das nicht zuletzt aufgrund der EU-Subventionen. Die Ernte solcher Bauern wird so zunächst vom Markt aufgekauft, während die kleineren Bauern so um so schärfer um die restlichen Absatz konkurrieren müssen.

      Apropos, da fällt mir noch der folgende lesenswerte Artikel von Harald Schumann (meiner Meinung nach einer der besten Journalisten in Deutschland) zum “Landgrabbing”, also dem Aufkaufen landwirtschaftlicher Flächen im großen Stil, in Ostdeutschland ein: http://www.tagesspiegel.de/politik/landgrabbing-in-deutschland-die-lpg-kader-haben-agrarkapitalisten-den-weg-bereitet/8621948-3.html

      Wie sollen wir denn mit solchen Entwicklungen umgehen? Der Verbraucher kann ja schlecht die Erzeugnisse, welche aus solchen Betrieben stammen, boykottieren, da diese ja oft nicht einmal nach Herkunftsbetrieb deklariert sind. Ihr Landwirte steht nun mal auch im knallharten Wettbewerb, welche Wahl habt ihr denn? Wie wollt ihr denn in Zukunft gegen Betriebe mit 10.000 ha und mehr konkurrieren? Wie wollt ihr gegen die hochsubventionierten landwirtschaftlichen Produkte aus den USA konkurrieren, die mit TTIP zu uns herüberschwemmen werden?

      Ich sehe einfach nicht, wie die Verbraucher oder Landwirte irgend etwas gegen die immer stärker werdenden Zwänge des Kapitalismus ausrichten können. Sorry, aber da bin ich einfach zu pessimistisch.

      • Lieber Jens
        es ist schon wieder 23:40 Uhr, du bist wohl auch eine Nachteule
        Habe gerade wieder einen Entwurf für einen Artikel fertig. Vielleicht ist das ja DIE Lösung (ne, bestimmt nicht aber ein Denkansatz)
        Mach et jut aus dem Rheinland und bleibe uns treu
        Gute Nacht!
        Bauer Willi

  55. Lieber “Bauer Willi”,

    ich kann in den beiden offenen Briefen, die ich bis jetzt von Ihnen gelesen habe, keinerlei arrogante oder zynische Übertreibungen oder dergleichen entdecken. Ich empfinde es so, Sie die Verhältnisse sachlich dargestellt haben. Ihre Schreiben machen mich betroffen und regen mich - wieder mal - zum Nachdenken an.

  56. Lieber Bauer Willi,

    ein guter Beitrag. Nur bei einem Punkt möchte ich widersprechen, nämlich dass die Politik es nicht richten kann. Ich gehe mal auf die Punkte einzeln ein.

    + “Wenn wir uns in der Welt umschauen, haben wir eine sehr gut funktionierende Demokratie, mit der wir trotz möglicher Schwächen sehr zufrieden sein können.”

    zur “gut funktionierenden Demokratie” empfehle ich die ersten paar Absätze der beiden Wikipedia-Artikel:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Repr%C3%A4sentative_Demokratie#Nachteile_der_repr.C3.A4sentativen_Demokratie
    https://de.wikipedia.org/wiki/Postdemokratie

    Insbesondere definiert der Schöpfer dises Begriffes, Colin Crouch, eine idealtypische Postdemokratie folgendermaßen:

    ‘ein Gemeinwesen, in dem zwar nach wie vor Wahlen abgehalten werden […], in dem allerdings konkurrierende Teams professioneller PR-Experten die öffentliche Debatte während der Wahlkämpfe so stark kontrollieren, daß sie zu einem reinen Spektakel verkommt, bei dem man nur über eine Reihe von Problemen diskutiert, die die Experten zuvor ausgewählt haben’

    Kommt Ihnen dies bekannt vor?

    + “Wir haben eine große Meinungsfreiheit, in der auch Randgruppen ihre Meinung sagen dürfen. Das erleben wir jeden Montag in Leipzig.”

    Richtig, jeder darf seine Meinung sagen (bis auf einige Ausnahmen die im Strafgesetzbuch geregelt sind). Aber nicht jede Meinung hat das gleiche Gewicht in unserer Medienlandschaft. “Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten” schrieb Paul Sethe, einer der fünf Gründungsherausgeber der FAZ bereits 1965. Wir haben zudem durch den Tendenzschutz keine innere Pressefreiheit. Weiter ist durch den massiven Abbau von Redakteursstellen in den letzten Jahren die Empfänglichkeit von PR-Kampagnen im Journalismus stark gestiegen. Die durchschnittliche Zeit, die für die Recherche für einen Artikel verbracht wird, beträgt momentan 11 Minuten! So landen Studien und PR-Mitteilungen von Stiftungen und Thinktanks immer häufiger in Artikeln und Beiträgen, ohne dass diese weiter kritisch hinterfragt werden. Nur um es klarzustellen, ich bin nicht der Meinung, dass die Presse “lügt”. Vielmehr kommen eben nur Leute mit der entsprechend eltien-konformen Weltansschauung auf die ensprechenden Chefredakteurs- oder Ressortleiterposten, siehe etwa die Diskussion um Nikolaus Brender 2009 https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_Brender#Kontroverse_um_Vertragsverl.C3.A4ngerung
    Ich belasse es mal dabei und weise noch auf die Nachdenkseiten hin, die diese Thematik ebenfalls oft aufgreifen. http://www.nachdenkseiten.de/

    + “Im Gegensatz zu anderen Ländern sind unsere Politiker nicht bestechlich, wenn man von dem ein oder anderen Freiflug oder einer Urlaubseinladung mal absieht. Ich halte das für verzeihlich und man kommt ihnen auch bald auf die Schliche.”

    Ich glaube auch nicht, dass die persönliche Bestechlichkeit ein Problem ist. Aber ich denke, dass es durchaus eine Art institutioneller Bestechlichkeit gibt, über Lobbyismus und über Vetternwirtschaft. Letzteres zeigte sich in letzter Zeit in der sogenannten “Drehtürdiskussion” um Pofalla, Kurt Beck & Co. Zu ersterem komme ich auf die Landwirtschaft zurück und gebe ein Beispiel aus einem Panorama-Bericht: ‘Der Präsident des Bauernverbands Jochim Rukwied bewirtschaftet selbst 290 Hektar, die Vizepräsidenten Werner Hilse rund 300 Hektar, Werner Schwarz 400 Hektar, Norbert Schindler 316 Hektar und Udo Folgart 932 Hektar.’ https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Bauernverband#cite_note-5
    Ist die Ausrichtung der offiziellen Lobbyarbeit des Bauernverbandes zu Gunsten der Großbauern da noch so überraschend?

    + “Die Politik alleine für unser Dilemma verantwortlich zu machen halte ich für zu kurz gesprungen. Sie kann nur die Rahmenbedingungen setzen.”

