Bettina Hanfstingl - „Die Pflanzenbau-Reporterin“

Wenn Kinderträume Wahr werden!
Vor knapp 30 Jahren habe ich in der Grundschule in einem Freundebuch in die Zeile für Traumberuf „Bäuerin“ geschrieben. Da ich aber nicht von einem Hof stamme, war der Weg dahin nicht kerzengerade. Erst mal standen das Abitur (Leistungskurse Deutsch und Chemie, diverse Schülerjobs wie H&M-Verkäuferin, Hilfskraft in der Dreherei eines Metallbetriebs, Bäckereiverkäuferin, Zustellerin Deutsche Post und schließlich eine Industrie-Lehre als Chemielaborantin und eine fünfmonatiger Hauswirtschaftskurs auf meinem Plan. Als ich meinen Mann kennenlernte, einen selbständigen Handwerksmeister mit kleinem Nebenerwerbs-Milchviehbetrieb, war das Thema Landwirtschaft plötzlich wieder aktuell, ich ging zum Melkkurs ans Staatsgut Achselschwang und lernte Traktorfahren. Nur wenige Jahre darauf verstarb die Mutter meines Freundes, die gute Seele und Hauptarbeitskraft im landwirtschaftlichen Betrieb, und ich musste mit 23 Jahren quasi über Nacht den Sprung zur Managerin von Haus und Hof und zum Gegengewicht von drei Männern (eigener Mann, Schwiegervater, Schwager) schaffen. Die folgende Zeit war kein Spaziergang, aber nur wer aufgibt, hat verloren. Mein Mann baute sein Steuerungstechnik-Unternehmen weiter aus und ich holte auf dem zweiten Bildungsweg die Ausbildung zur Landwirtin nach. Meine Liebe zu trockener Fachliteratur, Vorträgen, Seminaren usw. und die Hilfe befreundeter Landwirtschaftsmeister waren und sind mir da eine große Hilfe. Die waren es auch, die mich ermutigten, in die ansonsten fast nur von Männern besuchten Berufsversammlungen mitzukommen – und sie freuten sich dann, wenn ich (wie immer) Spezi trank und sie dann alle wieder nach Hause fuhr, eine klassische Win-Win-Situation also. Unvergessen die Begrüßung bei einer Molkereiversammlung: „Liebe Milcherzeugerin, liebe Milcherzeuger!“ Heute bin ich sowohl für´s Büro der Elektrotechnik-GmbH als auch für alle Entscheidungen hier auf dem Hof (15 ha Grünland + Getreidebau, 18 Milchkühe mit Nachzucht) verantwortlich. Mein Mann freut sich, wenn er nach einem Tag vor dem PC und WSCAD-Zeichnen mit mir in den Stall gehen darf und sich unbesorgt von mir sagen lassen kann, was zu tun ist. Die anfallenden Arbeiten, ob Handwerksbetrieb oder Landwirtschaft werden so aufgeteilt, dass jeder, also mein Mann und ich, das macht, was er am besten kann. Konkret sieht das dann so aus, dass er den Mineraldüngerstreuer anbaut und ich ausrechne, was rein muss. Mit diesem Gerät und einigen anderen arbeiten wir auch auswärts über den Maschinenring, um die Auslastung zu verbessern. Unsere beiden Söhne, im Grundschulalter, sind immer mittendrin dabei.
Einblicke „aus erster Hand“ in die landwirtschaftlichen Abläufe unserer Region zu geben ist das Konzept meines Facebook-Blogs „Die Pflanzenbau-Reporterin“, https://www.facebook.com/pflanzenbaureport
den ich heuer gestartet habe. Darin begleite ich die ganz normalen Feldarbeiten von uns und lieben Kollegen hier mit der Kamera und schreibe erklärende und unterhaltende Texte dazu. Für das Konzept habe ich jetzt den 1. Preis beim Öffentlichkeitsarbeits-Wettbewerb „Bauer sein heißt…“ von BBV, BLV und Bayerischem Rundfunk gewonnen. „Nur was man kennt, kann und sollte man beurteilen“ ist mein Motto. Es gibt gute Gründe für große UND kleine Betriebe, für Konventionelle UND Bio´s - und wer die wissen will, fragt am besten direkt den Landwirt! Eure Bettina Hanfstingl
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