Folgende Frage wurde an uns herangetreten:
“Wie und wo sehen Sie die Chancen auf eine wirklich moderne und proaktive Landwirtschaft mit einer maximalen Reduzierung an (endlichem) Ressourcenverbrauch, externen Input (Nährstoffe, Energie) und mit systemimmanenten Regelmechanismen?”
Uff, da mussten wir erste einmal kräftig durchatmen. Schwere Kost, wo wir auch eigentlich passen müssen.
Über diese Fragen diskutiert die Wissenschaft schon seit Jahren. Es kann nicht die Aufgabe eines einzelnen Landwirtes sein, hier Antworten zu finden.
Jeder Versuch, die Welt in fünf Minuten zu erklären ergibt entweder eine tendenziöse Antwort, die weder den themenübergreifenden Zusammenhängen noch der einzelbetrieblichen Entscheidungsmöglichkeiten gerecht wird. Nicht jeder Landwirt kann und will völlig frei entscheiden, da gewisse Gegebenheiten einfach fest stehen, z.B. Bodenfruchtbarkeit, Ausstattung des Betriebs mit Faktoren Boden-Arbeit-Kapital, Kenntnisse und Fähigkeiten des Betriebsleiters usw.
Frag den Landwirt ist nicht Ideenlieferant für Parteien, NGOs, Redakteure oder Einzelpersonen, die mal kurz auf drei DinA4 Seiten eine wirklich umfassende Abhandlung von Themen wollen, die in wissenschaftlichen Arbeiten nicht ohne Grund nur auf präzise Fragestellungen abgehandelt werden.
Jede Antwort wäre in vielen Bereichen unvollständig und zu recht angreifbar.
Wir können dazu nur ganz kurz sagen, dass Landwirtschaft, egal welcher Art, immer an einer stetigen Reduzierung des Ressourcenverbrauchs interessiert ist. Aus diesem Grund gibt es Nährstoffbilanzen, Nährstoffkreisläufe, züchterischen Fortschritt neben exakter Ausbringtechnik, Bodenproben, teilflächenspezifische Behandlung und Düngung.

Einfache Antwort: überall! Der Fragestellung nach tippe ich auch mal auf einen Voll-Laien, von daher ist vielleicht eine Antwort mit vielen Beispielen hilfreich?
Als Grundlage für all die Bereiche, in denen in der Landwirtschaft geforscht wird, nur so als “Themenzusammenfassung”, kann man ja die CC-Richtlinien nehmen.
http://www.landwirtschaftskammer.de/foerderung/pdf/cc-infobroschuere.pdf
Alles, was dort angesprochen und verlangt wird, beruht auf Forschung. Jeder Bereich, Bodenschutz, Pflanzenschutz, Tierschutz, Pflanzenernährung, Tierernährung zielt darauf, möglichst wenig Ressourcen zu “verbrauchen” (bitte nicht mit dem Verbrauch des Verbrauchers verwechseln: nur dessen Verbrauch ist wirklich “weg” im Sinne von: den natürlichen Kreisläufen nahezu vollkommen entzogen, Verbrauch innerhalb der LW beruht schon auf Kreisläufen).
Einfach mal lesen, und dann ggf zu einzelnen Themen genauere Fragen stellen?
In der Fragestellung ist zwar definiert, welches Input Parameter minimiert werden sollen. Es fehlt ein Hinweis, welche Zielvorgabe der Fragesteller auf der Outputseite haben will. Wenn man darauf keine Rücksicht nehmen müsste, was dann aber ein sehr theoretisches Gedankenmodell wäre, würde dabei wahrscheinlich eine Landwirtschaft rauskommen, die sich schwerpunktmäßig um Landschaftspflege und nicht um Nahrungsmittelproduktion kümmert.
“würde dabei wahrscheinlich eine Landwirtschaft rauskommen, die sich schwerpunktmäßig um Landschaftspflege und nicht um Nahrungsmittelproduktion kümmert.”
….. oder Soylent Green.
Diesem Thema kann man eigentlich auch mit tausend Seiten nicht gerecht werden, aber auch ich möchte es mal kurz versuchen:
Sowas muss immer nach der Input-Output Regel bewertet werden. Und dazu zählt auch Bodenfruchtbarkeit zu Beginn und am Ende des Bewertungszeitraums (und natürlich noch viel mehr). Im Kern kann man sagen, dass kontinuierliche Kostenführerschaft im Grunde auch die meisten ökologischen Vorteile mit sich bringt. Aber auch das ist viel zu kurz, denn wenn ein Unwetter eine einzige Ernte vernichtet, frisst dass den minimal möglichen ökologischen Vorteil von gleich mehreren Jahren auf einmal weg - so ist es zumindest aus mathematischer und ökologischer Sicht zu betrachten - die emotionale Seite ist vielleicht etwas zu kurz gekommen, aber die Natur kennt da eben keine Rücksicht.