    Was aber wenn die Rahmenbedingungen so gesetzt werden, dass die großen Betriebe auf Kosten der kleinen profitieren? Dass es immer mehr und mehr Wettbewerb auf allen Ebenen gibt, von den Landwirten bis zu den Supermärkten? Warum müssen unsere Supermärkte mit subventionierten spanischem Glashausgemüse überschwemmt werden? Und wieso soll der Wettbewerb jetzt mit TTIP jetzt noch globaler, noch schärfer werden?
    Die Politik hat sehr wohl einen große Wirkmächtigkeit gerade über die Rahmenbedingungen.

  57. Lieber Bauer Willi, bitte mehr solcher Artikel. Ich finde offene Worte besser als jede Heuchelei, dass die Welt nur noch schlecht ist. Ich selber habe einen Catering Service der die Produkte von Bauern weiter verarbeitet (Pommes / Bratwurst) Auch ich bin mit meiner Familie ein Einzelkämpfer, der es nicht jedem Recht machen kann. Letztendlich können nur die Verbraucher auf Missstände aufmerksam gemacht werden durch solche Artikel und dann selber umdenken. Schuld ist im Prinzip keiner und wieder auch wir alle. Dabei muss man nicht nach links oder rechts sehen, wer Schuld hat. Einfach an die eigene Nase fassen und es selber ändern. Also nicht im Supermarkt die billigen Dinge einkaufen, sondern zum örtlichen Bauernhof und so die regionalen Bauern unterstützen.

  58. Oh ich liebe einheimische Produkte. Es gibt nichts besseres als ordentliches Brot, Milch und Eier vom Bauern. Und deutsche Äpfel frisch vom Baum sind die einzigen von denen ich kein kratzen im Hals kriege. Ich bin Landkind und lebe jetzt in der Großstadt. Das hat zwei Seiten: 1. es ist echt schwer irgendwo reginonale Produkte zu finden. Es gibt Wochenmärkte, aber so wirklich regional sind die nicht. Bio ist der neu Trend - aber dass das nicht immer mit regional gleich zu setzen ist verstehen die Leute nicht so ganz. Andererseits ist gerade in der Stadt der Trend zu Deutschem Essen sowie Bio etc zu beobachten. Ich glaube die Leute wollen gar nicht mehr nur Billigkram, nur ist es im Alltag in einer riesigen Stadt gar nicht mal so einfach Nahrungsmittel mit gutem Gewissen einzukaufen. Da bleibt halt meist nur der Standard-Supermarkt. Die nächsten Hofläden sind sicher eine Stunde von mir weg. Aber das ist eine unglaubliche Chance für Landwirte! Ab in die Städte! Sprecht mit den deutschen Restaurants, beliefert die Wochenmärkte, denkt euch was Neues aus! Die Welt will back to the roots. Also ich wär dabei. Es gibt übrigens in Berlin auch ein interessantes Konzept: http://www.meinekleinefarm.org. So liebe Leute erreicht man die Städter und macht die Welt ein bisschen besser!!
    PS: während meiner Studienzeit habe ich immer für unsere Hochschule bei einem Bauern zwischen Tiengen und Waldshut eingekauft - vielleicht war das ja ihr Hof Andreas Fendt? Lecker Äpfel und Milch!

  59. Hallo Willi,
    wir verstehen Dich bestens und sind doch weder Bauern noch die beschriebenen Verbraucher aber Städter.
    Leider erhalten wir in userem kleinen Supermarkt um die Ecke mehr Fertigfutter als Bioeier und Wirsingkohl ist mittlerweile wohl eine Delikatesse geworden. Wer kann dieses Gemüse eigentlich zubereiten ? Die meisten Herde scheinen als App angeboten zu werden mit web-Adressen wie Lieferando und ähnliche inklusive.
    Kartoffeln zu kaufen gleicht heute eher einer Wissenschaft, ganz besonders dann, wenn man KEINE Pommes frites aus der Tiefkühltruhe mag: vorwiegend festkochend und besonders groß werden sie angeboten, welch Unfug, wenn ich Pürree oder Rosmarinkartoffeln zubereiten möchte. Die Esskultur in diesem Land ist im A…, da hilft auch Frank Rosin und seine Fernseh-Show nicht weiter. Wir sind dafür verantwortlich unseren Kindern Kultur beizubringen und die fängt mit dem Essen an. Wenn die Generation 30 + nicht kochen will und kann, wird auch die nachfolgende Generation die Produktion regionaler Lebensmittel nicht unterstützen. Woher auch, die Lieferdienste waren schon im Kleinkindalter obligat.
    Wir kochen täglich frisch, unser Kind und alle Freunde wissen und geniessen das: Im Herbst gibt es Kürbissuppe, im Dezember Entenbraten mit Rotkohl und grünen Klössen, im Mai Spargel mit Sauce Hollandaise und im Juli Geflügelherzen auf Feldsalat (alles selbst gemacht), Backen mit saisonalem Obst ist Liebe (auch ohne Sanella) und Kapuszta ein tolles Kohl-Gericht zur Verwertung von Resten. Kopf hoch, trotzen wir der Industrialisierung ein wenig, es gibt viel mehr als convinence-food.

  60. zunächst Danke Alois fürs freischalten meiner Beiträge! Leider hab ich den letzten doppelt abgeschickt.

    Zu Willi´s Frage:

    nach 60 cm Neuschnee am Donnerstag und auch in der Nacht zum Markttag gab es Schnee waren meine Erwartungen gedämpft, entsprechend weniger Brot habe ich gebacken.

    Am Samstag war in meiner Marktstadt Waldshut ein grosses Narrentreffen, nicht dass der Wochenmarkt sonst nicht ein kleines Narrentreffen an sich wäre.

    Wider Erwarten lag da unten (300m, mein Hof auf 900m) gar kein Schnee, der Wetterbericht auch falsch, es schien die Sonne statt Schneetreiben.

    Folge schon um 11 Uhr mit Brot komplett ausverkauft, die Kunden, die nichts mehr bekamen waren zurecht enttäuscht. So lernen sie auch, es gibt nicht immer alles und freuen sich auf nä. Woche wieder eines meiner Brote zu ergattern.

    Es blieb daher wieder viel Zeit für Gespräche, auch Bauer Willi war ein Thema.

    Am Schluss bin ich zwar mit wenig Geld in der Kasse, aber gutgelaunt heimgekommen, geschätzter Stundenlohn 6 Euro. Aber ich mache das einfach sehr gerne.

    PS: danke für die Biouckerinfo, ich hab mich immer über den Bio-RohRohrzucker aus Übersee gewundert und dachte, warum macht das keiner hier..

    • Bist Du Bäcker Andreas?

