Aufgewachsen bin ich auf einen landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb auf dem es Kühe und Schweine gab. Schweine waren nie so meine Welt und ich hatte mich schon immer mehr zu den Kühen hingezogen gefühlt. Als Teenager war ich auch begeisterte Traktorfahrerin und sehr stolz auf meinen Traktorführerschein, der damals noch nicht für alle Mädchen üblich war.
Dann kam die Zeit, in der ich nieee einen Bauern heiraten wollte. Zu der Zeit begann ich meine Ausbildung als Industriekauffrau. Dieser Vorsatz hat nicht lange angehalten, und schon während der Ausbildung habe ich auf einen landwirtschaftlichen Betrieb eingeheiratet. Direkt im Anschluss an meine Ausbildung bin ich in Mutterschutz gegangen, und ab diesem Zeitpunkt war ich aktiv in unserem landwirtschaftlichen Betrieb tätig.
Traktorfahren mag ich inzwischen nicht mehr so gerne und übernehme daher lieber den Stalldienst. Dort übernehme ich eigentlich alle anfallenden Arbeiten, bis auf Futter herrichten. Aber ich merke, dass ich als Frau trotz vieler technischer Hilfsmittel (mit zunehmenden Alter) immer häufiger an meine körperlichen Grenzen komme.
Meine Stellung auf dem Betrieb ist sehr vielfältig, und ich umschreibe sie gerne als Berufsfeuerwehr: immer bereit für den Einsatz, wo es nötig ist.
Da ich allerdings auch viele Arbeiten wie z.B. Güllefahren oder Aussaat nicht übernehme, bleibt es bei uns doch bei der überwiegenden klassischen Rollenverteilung mit den drei Ks, wobei die Kirche durch Kühe ersetzt werden muss. Und mein Mann kann auch prima kochen.
Am Beruf Bäuerin finde ich die Abwechslung der Arbeit am Schönsten. Kein Tag ist wie der andere, es wird nie langweilig. Auch wenn man das manchmal als negativ empfinden kann, da es oft nicht möglich ist, im Voraus etwas zu planen und so manche Unternehmung ausfallen musste, weil z.B. grad eine Kuh angefangen hat zu kalben.
Auch für die Kinder war einerseits immer jemand da, aber oft gingen auch die betrieblichen Anforderungen vor.
Als Familienbetrieb ohne FremdAK und Altenteiler sind wir 365 Tage im Jahr gefordert.
Momentan mache ich mir Sorgen um die Zukunft, und ob ich unserem Sohn wirklich empfehlen kann, in die Landwirtschaft einzusteigen. Die Landwirte bekommen immer höhere Auflagen, aber die Erzeugerpreise sinken immer weiter. Ein Spagat, der immer schwieriger wird.
Auch verbringe ich inzwischen immer mehr Zeit im Büro, da immer noch mehr dokumentiert werden muss. Dabei kommt mir meine Ausbildung und meine Fortbildung zur Fachkraft für Agrarinformatik die ich 2004 gemacht habe, zu Gute.
Birgit Sauter
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