Einige Fragen zum Thema Schweinehaltung, die an uns herangetreten wurden:
„Ist es global gesehen richtig in Deutschland weitere Schweineställe zu bauen?“
Warum sollte es falsch sein? Neue Ställe ersetzen meistens zumindest zum Teil ältere Ställe. In neuen Ställen sind die Bedingungen für Mensch und Tier besser, und die Emissionen sind geringer.
Jedoch ist weiter dazu zu sagen, dass die Rahmenbedingungen mittlerweile gesetzlich so gesteckt sind, dass kaum ein Landwirtschaftsbetrieb noch eine Möglichkeit hat, seinen Betrieb gewinnbringend zu erweitern. Die neuen Schwellenwerte des Baugesetzbuches stellen vor allem für flächenarme Schweine- und Geflügelmäster, aber auch für geschlossene Systeme eine wirtschaftliche Härte und eine absolute Wachstumsgrenze dar, und so trifft dieses Gesetz unsere Veredelungswirtschaft hart. Betriebe mit mehr als 1500 Mastschweinen, 560 Sauen, 15000 Legehennen, 30000 Hähnchen,… und ohne überwiegend eigener Futtergrundlage sind im Außenbereich nicht mehr ohne weiteres privilegiert, und einem sehr kosten- und zeitintensiven Genehmigungsverfahren ausgesetzt.
„Früher war das Schwein ein Resteverwerter, heute bekommt es Soja, für das Regenwald gerodet wird…“
Das Schwein ist auch heute gewissermaßen noch ein Resteverwerter. In den Rationen befinden sich Extraktionsschrote, Dampfschalen, Trester, Schlempen, Molke etc. Ein großer Bestandteil der Rationen ist Futtergerste, Futterweizen und CCM. Das alles sind Getreidequalitäten, die der moderne Mensch nicht gerne selber essen möchte.
Eine Resteverwertung der übriggebliebenen menschlichen Essensreste ist aus guten Gründen nur noch sehr eingeschränkt möglich. Diese Einschränkungen kamen im Zuge der BSE Krise zu Stande und schützen unsere Schweinebestände auch z.B. vor einem Neuausbruch von europäischer und afrikanischer Schweinepest. Jedoch wird aus guten Gründen unter besonderen Bedingungen über eine Wiederzulassung von Tiermehlen aus Schlachtabfällen nachgedacht, so dass wir wieder eine artgerechte Fütterung der Schweine bekommen. Denn Schweine sind Allesfresser (Omnivoren) und keine reinen Pflanzenfresser (Herbivoren).
Nur kurz zum Thema Soja (hier werden wir noch einen separaten Beitrag machen) – Der Anbau von Soja erfolgt wegen des Öls, welches aus der Bohne gewonnen wird. Bei der Extraktion des Öls bleibt das Sojaextraktionsschrot als Abfallprodukt. Dieses wird als Eiweißquelle im Tierfutter, u.a. im Schweinefutter verwertet.
„Viele Schweine werden hier geschlachtet und als Fleisch häufig in der unterschiedlichsten Form exportiert.“
Für uns ist es sehr wichtig, dass wenn schon ein Tier geschlachtet wird, es auch komplett verwertet wird, d.h. möglichst nichts weggeworfen wird.
Viele Teile des Schweines haben in Deutschland keinen Markt. So liegt der Selbstversorgungsgrad bei Innereien bei über 1000% und das trotz der Heimtiernahrung. Auch fettreiche Teile wie Bäuche lassen sich nicht vollumfänglich so einfach in Deutschland vermarkten, v.a. nicht in der „Grillnebensaison“. In anderen Teilen der Welt sind die Ernährungsgewohnheiten anders als hierzulande. So werden in China sehr gerne Ohren, Pfötchen und Schweinenasen gegessen.
Für die komplette Verwertung eines Schweins ist der Export von Schweinefleischprodukten also begrüßenswert.
Die Gülle der Schweine bleibt fast immer in Deutschland.
Schweinegülle ist ein natürlicher Dünger und daher sehr wertvoll.
Natürlich haben auch wir erkannt, dass Nitrate im Grundwasser ein Problem sind, und steuern diesem mit Nährstoffbilanzen, Güllekataster, Ausstellung von Güllelieferscheinen, keine Ausbringung von Gülle von Ende Oktober bis Ende Januar, Ausbringung von Gülle nur auf Vegetationen, die den Dünger auch verwerten können, Bau moderner Behälter und Mistplatten mit einer 10 monatigen Lagermöglichkeit…entgegen. Da wir nur noch eine so kurze Zeit im Jahr die Möglichkeit haben unsere Gülle bedarfsgerecht zu verteilen, konzentriert sich der Geruch in der Zeit der Ausbringung. Die Messwerte im Grundwasser zeigen uns Landwirten, dass wir auf dem richtigen Weg sind. So sind die Nitratmesswerte vom Jahr 2000 an bis 2013 an 267 (von insgesamt 411) Grundwassermessstellen gesunken. Wir sind also auf dem richtigen Weg!
Der Vorwurf der Überdüngung mit Gülle und Gärrest konnte nun auch durch den neusten Nährstoffbericht weitgehend entkräftet werden. Unsere Landwirte nehmen die Vorgaben des Düngerechts sehr ernst, und haben wieder einmal bewiesen, dass auch sie an einer Transparenz der Nährstoffströme und an einer optimalen Verwertung interessiert sind. Die Obergrenze von 170 kg N/ha und Jahr aus tierischer Herkunft wurde so gut wie in allen Landkreisen (96%) eingehalten. Der niedersächsische Durchschnitt liegt bei 119 kg N/ha.
Weiterlesen