      Sonst dürftest Du doch gar kein Brot backen geschweige denn verkaufen, oder?

  61. Lieber Willi – was ich nicht verstanden habe…

    Die Politik?
    warum reagieren manche unserer Kollegen so extrem, wenn Politik versucht Rahmenbedingungen zu setzen? Landwirt ist im Gegensatz zu Politiker ein hochangesehener Beruf.
    Ehrlich, ich bin gerne Landwirt, aber ich hätte durchaus politische Ambitionen, aber das will ich mir wirklich nicht antun! Lies mal, wie sich z.B. der Bauernverband Schleswig-Holstein und dortige Bauern gegen Minsiter Habeck äussern, oder was Kollegen über Christian Meyer schreiben. Das ist beschämend!
    Ich erwarte, dass die Politik gute, verlässliche, aber auch harte Rahmenbedingungen setzt und dass auch Landwirte diese respektieren, da die Handelnden demokratisch legetimiert sind.

    Die Landwirte?
    Verständlich, nur ganz wenige Bauern beliefern Aldi und Co. direkt und haben so bedingt Einfluss auf die Erzeugerpreise. Aber sag mal Willi, sind die meisten Molkereien nicht Genossenschaften und gehören den Landwirten selbst? Warum können die dem Handel nicht Preise vorgeben? Wenn sich Bauern organsieren, sei es als BDM (Bund deutscher Milcherzeuger) oder ABL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft), wieso werden die dann beschimpft, bekämpft und lächerlich gemacht von einigen Kollegen, die sich als besonders modern empfinden?

    Zur SoLaWi: Das sieht Du richtig, SO kann das nix werden. Du müsstest auf deinen 40 Hektar schon anbauen, ws die Menschen wollen und direkt brauchen und das in grosser Vielfalt. Also Gemüse, verschiedene Getreide, möglichst noch Brot backen, vor allem aber Gemüse, Obst das ganze Jahr über. Das geht sehr gut, diese Höfe haben viele helfende Hände, bieten Arbeitsplätze. Bekannterweise beschäftigt gerade der Bioanbau viele Menschen, die es sonst eher schwer haben in der Industriewelt, und wenn wieder mehr Menschen am Boden und mit den Tieren arbeiten, ist das sicher kein Fehler. Das Modell einer lebenslangen Knechtschaft auf eigenem Hof ist meines Erachtens ein Auslaufmodell.

    Zu Tisch, Trog und Tank habe ich noch eine Frage: wozu braucht man Raps? Sicher nicht hauptsächlich für Speiseöl. Warum baust Du ihn an, er ist doch eher anspruchsvoll was Fruchtfolge, Schädlinge etc. angeht. Und noch eine Fachfrage: Wäre Zuckerrübenanbau auch biologisch machbar? Wie wären da die Erträge? Denn deutschen Biozucker gibt es ja kaum.

    Wir haben sehr viel gemeinsam, auch hinter mir steht keine Organisation und ich schreibe ehrenamtlich. In der geopferten Zeit verdiene ich auch kein Geld! (übrigends auch keine Spenden).

    Was uns unterscheidet, Du hast vermutlich mehr Kontakt zu Landwirten und ich naturgemäß eher zu Verbrauchern. Das bringt mein Job mit sich, als Direktvermarkter musst Du dich täglich den Verbraucherfragen stellen und erklären, warum es jetzt keine Gurken bei mir gibt, warum Ziegen im Winter keine Milch geben und wieso ich den Biokäse teilweise von weit her kommen lasse. Und da gibt es eben auch die volle Bandbreite. Leute, die ihre Ruhe wollen oder welche die alles ganz genau interessiert. Leute, die sich problemlos teure Biowaren leisten können und solche die mit ganz wenig Geld trotzdem gesunde gute regionale Sachen kaufen. Und ich versuche allen gerecht zu werden.

    Und damit bin ich gerne Deiner Aufforderung nachgekommen, mich als Berufskollge an der Diskussion zu beteiligen.

    Dein Biobauer Andreas

  62. Lieber Willi – was ich nicht verstanden habe…

    Die Politik?
    warum reagieren manche unserer Kollegen so extrem, wenn Politik versucht Rahmenbedingungen zu setzen? Landwirt ist im Gegensatz zu Politiker ein hochangesehener Beruf.
    Ehrlich, ich bin gerne Landwirt, aber ich hätte durchaus politische Ambitionen, aber das will ich mir wirklich nicht antun! Lies mal, wie sich z.B. der Bauernverband Schleswig-Holstein und dortige Bauern gegen Minsiter Habeck äussern, oder was Kollegen über Christian Meyer schreiben. Das ist beschämend!
    Ich erwarte, dass die Politik gute, verlässliche, aber auch harte Rahmenbedingungen setzt und dass auch Landwirte diese respektieren, da die Handelnden demokratisch legetimiert sind.

    Die Landwirte?
    Verständlich, nur ganz wenige Bauern beliefern Aldi und Co. direkt und haben so bedingt Einfluss auf die Erzeugerpreise. Aber sag mal Willi, sind die meisten Molkereien nicht Genossenschaften und gehören den Landwirten selbst? Warum können die dem Handel nicht Preise vorgeben? Wenn sich Bauern organsieren, sei es als BDM (Bund deutscher Milcherzeuger) oder ABL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft), wieso werden die dann beschimpft, bekämpft und lächerlich gemacht von einigen Kollegen, die sich als besonders modern empfinden?

    Zur SoLaWi: Das sieht Du richtig, SO kann das nix werden. Du müsstest auf deinen 40 Hektar schon anbauen, ws die Menschen wollen und direkt brauchen und das in grosser Vielfalt. Also Gemüse, verschiedene Getreide, möglichst noch Brot backen, vor allem aber Gemüse, Obst das ganze Jahr über. Das geht sehr gut, diese Höfe haben viele helfende Hände, bieten Arbeitsplätze. Bekannterweise beschäftigt gerade der Bioanbau viele Menschen, die es sonst eher schwer haben in der Industriewelt, und wenn wieder mehr Menschen am Boden und mit den Tieren arbeiten, ist das sicher kein Fehler. Das Modell einer lebenslangen Knechtschaft auf eigenem Hof ist meines Erachtens ein Auslaufmodell.

    Zu Tisch, Trog und Tank habe ich noch eine Frage: wozu braucht man Raps? Sicher nicht hauptsächlich für Speiseöl. Warum baust Du ihn an, er ist doch eher anspruchsvoll was Fruchtfolge, Schädlinge etc. angeht. Und noch eine Fachfrage: Wäre Zuckerrübenanbau auch biologisch machbar? Wie wären da die Erträge? Denn deutschen Biozucker gibt es ja kaum.

    Wir haben sehr viel gemeinsam, auch hinter mir steht keine Organisation und ich schreibe ehrenamtlich. In der geopferten Zeit verdiene ich auch kein Geld! (übrigends auch keine Spenden).

    Was uns unterscheidet, Du hast vermutlich mehr Kontakt zu Landwirten und ich naturgemäß eher zu Verbrauchern. Das bringt mein Job mit sich, als Direktvermarkter musst Du dich täglich den Verbraucherfragen stellen und erklären, warum es jetzt keine Gurken bei mir gibt, warum Ziegen im Winter keine Milch geben und wieso ich den Biokäse teilweise von weit her kommen lasse. Und da gibt es eben auch die volle Bandbreite. Leute, die ihre Ruhe wollen oder welche die alles ganz genau interessiert. Leute, die sich problemlos teure Biowaren leisten können und solche die mit ganz wenig Geld trotzdem gesunde gute regionale Sachen kaufen. Und ich versuche allen gerecht zu werden.

    Und damit bin ich gerne Deiner Aufforderung nachgekommen, mich als Berufskollge an der Diskussion zu beteiligen.
    Dein Biobauer Andreas

    • Lieber Andreas,
      Meine Einstellung zur Politik habe ich im Artikel erläutert. SoLaWi: hab ich auch meine Bedenken geschrieben, warum ich das in meinem Betrieb als schwierig ansehe. Zudem ist das mit den “helfenden Händen” im Umkreis von Köln und Düsseldorf sehr schwierig, Arbeitskräfte zu bekommen. Müsste dann ja auch Mindestlohn sein. Raps: wozu mein Raps weiterverarbeitet wird, weiß ich nicht. Ich verkaufe den an “meine” Genossenschaft. Zuckerrüben: wenn Du den Beitrag “In eigener Sache” liest, wirst Du lesen, das ich mich da gut auskenne. Bio-Zucker wird heute nur noch von einem Unternehmen hergestellt, weil der Markt winzig ist. Warum? Es ist eine Hackfrucht und enorm teuer. Vor allem die Unkrautbekämpfung ist schwierig, man arbeitet aber an entsprechenden Maschinen um die Handarbeit zu ersetzen. Vielen Dank für deinen Beitrag, der auf für andere erhellend war. Meine Frage: wie war´s auf dem Wochenmarkt?
      Bauer Willi

  63. Hallo Bauer Willi,
    das mal jemand seinen Frust ablässt, kann man ja verstehen.
    Nur, sie denken hier etwas zu kurz. Wir haben in Deutschland freie Marktwirtschaft.
    Es geht anderen Unternehmern ( Gastwirten, Metzgereien, Bäckern etc.) nicht anders. Da kämpft so mancher auch mit der Existenzangst. Jeder Unternehmer muss sich täglich was neues einfallen lassen, um zu überleben. Das ist nicht nur bei den Bauern so. Wenn ihr an Aldi u. Co eure Produkte fast verschenkt, seit ihr es doch selbst schuld. Wobei euch Vater Staat ja auch oft zur Seite steht. Mit vielerlei Investitionen.
    Versuchen sie es doch mal mit direkter Vermarktung. Verkaufen sie ihre Produkte doch einfach übers Internet. Oder machen sie es wie Rewe u. Co, und liefern dem Endverbraucher euer Gemüse etc. direkt ins Haus. Getränkeunternehmer machen das schon immer. Viele Bauern sind leider zu bequem, oder zu dumm, um umzudenken, und neue Vertriebswege zu suchen.
    Wenn sie die Einfuhr von landwirtschaftlichen Produkten aus dem Ausland kritisieren, verkaufen sie ihre Produkte doch auch ins Ausland. Wir sind heute halt global. Die Bauern im Ausland haben auch ein Recht auf Einkommen.
    Und was ich hasse: jeder Produzent schimpft immer auf den Endverbraucher.
    Wer betreibt denn den Handel mit Produkten. Der Endverbraucher? Doch wohl nicht.
    Ich möchte sie mal sehen wenn sie einen Fernseher kaufen. Sie machen sich auch erst kundig, und kaufen doch dann auch beim günstigsten Anbieter. Oder kaufen sie den Fernseher bewusst bei dem Händler um der Ecke, nur weil der aus der Region kommt. Stellen sie sich mal vor, der Fernsehhändler bei ihnen um der Ecke macht das gleiche wie sie, und beschimpft auch die sogenannten Billigkäufer. Solche Fälle könnte man dann lange weiter spinnen.
    Ich halte daher ihre Angriffe auf den Endverbraucher für unverschämt.
    Schalten sie auch mal ihren Kopf ein, und nicht nur den Traktor, so wie es tausende Unternehmer in diesem Land täglich tun müssen, damit sie überleben.
    In diesem Sinne >Kartoffel u. Kopf< hoch.

    • Sehr geehrter Herr Gaspary
      das “unverschämt” will ich mal übersehen. Ansonsten meine ich im Abschnitt “wir Landwirte” ausreichend beschrieben zu haben, warum die Handlungsalternativen (die durch die Bank von Nichtlandwirten kommen) für meinen Betrieb und meine Person nicht in Frage kommen. Und nein, ich verkaufe nicht an Aldi, habe ich auch beschrieben. Also bitte den Artikel auf Ihre Einwendungen hin noch mal lesen. Und auch den Artikel “Entschuldigung -lieber Verbraucher” wo ich beschreibe, dass ich persönlich ja auch in die Geiz-ist geil-Falle tappe. Vielleicht nehmen Sie das “unverschämt” ja dann wieder zurück? Wenn nicht, schreiben Sie zurück. Ich möchte den Dialog!

  64. Lieber Bauer Willi,
    treffender kann man die aktuelle Situation nicht beschreiben.
    DANKE für die klaren Worte.

  65. Lieber Bauer Willi,

    Habe den letzten Artikel vor ca einer Woche gelesen und erst mal sacken lassen. Zu meiner Schande muss ich sagen, dass zwar nicht alles aber vieles auf mich zutrifft. Ihre Ansage ist bei mir angekommen. Seitdem gehe ich definitiv bewusster einkaufen.
    Bei einem Spaziergang ist uns letztens erst aufgefallen, dass unsere regionalen Bauern immer weiter weg, von uns abgelegen wohnen. Dabei bin ich selbst so aufgewachsen, dass ich die benötigten Eier und die Milch als Kind vom Bauern um die Ecke geholt habe. Der Geruch hat mich noch nie gestört.

    Grüße aus Gudensberg

  66. Toll geschrieben (auch im vorangegangenen Beitrag). Ich kann Deine Gedanken und Deinen Unmut sehr gut nachvollziehen, wenngleich ich mich erst seit einem guten halben Jahr intensiv mit dem Thema Landwirtschaft auseinandersetze und die Situation bei uns in der Schweiz bestimmt (noch?) nicht gar so verfahren ist. Aber als Konsumentin achte ich schon lange darauf, wo die Lebensmittel herkommen, die ich kaufe. Und wann immer möglich versuche ich, regionale Anbieter direkt zu berücksichtigen. Das ist für mich der einfachste Weg dem Zwischenhandel zu zeigen, was ich von dessen Preispolitik halte. Klar ist das nicht bei allen Produkten möglich. Aber ich hoffe schon, dass wir von dieser “Hauptsache-Billig-Mentalität” bald wieder wegkommen, so dass auch die Produzenten wieder etwas mehr Luft zum Atmen haben.
    Liebe Grüsse und weiter so
    Charlotte

  67. Lieber Bauer Willi,

    ich habe beide Artikel gelesen.
    Und ich muss sagen: Wow! Klasse geschrieben, Thematik getroffen!

    Ich kaufe zB gerne regionale Sachen; den Unterschied zu unseren Eiern vom Bauern aus dem Dorf zu Discountereiern möchte ich gar nicht erst erwähnen.

    Sicher gibt es Familien, die jeden Cent 3x umdrehen müssen. Aber meist sibd es dieselben, die man mit Fertigfraß aus der TK-Ecke an der Kasse sieht.

    Ich bezahle gerne 20€/kg Rindfleisch und weiß, dass es vom Bauern aus der Region und dem Metzger meines Vertrauens gut behandelt wurde.

    Sicherlich kucke ich auch ab und zu nach Schnäppchen, aber der Gro bleibt bei uns regional und vor allem saisonal!

    Und nochmal hier an dieser Stelle: Danke für diese offenen und ehrlichen Worte!

    Liebe Grüsse

    Ben

  68. 1 A was Willi immer so bringt. Ich lese die Artikel gerne und kann mich in vielen Punkten selber wieder erkennen die er aufführt.
    Vorallem der Punkt der quasi die Rahmen in denen wir Landwirte abreit müssen hat es mir angetan.
    Um heute aktiver landwirt zu sein reicht es nicht aus 3 Jahre in die Ausbildung zu gehen und fertig.
    Es folgen fast ausnahmslos ein oder zwei Jahre fachschule, Meisterkurs oder studium.
    Der nötige Wissensstand der erforderlich ist wird dadurch so gerade erfüllt um eben im “freien” Markt bestehen zu können.

    Eben dieser Grund macht mich bzgl. Der Politik immer nachdenklich.
    Die gewählten Minister und Ämter träger, egal in welchem amt, sind oft nicht vom fach.
    Ihnen steht dann eben nicht die lange Berufs aus- und fortbildung voran.
    Schwer zu glauben das eben jene die Feinfühligkeit besitzen den komplexen bereich der landwirtschaft richtig steuern und leiten zu können.

  69. Interessante Analyse und wichtige Klarstellung.

    Vielleicht nur ein kleiner Hinweis: Nach meiner Einschätzung lohnt bei der Problematik auch ein Blick über den Tellerrand. Was haben andere Branchen gemacht? Was passiert in anderen Länder in Sachen öffentliche Diskussion um die Landwirtschaft. Es gibt hier sicherlich große Unterschiede, aber auch einige Parallelen von denen die Branche lernen könnte.

    • Sehr guter Hinweis.
      Der Artikel ist auch in Österreich auf einer größeren Online-Plattform erschienen. Da sind die Beiträge hier wesentlich zivilisierter. Die Landwirte, die sich zu Wort meldeten wurden regelrecht niedergeknüppelt (Kleine Zeitung.at)
      Bauer Willi

    • Hallo Olaf,
      danke für den Hinweis. Da hast Du Recht. Wir müssen über den Tellerrand schauen.
      Darum ist der Dialog so wichtig.
      Wir Bauern können auch von anderen sehr viel lernen, wenn wir uns auf einen Dialog einlassen.

      Herzliche Grüße aus dem Allgäu
      Alois

  70. Hallo zusammen. Ich finde Bauer die richtig gut. Ich selber komme vom Hof und kann seine Sorgen und Nöte sehr gut selber nachvollziehen. Ich selbst habe schon überlegt Beiträge für diese Seite zu schreiben. Kann mich aber nicht dazu überwinden aus Angst vor den Reaktionen der Bevölkerung.finde es aber sehr gut was ich gemacht unterstütze euch wo ich nur kann. Vielen Dank für eure Arbeit ich schätze sie sehr und werde euch weiterhin mit Kommentaren unterstützen.

  71. Hallo,
    Ich findes gut das sich entlich mal jemand traut zu sagen wie es den Landwirten in dieser Gesellschaft oft ergeht.
    Und das auch die Kinder der Landwirte angesprochen wurde. Ich selbst bin auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen und war von klein auf mit Spaß dabei aber das hat auch Schatten Seiten. Vorallem wird man schon in der Schule mit Vorurteilen bombardiert wie zum Beispiel ihr stinkt ja alle. Auch haben es viele Freunde nicht verstanden wenn man um Sommer nicht mit ins Freibad gehen konnte weil zu Hause die Getreideernte Abstand.
    Wegen solchen Erlebnissen finde ich es super was Bauer Willi schreibt.
    Mach weiter so!

  72. Lieber Bauer Willi - Danke für die replik zum Echo auf “liebe Verbraucher”. Dieser Dialog ist dringend notwendig und allen Bauern, die hier ihre Zeit dafür geben, vielen herzlichen Dank. Als Verbraucher hab ich schon einiges gelernt und mich von ein, zwei Dingen gedanklich getrennt - bei anderen (intensive Tierhaltung z.B.) da wird’s schwieriger, aber auch hier will ich erst recht im Gespräch Bleiben. Wenn wir uns gegenseitig aufmerksam zuhören bzw lesen, dann kann’s klappen. Und ich habe schon den Anspruch, die Welt verbessern zu wollen. Nicht die ganze, nicht über Nacht - aber man muss tun was man kann mit dem was man hat. Ein Wort von verbraucherseite zum Thema “ich kann es mir nicht leisten, bin leistungsempfänger etc pp” - das ist, mit Verlaub, in 98% der Fälle eine Ausrede. Ich komme aus einem Ballungsgebiet mit Städten, wo die H4-Quote an die erwerbstätigenquote heranreicht - das ist eine Tatsache und nicht wertend gemeint! Die Gründe, warum ein Mensch “zum Amt” muss sind vielfältig und keiner geht da gerne hin. So. Nichtsdestotrotz verstehe ich es nicht, warum dann gerade geklagt wird, es reicht nicht zum einkaufen vernünftiger und fair gehandelter Lebensmittel. Leute, kauft mal saisonal ein! Kocht mal wieder selbst und zwar in großen Pötten für ein paar Tage im Voraus. Kann heute keiner mehr, macht keiner mehr. “Gemüse durcheinander” haben zuletzt unsere Omas gekocht. War immer saulecker, macht aber zuviel Arbeit - und die braucht man ja für was anderes. Computer zocken z.B. … Kein Klischee, das ist so! Man muss auch tatsächlich nicht jeden Tag Fleisch essen - aber wenn, dann ein “gutes Stück” und was mir auch ganz besonders am Herzen liegt: besinnt euch mal alle wieder auf zwei Dinge: 1) eine gewisse Rückkehr zur Bescheidenheit tut uns allen gut. Kindergeburtstag zum Beispiel … Kann man prima zu Hause mit Frikadellen, Würstchen und bunten Salaten feiern. Und Waffeln/Pfannkuchen, die die Kinder selbst machen dürfen. Kleine Schnitzeljagd, spiele, fertig. Da muss man nicht für teures Geld mit der ganzen Kindergartengruppe zu mäckes… Wir haben früher Feten gefeiert, da brachte jeder was mit… Heute muss es gleich “das perfekte Dinner” sein.
    Oder kocht mal mit ein paar Leuten Marmelade und Gelee im Sommer/Herbst. Macht mal “aufgesetzten” es geht, wenn man kreativ ist und ja, ich spreche aus Erfahrung. 2) bitte mal zu hausfraulichen oder hausmännischen Tugenden zurückkehren. Es wird einfach zuviel weggeschmissen. Verwertet mal alles - “Reste essen” kann echt cool sein und Gerichte wie Labskaus, Himmel und ääd, Eintöpfe und Aufläufe zeugen von der großen Kreativität unserer Vorfahren. Von den Landwirten wünsche ich mir 1) etwas mehr Aufgeschlossenheit - nicht alle Vegetarier wollen gleich betriebe abfackeln. Nicht alle Bio freunde sind romantisch verklärt. Diese Seite hier ist ein prima Beitrag. 2) sagt uns Verbrauchern auch mal ehrlich, was wir für euch tun können. Kaufverhalten ändern? Viele sind ja schon aktions-erprobt. Können wir mal was für euch organisieren? Können wir mal mit euch was gemeinsam machen statt gegen euch zu “aktionieren”? Dann haben wir alle was davon. Sollen wir mal eine Petition mit euch starten? Ihr könnt und wisst alle was, was wir nicht können oder wissen. Und wir Verbraucher haben auch so unsere Qualitäten, die ihr nicht habt. Schwarze Schafe in der Branche sind für niemanden gut - können wir hier mal gemeinsam was machen? Was braucht ihr da von uns? Und ja, kommt in die Kitas und die Schulen! Wir kommen auch gerne mal zu euch. Nur so geht’s meiner Meinung nach. Wir wollen alle gut miteinander leben.

    • Tanni, an dir ist ein Schriftsteller(in?) verloren gegangen. Das ist die Wahrheit und berührt die Seele. Darf ich das verwenden? Das ist so schön und ehrlich!
      Danke
      Bauer Willi

    • Viele, vielen Dank für diese Worte und kann dem nur mit ganzem Herzen zustimmen.

    • Hi Tanni.. Du sprichst mir aus meiner Seele. Ich komme zwar aus Österreich, aber hier gehts doch genauso zu..

      Lieber Bauer!
      Danke für deinen Wutausbruch, ich habe mich jedoch nicht angesprochen gefühlt?
      Wieso? Ich bekomme wöchentlich ein Kiste Gemüse und Obst von einem Bauern in der Nähe, obwohl in der Stadt wohne. Nähe heisst hierbei innerhalb der nächsten 50 KM. Das ist super und der liefert mir auch keine Weintrauben aus Chile.
      Jedoch muss ich feststellen, dass ich schon lange keine Weintrauben mehr gegessen habe. Hier in Österreich gibt es rund um Wien sehr viele Bauern, die Weintraubengärten haben. Diese Weintrauben werden aber nie, wirklich nie, an einen Supermarkt geliefert, weil sie dort einen Nasenrammel für ihre Trauben bekommen. Gehe ich nun zu Billa (Rewe), Spar, Hofer (Aldi), suchs dir aus… gibt es dort Weintrauben! Jedoch kommen die alle aus Spanien… Ja was soll das denn? Dann gehe ich eben wieder und bekomme doch keine Weintrauben. Die österreichischen Weintrauben gibts vielleicht auf einem Bauernmarkt oder sie werden eben, wie 99% der Trauben in Österreich in Wein, Most oder Sturm verwandelt. Und ich nehme es den Bauern nicht mal übel…

      Marillen für eine Marillenmarmelade kaufe ich auf einem Bauernmarkt, denn die im Supermarkt kommen aus Spanien - egal ob Saison ist oder nicht.
      Das selbe gilt für Heidelbeeren, Himbeeren und teilweise sogar Erdbeeren. Hier frage ich mich als Konsument schon, ob man mich verarschen will. Aber gut, zum Glück habe ich ein paar Bauernmärkte gefunden, die aus Niederösterreich nach Wien kommen und ihre Ware verkaufen wollen. Ist nicht mal teurer als im Supermarkt - wäre mir aber auch egal..

      Ich koche beinahe täglich und mache mir sogar meine Suppenwürfel selbst. Das soll jetzt kein Kommentar von wegen “ich bin so toll” sein, sondern ich möchte dir zeigen, dass ich mich als Konsument wirklich sehr anstrenge deine österreichischen Kollegen zu unterstützen, aber einfach wird es mir nicht gemacht…
      Ich arbeite, teilweise 50h die Woche - ich weiß, das ist für dich vielleicht lächerlich.. Meine Kiste bekomme ich nach Hause vor die Tür geliefert.. Zum Bauernmarkt fahre ich am Samstag zwischen 10 und 12, denn dann macht er zu. Die Supermärkte haben immer länger offen, teilweise bis 21.00. Da kann kein Bauer mithalten.

      Milch kaufe ich noch immer im Supermarkt, da habe ich noch keine Alternative gefunden. Aber ich weiß auch, dass Milchbauern und vor allem die Kühe maßlos ausgebeutet werden.

      Lieber Bauer, ich versuche mein Bestes. Leider wird es aber Konsumenten, die etwas ändern wollen und frische, regionale Ware wollen, schwer gemacht..
      Ich versuche mich ebenso zu erkundigen wo und wie ich an Sachen rankomme, damit sie regional sind. Aber um ehrlich zu sein sind die Etiketten auf Lebensmittel und Gütesiegel am Fleisch, sowie Bio - Siegel teilweise Betrug. Das heisst ich verlasse mich darauf und vertraue, dass ich nicht belogen werde. Am nächten Tag finde ich aber den nächsten Skandal (egal wer Schuld ist) in der Zeitung… Wem soll ich also noch vertrauen? Es gibt so viele Sachen, um die ich mich mittlerweile selbst kümmern muss und mich erkundigen muss, dass mir beinahe keine Zeit mehr zum genießen deiner Produkte bleibt.

      Liebe Grüße und danke für deine Arbeit
      ein frustrierter Konsument

      • Nur zum Thema Milch. Ich wollte nicht mehr den Supermarkt, also habe ich nach einem Milchhof in der Nähe gesucht und dort auch eine Weile eingekauft. Wenn du aber einmal die Turbokühe gesehen hast, mit ihren Fassgroßen Eutern, magst du das auch nicht mehr.
        Heute kaufe ich bei einem Demeterhof, der praktisch auf meinem Arbeitsweg liegt. Freilaufende Weidekühe wie aus der Werbung und Kälber dazu.
        Die Rohmilch ist ein Traum, kann aber schon mal “durchfallen”. Erhitzen in der Mikrowelle hilft und geht auch kaum auf den Geschmack.
        Tipp: Nach Weidekühen suchen und dann den dazugehörigen Bauern aufsuchen. Die machen erfahrungsgemäß gerne Privatverkauf und teurer ist es auch nicht.

  73. Willi hat aus meiner Sicht mit seinen Aussagen recht. Die Preise für unsere Produkte und der Markt sind nur die eine Seite. Was mich besonders stört ist, dass in Medien und Umfragen behauptet wird,der Verbraucher wäre bereit mehr Geld für Produkte zu bezahlen die eher seinen moralischen Ansprüchen entsprechen würden. Liegen solche Produkte in den Regalen, wird doch wieder zum günstigsten Produkt gegriffen. Viele kaufen bei den Discountern und gehen dann gegen neue Ställe demonstrieren. Ich erinnere mich an ein Bild von Teilnehmern der “Wir-heben-es-satt-Demo” 2013 in Berlin. Mitglieder des Tierschutzbundes stehen nach der Demo in ihren Jacken mit Logo bei Mc Donalds an und warten bedient zu werden. Dieses Bild fast sehr schön zusammen was mich am meisten stört. Es werden lautstark Dinge gefordert, die denn aber nicht unterstützt werden.

  74. Man sollte den ganzen Aufsatz in einen einzigen kurzen Abschnitt bündeln, dass es für den Verbraucher einfach ist und sich einprägt !
    Z.B.: “Die moderne deutsche Landwirtschaft erzeugt die besten und gesündesten Lebensmittel der Welt”!!!!!
    Gruß Hans Pfund

    • Das kann ich so nicht stehen lassen, denn die besten und gesündesten Lebensmittel der Welt erzeugt die
      Österreichische Landwirtschaft ;-)

      denn wir sind päpstlicher als der Papst mit unserem ÖPul-Programmen.

      Nichts desto trotz schließe ich mich der Meinung an, dass der Bauer Willi recht hatte in seinem ersten Schreiben, so ist es nun mal, für alles wird Geld ausgegeben, aber bei den Lebensmitteln wird gespart, denn mit denen kann man nicht prahlen.
      Liebe Grüsse aus Ö.

    • Der Satz: “Die moderne deutsche Landwirtschaft erzeugt die besten und gesündesten Lebensmittel der Welt” wäre aber wieder eine Halbwahrheit wie sie gerne in der Werbung verwendet wird. Damit es eben kurz und einprägsam ist. Aber die Landwirtschaft ist eben so Vielfältig wie es deren Bewirtschafter sind und kann deshalb nicht einfach erklärt werden!

      • Dem schließe ich mich an, ähnliches wollte ich auch so schreiben.

        Wenn wir hier zusammen nun feststellen, wie vielschichtig und vielfältig die Thematik Lebensmittelherstellung nun einfach mal ist, dann sollte es eben nicht vermeintlich abkürzbar auf einen Einzeiler/Slogan herunter gebrochen werden. Sonst wird ja wieder das gegenteilige und falsche Bild erzeugt.

  75. Super, lieber Bauer Willi, bitte weiter so!
    Habe den Bericht mit Freude und sehr interessiert gelesen. Ja, positiv provozieren und gleichzeitig sachlich informativ, das ist, denke auch ich, ist der richtige Weg, den wenigen, aber laut klappernden Negativ-Extremisten zu begegnen.
    Wir alle müssen umdenken, um gemeinsam in eine gute Zukunft gehen zu können…

  76. Servus Willi , weiter so ! Du sprichst mir aus der Seele….
    Das Wissen der Verbraucher über die Herstellung von hochwertigen Lebensmitteln ist leider viel zu gering.
    Also kommt zu uns , dem Bauern um die Ecke und fragt, fragt,fragt…..

  77. TOP , ……. Darum geht’s !
    Sich mit den Themen, den Problemen UND den Menschen dahinter auseinandersetzen !!!
    Vielen Dank dafür !

    • Ich denke, man kann nicht nur den Verbrauchern die Schuld in die Schuhe schieben.

      Wenn die Ware dementsprechend mehr kosten würde, würden das auch die Kunden bezahlen.
      Ich sehe das Problem darin, dass der Zwischenhändler , Supermärkte, Großhändler usw die Preise beim Erzeuger drücken., (In etwa so: Wenn du mir das Produkt nicht für diesen Preis lieferst, dann kannst du es behalten…) Entweder er liefert, oder er bleibt auf seinem Erzeugnis sitzen.

      Wenn also niemand für diesen Preis produzieren würde…..müssten diese auch mehr bezahlen

      Dass der Kunde auf den Geldbeutel achtet, ist ihm nicht immer zu verdenken.

      Und… ja, es stimmt, viele kaufen nicht bewusst ein. (Da wird gar nicht nachgedacht)
      Aber, wenn unsere Produkte nicht so “billig” angeboten würden, sondern wirklich sein Wert verlangt würde, wäre der Kunde auch bereit dafür zu bezahlen…

    • Was mich so deprimiert ist das so viele Leute, meine Kollegen, meine Freunde, mein bester Freund, sogar meine Frau kein Interesse haben, überhaupt darüber nachzudenken, was sie kaufen. Da wird die 49 Cent Milch gekauft, die billigste Butter, die Eier aus Freilandhaltung. 10 Äpfel, von denen wir 7 Essen und drei wegschmeissen, weil sie matschig wurden. Und ich sehe das, diese Verschwendung, diese Gedankenlosigkeit, dieses sich-nicht-mit-sowas-beschäftigen-wollen überall, und kann nichts dagegen tun. Wohlmeinende Ratschläge, Fragen nach dem Gewissen… es ist so vielen Leuten egal. Mastfleisch mit Antibiotika? Hackfleisch von Ja! eingeschweisst im Supermarkt? Ökostrom? Das Obst in dünnen Plastiktüten aus dem Laden schleppen? Es gibt so viele Sachen, die einfach falsch sind. Aber wen interessiert das denn? Alles in Plastik, und Strom kommt aus der Steckdose. Papiertüte? Ne, Plastik ist billiger. Ja, Atomstrom findet man scheisse, aber wechseln, ach naja nee… jetzt nicht, vielleicht am Wochenende, wenn man mal Zeit hat. Und warum soll man das teure Fleisch beim Metzger kaufen? Ist mir doch egal ob das Leben von diesem Schwein glücklich war…

      Ich glaube wir haben verlernt zuzuhören, nachzudenken, redlich zu handeln. Richtig zu handeln. Die Leute sind durchaus noch in der Lage zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. Aber es interessiert sie nicht. Sie halten sich nicht damit auf, sie halten nicht inne. Vielleicht haben viele einfach vergessen zuzuhören, nachzudenken, zu verstehen. Vielleicht sind sie dumm, ist ihnen ihr Hirn von dämlichen Massenmedien und Dschungelcamp verstopft, oder trüben Sorgen und Alkohol die Gehirnwindungen. Was auch immer es ist, ich glaube viele Menschen haben einfach ihre Emphathie verloren…

      • Ich habe bei den letzten 3 “Anfällen von Lust auf Fleisch” Fleisch beim Fleischer gekauft und mich über die lausige Qualität geärgert. Der Aufwand um an Bio-Fleisch zu kommen ist mir einfach zu hoch. Also esse ich weitestehend vegetarisch. Da der Stadtteil hier eher zu den “Einkommensschwächeren” zählt, hat selbst REWE nur ein sehr dünnes Bio-Angebot und die Produkte sind regelmäßig von lausiger Qualität, was sich z.B. daran zeigt, daß regelmäßig von 6 Äpfeln nach 2-3 Tagen mindestens einer matschig und braun ist. Wenn ich die Gelegenheit habe außerhalb einzukaufen, habe ich das Problem nicht. Beschwerden bei REWE ergeben die Antwort wir können nur verkaufen was wir geliefert bekommen. Da ich meine Einkäufe selbst nach Hause schleppen muß, bin ich darauf angewiesen in der Umgebung einzukaufen, wo REWE noch am wenigsten “Billigmarkt” ist.

        Deshalb unterstütze ich z.B. die Aktion von Mensch & Natur, die die Supermärkte bei der Belieferung mit Lebensmitteln umgehen wollen und einen direkten Draht zwischen Landwirten/Erzeugern und Verbrauchern schaffen wollen (auch in der Stadt). Leider ist dies zunächst einmal auf München beschränkt, aber ich hoffe, daß diese Idee um sich greift und bald auch andere Städte umfasst.

        Die Bilder/Vorstellungen von “heiler Natur” kommen doch überwiegend aus der Werbung wo es eben zugelassen ist z.B. Fruchtjoghurt anzubieten in dem praktisch keine Frucht enthalten ist, aber dafür viel Zucker. Wer verhindert denn, daß endlich die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln korrekt, umfassend und verständlich deklariert werden müssen? Das sind sicherlich nicht “die Verbraucher”.

        Eine vergleichbare Situation besteht beim Stichwort regional. Ich kaufe vorzugsweise regional und muß dann von Foodwatch lernen welcher Schindluder mit dem Label betrieben wird, weil, wie so oft, Begriffe durch die Gesetzgebung seeeehr dehnbar gemacht werden, weil Profitinteressen wichtiger sind als alles andere.

        Welchen Aufwand kann ich denn betreiben um mir hinreichend sicher zu sein, daß ich, gerade bei Lebensmitteln, auch wirklich das bekomme, was ich zu kaufen glaube?

        Ich denke in diesem ganzen Umfeld tut sich einiges, wovon aber eine Menge unter dem Stichwort Ideologie abqualifiziert wird, obwohl sich bei “Betrachtung mit Abstand”, aus meiner Sicht, immer deutlicher zeigt, daß es so nicht weiter gehen kann, weil Fehler der Vergangenheit endlich korrigert werden müssen.

        Bei diesen Fehlern spielt was unter dem Stichwort “Lobbykratie” diskutiert wird eine erhebliche Rolle. Es sind ja nicht Verbraucherinteressen die in der Gesetzgebung (auch auf EU-Ebene) vorrangig sind, es geht doch vorrangig immer wieder um Profit und Wachstum, was z.B. im Verlauf der letzten Jahrzehnte dazu führte, daß immer mehr Nebenerwerbslandwirte aufgeben mußten, weil Vorgaben dafür sorgten, daß Betriebe immer größer und industrieller werden mußten, um überhaupt überleben zu können. Diese Industrialisierung der Lebensmittelerzeugung, zusammen mit dem Kampf um Marktanteile bei wenigen großen Lebensmittelkonzernen, auf einem Markt der sich eben nicht beliebig ausweiten läßt, da wir alle irgendwann satt sind, hat doch für diese billig-billig Situation gesorgt. Der Druck auf Verbraucher billig zu kaufen wird auch durch die Folgen der Agenda 2010 massiv erhöht und schafft letztlich den Teufelskreis in dem wir stecken.

        Zum Glück gibt es Ansätze zu versuchen diesen zu durchbrechen, aber lange Zeit wurde z.B. die Bio-Idee diffamiert und belächelt, ehe sie auf europäischer Ebene auch noch verwässert wurde und erst in den letzten Jahren etwas an Fahrt gewonnen hat (es können sich eben nicht alle Bio leisten und es ist auch nicht für alle leicht verfügbar).

        Es mögen viele Ideen die in diesem “alternativen Umfeld” unterwegs sind naiv sein (ich bin neben dem Bauernhof eines Nebenerwerbslandwirts aufgewachsen, wo es üblich war auf dem Feld und bei der Ernte zu helfen und dafür kuhwarme Milch, frisch gelegte Eier von Hühnern die auf nem großen Gelände scharrten, ein Schwein von dem klar war wie es aufgewachsen ist, usw. zu bekommen, bzw. zu kaufen). Da wäre es vielleicht hilfreich für “Weiterbildung” zu sorgen, anstatt es bei ideologischen Grabenkämpfen zu belassen (ich spreche damit Niemanden persönlich an).

        Wir haben in der Vergangenheit erlebt, daß die Bauernverbände keineswegs einflusslos sind. Die Frage ist nur wozu dieser Einfluss eingesetzt wird und was als Zielvorstellung das Handeln bestimmt. Dazu gehört auch zu hinterfragen, ob all das was derzeit so als auswegslos behauptet wird wirklich auswegslos ist, oder ob es nur auswegslos ist wenn das Denken durch ideologische Schranken auf Wirtschaft eingeengt wird.

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